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Fünf Jahre nach dem Abschuss von Flug MH17 ist der Prozess in Reichweite

Vor fünf Jahren wurde über der Ukraine ein in Amsterdam gestartetes malaysisches Flugzeug abgeschossen. Jetzt soll geklärt werden, wer dafür verantwortlich ist.
Stefan Scholl aus Moskau
Ein Trümmerteil der abgeschossenen Maschine auf einem Feld in der Ostukraine. 298 Menschen kamen beim Absturz ums Leben. (Bild: Igor Kovalenko/EPA, Grabovo, 20. Juli 2014)

Ein Trümmerteil der abgeschossenen Maschine auf einem Feld in der Ostukraine. 298 Menschen kamen beim Absturz ums Leben. (Bild: Igor Kovalenko/EPA, Grabovo, 20. Juli 2014)

Wladimir Zemach ist ein Mann einfacher Worte: «Er hat die ‹Suschka› kaputtgemacht, aber eine zweite ‹Suschka› hat die Boeing abgeschossen», erzählte Zemach 2015 einem russischen Amateurfilmer Mit «Suschka» meinte Zemach, damals Kommandeur der Rebellenluftabwehr in der Stadt Snischnje, einen ukrainischen Suchoi-Kampfjet, mit Boeing das malaysische Passagierflugzeug, das am Mittwoch vor fünf Jahren über Snischnje abgeschossen wurde. Mit «er» aber ist das Buk-Raketensystem gemeint, das laut der internationalen Ermittlergruppe JIT die tödliche Rakete abfeuerte und aus Russland kam. Und das nach russischen Beteuerungen nie dort gewesen ist.

Die Aussagen von Zemach könnten für die JIT-Ermittler interessant werden. Denn der frühere Berufsoffizier wurde Anfang Juli von ukrainischen Geheimdienstlern aus seiner Wohnung in Snischje entführt und sitzt jetzt in Kiew in Untersuchungshaft. Als Frontkämpfer und Flakchef von Snischnje hatte er auch nach 2015 Kontakte und Einsichten, die die Tragödie vom 17. Juli 2014 weiter aufklären könnten.

Prozess beginnt kommenden März

Schon jetzt gibt es massenhaft Fotos, Videos, abgehörte Telefonate von Rebellenoffizieren und russischen Entscheidungsträgern, die laut JIT beweisen, dass ein Buk-System der 53. russischen Flugabwehr-Brigade die Boeing vernichtete. Aber Russland leugnet vehement, machte erst ukrainische Kampfflieger, dann eine ukrainische Buk-Rakete für den Abschuss von Flug MH17 verantwortlich. «Es gibt keinerlei Beweise», sagte der russische Präsident Wladimir Putin noch vor wenigen Wochen.

Trotzdem wollen die Niederlande ein Gerichtsverfahren eröffnen, die erste Sitzung soll kommenden März stattfinden. Bisher hat die Staatsanwaltschaft vier Tatverdächtige genannt, drei Russen und ein Ukrainer, die 2014 alle als Rebellenkommandeure im Donbas kämpften. Der berühmteste ist Igor Strelkow alias Girkin, ein russischer Exgeheimdienstler, der damals als «Verteidigungsminister», das Oberkommando über die Rebellen hatte. Die ukrainische Staatsanwaltschaft veröffentlichte den Mitschnitt mehrerer Telefonate Strelkows von Anfang Juni 2014. Darin forderte er angesichts des Vormarschs der ukrainischen Streitkräfte unter anderem «normale Luftabwehrwaffen». Ausser ihm wird der russische Militärgeheimdienstler Sergei Dubinski genannt, der den Sicherheitsdienst der Rebellen kommandierte und laut JIT den Transport der BUK nach Snischnje koordinierte. Zwei weitere Tatverdächtige, Dubinskis russischer Stellvertreter Oleg Pulatow und dessen ukrainischer Untergebener Leonid Chartschenko sollen den Transport begleitet haben.

Aber keiner der vier dürfte den Einsatz des BUK-Systems befohlen haben. «Und wer das russische Befehlssystem kennt, der weiss, dass dieser Befehl eine höhere Instanz erteilt hat als das Kommando einer Flakbrigade oder auch der russischen Luftstreitkräfte», sagt der Kiewer Militärexperte Oleksi Melnyk. Er befürchtet, die JIT-Ermittlungen würden immer stärker von der Politik gebremst. «Der Versuch, eine Hierarchie verantwortlicher Rebellen mit Strelkow an der Spitze aufzubauen, wirkt, als solle von Putin abgelenkt werden.» Offenbar hätten die Niederlande und der Westen aus Angst vor dem Zorn Putins, vielleicht auch aus wirtschaftlichen Interessen, von ihren eigenen Rechtsprinzipien Abstand genommen.

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