Fürstentum
Frau weg, Ruf angekratzt: Monaco steckt in der Krise – wie kommt der Fürst da nur wieder raus?

Seine familiären Probleme sind nicht das Einzige, was Albert II. derzeit den fürstlichen Schlaf raubt.

Stefan Brändle, Paris
Drucken
Teilen
Prinzessin Charlene und Fürst Albert II. mit ihren Kindern Jacques und Gabriella 2019. Da war die Welt noch in Ordnung.

Prinzessin Charlene und Fürst Albert II. mit ihren Kindern Jacques und Gabriella 2019. Da war die Welt noch in Ordnung.

Der «Fürst auf dem Felsen» hat schon glücklichere Nationalfeiertage erlebt. Die Zaungäste der Drohnen-Show, mit der Albert II. am Freitag Monacos neues Start-up-Image unterstreichen wollte, fragten sich wieder einmal: Wo ist Charlene? Alberts Gattin war abwesend. Dabei war sie doch gerade erst von einem mehrmonatigen Aufenthalt in ihrer südafrikanischen Heimat zurückgekehrt. Ihr Mann und der Vater der gemeinsamen Zwillinge erklärte die Absenz mit einem «medizinischen Problem». Am Freitag dann die Präzisierung: Charlene bedürfe vor allem psychologischer Hilfe, gab Albert II. bekannt. In einem Interview sagte er:

«Es gibt eine Müdigkeit, die nicht nur physisch ist.»

Man kann es Albert nachfühlen, dass er zum Schutz seiner Frau diskret bleiben will. Bloss verstärkt er damit den Eindruck, dass hinter der schillernden Jetset-Kulisse mit Jachthafen, Casino und Ferrari-Meile vieles im Dunkeln bleibt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch eine äusserst aggressive Rufmordkampagne, von der das Fürstentum derzeit heimgesucht wird. Vier hohe Würdenträger, darunter der Präsident des höchsten Gerichtes und der Aussenminister, werden von Unbekannten der Korruption und illegaler Machenschaften bezichtigt.

Die Vorwürfe treffen auch den Fürsten direkt, der sein Minireich gerade vom Ruf eines klientelistischen Refugiums für Steuerflüchtlinge zu befreien versucht.

Die Immobilienhaie beissen zurück

Sicher ist, dass bei der Verleumdungskampagne Profis am Werk sind. Laut Polizeikreisen soll die Verleumdungsattacke Dutzende von Personen mobilisiert haben und bereits fünf bis zehn Millionen Euro gekostet haben. Zahlreiche Journalisten wurden fleissig mit Falschinformationen versorgt. Versendet wurden sie aus Russland, Indien, Island und den USA. Insider vermuten, dass die Urheber mutmasslich aus der Immobilienbranche stammen und kräftig an Alberts Stuhl sägen wollen. Lokale Immobilienhaie lassen sich nicht gerne in ihren Geschäften stören, die dank einer unglaublichen Wohndichte – 40000 Einwohner auf zwei Quadratkilometern Staatsgebiet – blühen.

Die zweite Spur führt zu monegassischen Firmen, die russischen Oligarchen mit oder ohne Kreml-Connection bei der Geldwäsche helfen, wie die «Pandora Papers» kürzlich enthüllt haben. Darunter leidet natürlich Monacos Image, das Albert mit grossem Aufwand aufzupolieren versucht. Der Ministaat praktiziert heute sogar den automatischen Informationsaustausch mit den Fiskalverwaltungen anderer Staaten und ist damit aus den schwarzen Listen der Steuerparadiese verschwunden.

Allzu weit geht die monegassische Aufräumaktion aber nicht. Der von der französischen Schutzmacht entsandte Untersuchungsrichter Edouard Levrault etwa wurde 2019 geschasst, weil er auf dem Felsen etwas zu viel Neugier an den Tag gelegt hatte.

Der Fauxpas eines Milliardärs

Levrault lancierte auch Ermittlungen gegen den Milliardär Dmitri Rybolowlew. Der Eigentümer des Fussballklubs AS Monaco – erster Fan: Albert II. – setzte sich in die Nesseln, als er in seinem Chalet in Gstaad den monegassischen Justizminister Philippe Narmino bewirtete. Das passte schlecht zu den gleichzeitigen Ermittlungen durch einen französischen Richter. Albert reagierte prompt und entliess den Minister. Das war ein Zeichen, dass in Monaco neue Zeiten anbrechen sollen. Und genau das gefällt nicht allen, wie die Rufmordkampagne zeigt.

Aktuelle Nachrichten