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Funda Yilmaz: Junge Türkin läutert die Schweizermacher

Wie eine 25-Jährige das Bürgerrecht erwerben will und auf dem steinigen Weg dahin unfreiwillig berühmt wird. Ein Lehrstück – wohl mit Happy End.
Funda Yilmaz (25) soll nun doch Schweizerin werden. (Bild: PD)

Funda Yilmaz (25) soll nun doch Schweizerin werden. (Bild: PD)

Es gibt Menschen, die in die Medien drängen. Und es gibt Menschen, die in die Medien gedrängt werden. Funda Yilmaz (25) gehört mit Sicherheit zur zweiten Kategorie. Wenn nämlich bei ihrem Einbürgerungsverfahren im aar­gauischen Buchs alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte sich die Geschichte ihres Schweizerin-Werdens auf einen Abschnitt im Protokoll des Gemeindeparlaments beschränkt. Und ihr Name wäre jetzt einer von vielen, die uns ewig unbekannt bleiben. Ganz abgesehen davon, dass sich Politiker jeglicher Couleur nicht über das Buchser Gebaren hätten auslassen dürfen.

Doch es kam bekanntlich alles anders. Die gelernte Tiefbauzeichnerin, die mit einem Schweizer verlobt ist, den sie im kommenden Jahr heiraten will, wurde gleichsam über Nacht zum Shootingstar – mit Schallwellen bis nach Übersee. Wobei der Buchser Gemeinderat selber wesentliche Tatbeiträge leistete, um Yilmaz zu ihrer Berühmtheit wider Willen zu verhelfen. Zwar schaffte sie zunächst den obligaten Staatskunde-Test fehlerlos. Und auch am Leumund war nicht zu deuteln. Von Vorstrafen oder dergleichen gar nicht zu reden. Der Haken an der Sache war vielmehr der: Die beiden Gespräche mit der Einbürgerungskommission verliefen offensichtlich nicht nach Wunsch. Was die Buchser Gemeindebehörde in der Konsequenz dazu führte, dem Einwohnerrat einen abschlägigen Einbürgerungsantrag zu unterbreiten.

Das Parlament führte vor den Sommerferien denn auch eine kontroverse Debatte für und wider die Einbürgerung von Funda Yilmaz, die ihr ganzes Leben in der Region Aarau verbracht hat. Und kam am Ende zum deutlichen Schluss: Diese Frau erfüllt die Voraussetzung einer erfolgreichen Integration nicht – Antrag abgelehnt. Das Ergebnis der zwischen kleinlich und peinlich anmutenden Befragung durch die Einbürgerungskommission wog offenkundig schwerer als Yilmaz’ weisse Weste. Folgerichtig erhob die junge vife Türkin denn auch Beschwerde an den Regierungsrat – wo diese noch immer hängig ist. Und nun wohl abgeschrieben werden kann.

Jedenfalls ist der Buchser Gemeinderat auf die Sache zurückgekommen. Geläutert durch eine Mischung aus sachlicher Einsicht, staatspolitischer Räson und öffentlicher Schelte beantragt die Exekutive der Legislative nunmehr die Einbürgerung von Funda Yilmaz. So steht es auf der Traktandenliste für die Einwohnerratssitzung vom 18. Oktober. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn das Vorhaben abermals scheiterte.

Seit dem ablehnenden Entscheid und nach neuerlicher Befragung jedenfalls scheinen sich die Vorbehalte in der Aarauer Vorortsgemeinde verflüchtigt zu haben. «Zusammenfassend ist festzustellen, dass Frau Yilmaz genügend in der Schweiz integriert ist», führt der Gemeinderat nunmehr aus. Ein Schluss, der nach der Vorgeschichte kaum zu überraschen vermag. Und einer, zu dem man schon vor einem knappen halben Jahr hätte kommen können. Auch wenn die Gesuchstellerin als Nationalsport Skifahren statt Schwingen nannte, die Notrufnummern nicht auswendig aufsagen konnte, mangelnde Kenntnisse über die Abfallentsorgung aufwies, keine lokalen Vereine kannte, als Einkaufsmöglichkeiten bloss Aldi und Migros erwähnte – und sich darüber hinaus ein eigenes Auto leistete, für das sie einen Kleinkredit aufnahm. Wie so mancher Schweizer von Geburt auch.

Balz Bruder

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