Libyen
Gaddafi zu Obama: «Schwarze sollten keine Komplexe haben»

Libyens gestürzter, aber immer noch wie vom Erdboden verschluckter Diktator Muammar al-Gaddafi hat den ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama gehörig unterschätzt.

Christian Nünlist
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Ghadafi
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Muammar Gaddafi
Libyen: Gaddafi Die Schweizer Geiseln wurden seinem Auftrag entfürt: Libyens Ghadafi.
Lybien verhängt Visa-Stopp Libya's leader Muammar Gaddafi attends the Food and Agriculture Organisation (FAO) Food Security Summit in Rome November 16, 2009. Government leaders and officials meet in Rome on Monday for a three-day U.N. summit on how to fight global hunger, but anti-poverty campaigners are already writing off the event as a missed opportunity. With the world's hungry topping one billion for the first time in history, the U.N. Food and Agriculture Organisation had called the summit, hoping that leaders would commit to raising the share of official aid spent on agriculture to 17 percent of the total -- its 1980 level -- from 5 percent now. That would amount to $44 billion a year, up from $7.9 billion now. REUTERS/Alessandro Di Meo/Pool (ITALY IMAGES OF THE DAY POLITICS SOCIETY HEADSHOT AGRICULTURE)
Gaddafi Die Welt gehört ihm - die Geiseln vorerst auch noch: Muanmar Ghaddafi.

Ghadafi

Keystone

Ein von Wikileaks auf seiner Website veröffentlichter Brief vom 9. November 2008 zeigt die Freude, die Gaddafi damals am Wahlsieg Obamas hatte. Dass Präsident Obama den ersten Sargnagel des Gaddafi-Regimes einschlagen würde, das konnte Oberst Gaddafi zum Zeitpunkt der historischen Präsidentschaftswahlen im Herbst 2008 natürlich nicht ahnen.

Voller Freude übermittelte er am 9. November 2008 der amerikanischen Botschaft in Tripolis per Fax einen Brief, in dem er dem gewählten amerikanischen Präsidenten zum Sieg gratulierte - ein Novum in der 42-jährigen Ära Gaddafi. „Lieber Herr Präsident Obama, ich habe die Freude, erstmals einem amerikanischen Präsidenten einen Gratulationsbrief zu schicken", betonte Gaddafi deshalb auch im ersten Satz. Er tat dies unbescheiden „im Namen von ganz Afrika" und „im Namen aller arabischen Führer, deren Doyen ich bin".

Von Bruder zu Bruder

Gaddafi gratulierte Obama „aus der Tiefe meines Herzens", weil Obama ja selbst „ein Sohn Afrikas" sei. Libyens Revolutionsführer nutzte die Gelegenheit, Obama eine kleine Geschichtslektion zu erteilen: „Die Schwarzen wurden als schwach angesehen und unterdrückt, sie wurden als Sklaven nach Amerika verfrachtet." Von Bruder zu Bruder gab Gaddafi dem frischgewählten US-Präsidenten, dem mächtigsten Mann der Welt, einen gut gemeinten Tipp: „Schwarze sollten keinen Minderwertigkeitskomplex haben und die Yankees nachahmen."

Sie müssten vielmehr zeigen, dass sie nicht weniger kompetent als die Weissen seien, forderte Gaddafi und verwies unbescheiden auf sein berühmtes „Grünes Buch": „Die schwarze Farbe wird sich auf der ganzen Welt durchsetzen, wie im Grünen Buch vorausgesagt." Mit Pathos salutierte Gaddafi dem amerikanischen Volk dafür, dass sie Obama „in dieser historischen Wahl in ein derart hohes Amt wählten". Abschliessend hoffte Gaddafi, dass Obama den Wandel herbeiführen würde, den er im Wahlkampf versprochen hatte, und zeichnete den Brief mit „hochachtungsvoll, Muammar al-Gaddafi".

Gaddafi als schlechter Prophet

Obama brachte tatsächlich Wandel, auch im arabischen Frühling 2011. Gaddafi erwies sich aber als schlechter Prophet: Denn Obama entschied sich im März 2011 nach erstem Zögern entschlossen zum Luftkrieg gegen Gaddafi. Und das Pentagon spielte, auch wenn es nach aussen nur die zweite Geige spielte, in Tat und Wahrheit eine Schlüsselrolle im Endkampf der Rebellen gegen die Gaddafi-Truppen. Die US-Streitkräfte übermittelten den vorrückenden aufständischen Kämpfern via britischen und französischen Spezialeinheiten vor Ort genaue Echtzeit-Satellitenbilder, auf denen Gaddafis Einheiten lokalisiert werden konnten.

US-Drohnen und CIA-Agenten vor Ort unterstützten den Marsch der Rebellen nach Tripolis. Gaddafis Armee wurde von den USA und der Nato weggebombt und die Rebellen militärisch stark unterstützt - Gaddafi hat inzwischen seine Meinung über Amerikas ersten schwarzen Präsidenten wohl massiv revidiert.