Corona-Virus
Ganz Italien steht unter Quarantäne – das müssen Sie jetzt wissen

Italien bekommt die Ausbreitung des Corona-Virus nicht in den Griff. Der Premier zieht nun die Notbremse. Und erklärt ganz Italien zur Sperrzone. Die sieben wichtigsten Punkte in der Übersicht.

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Laden geschlossen: Italien riegelt sich ab.
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Touristen mit Maske im Kolosseum von Rom.
Wie leergefegt: eine einsame chinesische Touristin mit Atemschutzmaske in der sonst proppenvollen Galleria Vittorio Emanuele in Mailand.
Der Platz vor dem Dom in Mailand.
Ein Mädchen mit Maske vor dem Trevi-Brunnen.
Ein fast leerer Markusplatz am 2.März.
Leere Regale in einem Supermarkt in Mailand.
Rettungssanitäter in Schutzkleidung holen ein Corona-Opfer aus einem Hotel in Ligurien.
Ein Mann mit Schutzmaske begutachtes das Bildnis Madonna mit Kind in Rom.
Per 8. März wird die Ausstellung mit Werken des Malers Raffaello geschlossen.
Sicherheitsabstand bei der Präsentation des neuen FIAT 500 in Mailand.
Ministerpräsident Giuseppe Conte während einer Pressekonferenz am 5. März.
Das Angelusgebet von Papst Franziskus wird auf einer Leinwand übertragen.
Maskenträger im Hauptbahnhof von Mailand.
Leere Reihen auf dem Petersplatz im Vatikan. Das Gebet von Papst Franziskus wurde per Video live übertragen.
In den Turiner Bistros war auch schon mehr los.
«Alles geschlossen» – ein unmissverständlicher Hinweis in Rom.
Fussball im leeren Stadion. Die AC Milan verliert am Sonntag zuhause gegen Genua – Fans sind keine zugelassen.
Das gleiche Bild zeigt sich beim Geisterspiel zwischen UC Sampdoria und Hellas Verona.
Verwaist: Der Mailänder Hauptbahnhof.
Warte, warten und nochmals warten an einer Zugstation in Rom.
Experten desinfizieren eine Gebäude in der Region Lazio.
Die meisten Läden bleiben geschlossen. Hier zwei Kunden mit Hund in einem Einkaufszentrum in Padua.
Das Corona-Virus in Italien
Deutlich weniger Passagiere als auch schon am Fiumicino Flughafen in der Nähe von Rom.
Warteschlange vor einem Supermarkt in San Donato Milanese. Die Quote bestimmt, wie viele Personen sich gleichzeitig in einem Geschäft aufhalten dürfen.
Schönes Wetter, nicht allzu viele Leute im Sempione Park in Mailand.

Laden geschlossen: Italien riegelt sich ab.

Roberto Monaldo/LaPresse/AP

Was hat Italien beschlossen?

(dpa/mwa) Die italienische Regierung weitet die Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der rasanten Ausbreitung des Corona-Virus auf das ganze Land aus. Rund 60 Millionen Menschen können sich von Dienstag an nicht mehr frei bewegen. Es gebe keine Zeit zu verlieren, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Premierminister Giuseppe Conte am Montagabend.

Wie betrifft der Entscheid die Menschen?

Wie die Massnahmen funktionieren, sieht man in Norditalien. Dort erklärte die Regierung schon am Wochenende gewisse Regionen zu Sperrzonen. Aus ihnen hinaus und in sie hinein darf man nur mit triftigen Gründen – zum Beispiel aus arbeitstechnischen oder gesundheitlichen Gründen, oder wenn man zu seinem Wohnort zurück will. Dazu muss man an Kontrollpunkten eine Selbsterklärung vorlegen. Die Menschen dürfen ausserdem nur aus wenigen Gründen ihr Haus verlassen. Als Ausnahmen gelten Einkaufen, wenn man zur Arbeit muss, Arztbesuche oder die Hilfe alter oder kranker Verwandter.

Das Besuchen von Freunden oder Spaziergänge in anderen Orten sind untersagt. Kinos und Theater sind landesweit geschlossen. Läden, Bars und Restaurants haben nur eingeschränkt geöffnet. Alle Schulen, Universitäten und Kindergärten bleiben bis mindestens 3. April geschlossen. Auch alle Sportveranstaltungen, eingeschlossen der Spiele der Serie A, werden ausgesetzt. «Unsere Gewohnheiten müssen sich ändern, wir müssen alle etwas Aufgeben zum Wohl Italiens», sagte Conte.

Was ist von der landesweiten Sperrzone ausgenommen?

Internationale Zug- und Flugverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr sollen nicht ausgesetzt werden. Mit Bezug auf das Ausland «ändere sich nichts», sagte Conte. Vom Bundesamt für Gesundheit liegt noch keine Stellungnahme zum neusten Entscheid Italiens vor. Die Grenze bleibt somit offen.

Was ist mit den Touristen?

Touristen konnten auch bisher aus den Sperrzonen im Norden ausreisen. Allerdings hatten Fluglinien ihre Verbindungen in den Norden zusammengestrichen oder ganz ausgesetzt. An den Grenzen sollen Einreisende nach Italien kontrolliert werden.

Was hat die Regierung zur landesweiten Sperrzone bewogen?

Einer der Gründe der neuen Entscheidung in Rom dürfte sein, dass viele Menschen aus den Sperrgebieten im Norden vor Beginn der Kontrollen in den bisher weniger betroffenen Süden geflohen waren. Und auch, dass viele Menschen trotz Anweisung der Regierung dennoch ausgingen, so zum Beispiel viele junge Leute, die sich in Bars dicht an dicht drängten und Ansteckungen förderten.

Veranstaltungen mit vielen Menschen dürfen im ganzen Land nicht mehr stattfinden. «Es wird keine roten Zonen mehr geben (...). Es wird eine einzige Schutzzone Italien geben», sagte Conte.

Wie schlimm ist die Lage in Italien?

Das Land kämpft gegen eine rapide steigende Zahl von Infizierten und Toten durch die Covid-19-Lungenkrankheit. Mittlerweile haben sich fast 10'000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben. Die Krankenhäuser in den besonders betroffenen Zonen sind am Limit, Plätze in den Intensivstationen sind knapp.

Was sagen Contes politische Gegner zum neusten Entscheid?

Oppositionspolitiker und Regionalpräsidenten erklärten, die Massnahmen seien immer noch nicht scharf genug. Auch gab es Kritik, dass es nur eine Selbstauskunft zu notwendigen Reisen gibt. Conte betonte erneut, wer falsche Angaben mache, begehe eine Straftat.