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Kommentar

Gefährliche Nervosität im Nahen Osten

Amerikas passive Haltung gegenüber dem Iran könnte auch für Israel gefährlich werden. Umso mehr, seit der Iran diese Woche einen weiteren Teilausstieg aus dem Atomabkommen beschlossen hat.
Pierre Heumann aus Tel Aviv
Israel-Korrespondent Pierre Heumann. (Bild: CHM)

Israel-Korrespondent Pierre Heumann. (Bild: CHM)

Der Iran hat die Urananreicherung in der Nuklearanlage Fordow diese Woche wieder aufgenommen. Dieser weitere Teilausstieg der Islamischen Republik aus dem 2015 beschlossenen Atomabkommen erhöht das Risiko einer Konfrontation zwischen Israel und dem Iran, auch wenn weder Jerusalem noch Teheran einen direkten Krieg wollen.

Israel könnte sich vor einem iranischen Raketenangriff nur begrenzt schützen, und der Iran müsste mit gezielten Angriffen der israelischen Luftwaffe auf seine Nuklearanlagen rechnen.

Mit der Ankündigung der Urananreicherung provoziert die iranische Regierung dennoch bewusst und zeigt: Sie hat keine Angst vor den Folgen möglicher Strafmassnahmen. Auch wenn die von den USA verhängten Sanktionen schmerzen, ist das Land weit von einem Wirtschaftskollaps entfernt.

Im Aussenhandel besteht eine gut funktionierende Kooperation mit Russland und China. Zudem kann Amerika Teheran militärisch nicht mehr einschüchtern.

Der Iran hat hat diese Woche einen neuen Teilausstieg aus dem Atomabkommen von 2015 bekanntgegeben. Das Bild zeigt Gasbehälter, die in der Anlage Fordow zur Urananreicherung dienen sollen. (Bild: Keystone)

Der Iran hat hat diese Woche einen neuen Teilausstieg aus dem Atomabkommen von 2015 bekanntgegeben. Das Bild zeigt Gasbehälter, die in der Anlage Fordow zur Urananreicherung dienen sollen. (Bild: Keystone)

Nachdem der Schiitenstaat im September mit Raketenangriffen die halbe Erdölproduktion Saudi Arabiens lahmlegen konnte, ohne dass Washington zu einem Gegenschlag ausholte, glauben die Ayatollahs, ihre Abenteuerlust künftig ungestraft ausleben zu können.

Die Passivität der USA gegenüber der iranischen Aggression hat aber noch eine weitere Folge: Weil Washington seinen saudischen Alliierten nicht zu Hilfe kam, befürchten Israels Politiker, dass die USA auch ihr Land bei einem Angriff des Irans im Stich lassen könnten.

Premier Benjamin Netanjahu betont deshalb immer wieder, dass Israel am Rande eines «massiven Kriegs» stehe – und gewappnet sei. Netanjahu warnte den Iran: Im Fall einer Aggression würde Israel zurückschlagen. Experten befürchten, dass eine Kurzschlussreaktion in Teheran oder in Jerusalem eine militärische Auseinandersetzung auslösen würde.

Wie das Resultat aussehen könnte, beschrieb Israels ehemaliger Botschafter in Washington, Michael Oren, kürzlich im US-Magazin «The Atlantic». Bei einer militärischen Konfrontation mit dem Iran, so das Horrorszenario, würden Raketen auf Israel niederprasseln und ferngesteuerte Drohnen essenzielle militärische sowie zivile Einrichtungen angreifen.

Vor diesem Hintergrund ist die gespannte iranisch-israelische Stimmungslage besonders gefährlich. Während Teheran glaubt, ohne Angst vor Strafmassnahmen provozieren zu können, steigt in Jerusalem die Nervosität. Das könnte im Nu zu unüberlegtem Handeln führen.

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