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Gefallene Heldin

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag, über die gewaltsame Vertreibung der Rohin­gyas aus Burma.
Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»
Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

US-Präsident Barack Obama war nicht einmal ein Jahr im Amt, als ihm der Friedensnobelpreis verliehen worden ist. Für was, konnte selbst das norwegische Nobelkomitee nicht so genau sagen. Er habe ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen, multilaterale Politik wieder ins Zentrum gerückt, hielt das Komitee in seiner Begründung fest. Weshalb dies für den Friedensnobelpreis genügen sollte, hat sich mir noch nie so richtig erschlossen, zumal genau dieser Obama in seiner Dankesrede klarmachte, dass er als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte keineswegs auf Gewalt verzichten werde.

Weshalb ich dies erzähle? In diesen Tagen wurden wir Zeuge, wie sehr sich nicht nur das Nobelkomitee, sondern viele von uns in Aung San Suu Kyi (72) getäuscht haben. Mehr als zehn Jahre lang wurde sie von den Generälen, die ihr Land regierten, gedemütigt, eingesperrt. Dies trug ihr den Ruf einer unbeugsamen Freiheitskämpferin ein. Sie wurde in einem Zug mit Namen wie Nelson Mandela, Mutter Teresa oder dem Dalai Lama genannt.

Ihr Image hat sie mittlerweile gründlich demontiert. Seit Tagen werden die Rohin­gyas gewaltsam aus Burma vertrieben. Die Rede ist von Häusern, die angezündet werden, und von gewalttätigen Übergriffen. Wer kann, der verlässt Burma. Innerhalb von drei Wochen flohen 410 000 Muslime über die Grenze nach Bangladesch. Die UNO sieht Anzeichen von «ethnischen Säuberungen» und einer humanitären Katastrophe.

Und was machte Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelpreisträgerin? Sie schwieg tagelang. Erst letzten Dienstag nahm sie erstmals öffentlich Stellung zu den Vorfällen im Westen von Burma. Ihre Rede war eine einzige Enttäuschung. Man hat sich von ihr klare Worte erwartet, eine Verurteilung der Gewalt der Militärs. Stattdessen sprach sie von «Vorwürfen und Gegenvorwürfen» und verlangte «solide Beweise». Die «Welt» spricht von einem Selbsthilfegruppengebrabbel, die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» von einem Lavieren zwischen der altbekannten Haltung und Kalendersprüchen.

Die einstige Ikone wirkt nicht nur völlig hilflos und überfordert. Aung San Suu Kyi scheint auch moralisch völlig die Orientierung verloren zu haben.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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