«Geistige Brandstifter»: Bayerns Innenminister Herrmann gibt AfD Mitschuld für Anschlag in Halle – AfD wehrt sich gegen Vorwürfe

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält nach dem Anschlag eines mutmasslichen Rechtsextremisten auf die Synagoge in Halle im Bundesland Sachsen-Anhalt auch Politiker der AfD für mitverantwortlich.

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Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/AP/MATTHIAS SCHRADER)

Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann. (Archiv) (Bild: KEYSTONE/AP/MATTHIAS SCHRADER)

"Das Eine sind diese schrecklichen Gewalttäter, vor denen wir uns schützen müssen – das Andere sind auch die geistigen Brandstifter", sagte Herrmann am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk. "Da sind in letzter Zeit auch einige Vertreter der AfD in unverschämter Weise aufgefallen", fügte er hinzu.

Namentlich nannte Herrmann den Thüringer Rechtsaussen der rechtsnationalistischen Alternative für Deutschland (AfD) Björn Höcke. "Höcke ist einer der geistigen Brandstifter, wenn es darum geht, wieder mehr Antisemitismus in unserem Land zu verbreiten", sagte er und ergänzte: "Darüber müssen wir jetzt die politische Auseinandersetzung konsequent führen."

Die Trauer in Halle ist gross. (Bild: Keystone)
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Die Menschen Gedenken der Opfer. (Bild: Keystone)
Der Täter wird die letzten Meter zum Gericht gefahren. (Bild: Keystone)
Der Attentäter von Halle. (Bild: Keystone)
Tiefe Trauer in Halle. (Bild: Keystone)
Ein Meer aus Licht in dieser dunklen Stunde. (Bild: Keystone)
Eine junge Frau zündet am Gedenkort eine Kerze an. (Bild: Keystone)
Der Terrorist auf dem Weg zum Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. (Bild: Keystone)
Der Täter wurde per Hubschrauber eingeflogen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind immens. (Bild: Keystone)
Trauerbekundungen überall. (Bild: Keystone)
Wer schweigt, stimmt zu. (Bild: Keystone)
Die Menschen trauern in Halle. (Bild: CLEMENS BILAN)
«Kein Platz für Antisemiten»: (Bild: CLEMENS BILAN)
Die Bevölkerung trauert um die Opfer des Attentats. (Bild: CLEMENS BILAN)
Auf dem Marktplatz in Halle werden Blume und Kerzen niedergelegt. (Bild: CLEMENS BILAN)
Der Eingang zur Synagoge in Halle. Auch hier liegen Blumen und Kerzen. (Bild: FILIP SINGER)
Kerzen, Blumen und ein Zettel "In tiefer Trauer! Alle gemeinsam gegen Hass und Unmenschlichkeit!" liegen vor der Synagoge. (Bild: JAN WOITAS)
Max Privorozki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, gedenkt vor der Synagoge der Opfer. (Bild: JAN WOITAS)
Blumen und Kerzen in Gendenken an die Opfer in Halle liegen vor der Synagoge Hamburg. (Bild: Carola Große-Wilde)
Ein ein dunkelgraues Auto, das mutmaßliche Auto des Täters, wird von einem Abschleppwagen bei Wiedersdorf/Landsberg abgeschleppt. (Bild: keystone-sda.ch)
Hier schiesst der Täter um sich. (Bild: ANDREAS SPLETT)
Markierungen der Polizei sind auf der Straße vor einem Dönerladen zu sehen. (Bild: JAN WOITAS)
Markierungen der Polizei sind auf dem Fußweg vor einem Dönerladen zu sehen. (Bild: JAN WOITAS)
Die Tür der Synagoge in Halle weist Spuren von Beschuss auf. (Bild: JAN WOITAS)
Markierungen der Polizei kleben um einen Einschuss in der Schaufensterscheibe eines Dönerladens in Halle. (Bild: JAN WOITAS)
Schwer bewaffnete Polizisten vor einer Synagoge in Halle: Ein Rechtsextremist hat am Mittwoch zwei Menschen erschossen. (Bild: Robert Michael/dpa/AP)
Zwei weitere Menschen hat der Attentäter schwer verletzt. (Bild: KEYSTONE/AP DPA/SEBASTIAN WILLNOW)
Polizei-Grenadiere der Sondereinheit GSG9 – der Täter wurde festgenommen. (Bild: Süddeutsche Zeitung)
Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel, was das Motiv für die gezielten Schüsse in Halle war. (Bild: KEYSTONE/AP DPA/SEBASTIAN WILLNOW)
Der Täter beim Schusswechsel mit der Polizei. (Bild: Twitter)
Es wird vermutet, dass der Täter einen Granatwerfer verwendete. (Bild: Twitter)
Der Täter in der Stadt Halle: Er wollte in der Synagoge ein Blutbad unter den 80 Gläubigen anrichten. (Bild: Twitter)
Der Täter wollte nach Angaben des Zentralrats der Juden mit Waffengewalt in die Synagoge eindringen. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Danach soll der Mann vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen haben. (Bild: Twitter)
Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen. (Bild: Süddeutsche Zeitung)
Erst nach langen Stunden des Wartens wurde klar, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. (Bild: Twitter)
Innenminister Horst Seehofer sprach am Abend von einem antisemitischen Motiv. (Bild: EPA)
Die Einsatzkräfte vor Ort - der Täter hat seine Tat gefilmt und das Video ins Internet gestellt. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Die Zu- und Abfahrtsstrassen wurden gesperrt. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Sämtliche Einsatzkräfte wurden mobilisiert. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
(Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
(Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)

Die Trauer in Halle ist gross. (Bild: Keystone)

AfD verurteilt Anschlag und wehrt sich gegen Vorwürfe

Die AfD wehrt sich gegen die Vorwürfe, eine Mitverantwortung an dem Anschlag zu haben. «Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft und schwächt das demokratische Fundament, auf dem wir stehen», erklärte die AfD-Fraktionschefin Alice Weidel am Donnerstag.

Namentlich nannte die Politikerin den bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU) und den SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach.

Hermann hatte im Bayerischen Rundfunk von geistigen Brandstiftern gesprochen. In letzter Zeit seien da auch einige Vertreter der AfD (Alternative für Deutschland) in unverschämter Weise aufgefallen, so der CSU-Politiker.

Karl Lauterbach hatte auf Twitter geschrieben: «Es ist die Hetze der AfD, die dem Rechtsextremismus eine politische Stimme gab.» Er warf der Partei eine Mitschuld vor.

Zudem verurteilte die AfD den Anschlag auf die Synagoge. «Wir sind erschüttert über dieses monströse Verbrechen. Wir trauern mit den Angehörigen um die Ermordeten und wünschen den Verletzten rasche und vollständige Genesung», hiess es von Fraktionschef Alexander Gauland. Und weiter: «Antisemitischer Terror und extremistische Gewalt müssen konsequent bekämpft und hart bestraft werden, egal aus welcher Richtung und Gesinnung sie kommen.»

Blutbad geplant

Der Täter, ein 27-Jähriger aus Sachsen-Anhalt, hatte am Mittwoch nahe der Synagoge in Halle einen Mann und eine Frau erschossen. Zwei weitere Personen verletzte er schwer. Zudem versuchte er offenbar, in das Gebäude einzudringen. Dort hielten sich zum wichtigsten jüdischen Feiertag Jom Kippur 70 bis 80 Menschen auf. Der Angreifer filmte seine Tat und übertrug sie live im Internet. Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen.

Die zwei durch Schüsse Verletzten – ebenfalls ein Mann und eine Frau – wurden nach Angaben des Universitätsklinikum Halle "schwerstverletzt". Beide seien erfolgreich operiert worden, "es besteht derzeit keine akute Lebensgefahr".

Erst nach langen Stunden des Wartens wurde klar, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Innenminister Horst Seehofer sprach am Abend von einem antisemitischen Motiv.

Der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe zudem "ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund".

Seehofer sagte weiter: "Der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur ist heute ein schwarzer Tag. Ein schwer bewaffneter Täter hat versucht, in eine Synagoge einzudringen, in der sich rund 80 Menschen aufhielten."