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Gelassen auf die Hinterbänke

Sebastian Borger, London
Der zurückgetretene Brexit-Minister David Davis in London. Bild: John Philips/Getty

Der zurückgetretene Brexit-Minister David Davis in London. Bild: John Philips/Getty

Für seinen Job brauche er weder besonders schlau noch besonders fleissig zu sein, hat David Davis der überraschten Öffentlichkeit Grossbritanniens kürzlich mitgeteilt. Gelassenheit hingegen sei von wirklich essenzieller Bedeutung. Ganz ruhig hat der britische Brexit-Minister, 69, vergangenen Freitag der Klausurtagung des Kabinetts zugehört, völlig entspannt beriet er sich am Wochenende mit seiner Frau und engen politischen Vertrauten, ganz gelassen reichte er am Sonntagabend seinen Rücktritt ein. Vielleicht habe Premier­ministerin Theresa May mit ihrem neuen weicheren Brexit-Kurs ja recht, schrieb David konziliant in seinem Abschiedsbrief. Er selbst aber könne den Kurs nicht mehr vertreten, weder in der skeptischen konservativen Fraktion noch gegenüber den Verhandlungspartnern in Brüssel.

Dort hatte man sich in den vergangenen Monaten ohnehin daran gewöhnt, Davis weitgehend links liegen zu lassen. Seit May ihren Europaberater Oliver Robbins aus Davis’ Brexit-Ministerium zu sich in die Downing Street versetzt hatte, war der Einfluss des früheren Angehörigen des Armee-Elitekorps SAS stetig gesunken. Manchmal wirkte Davis, als nehme er sich selbst nicht mehr so richtig ernst. Die seriöse «Times» jedenfalls beschrieb die Auftritte des Brexit-Ministers spöttisch als Gesamtkunstwerk und setzte «David Davis» in Anführungszeichen.

Nach knapp zwei Jahren im Amt kehrt Davis auf die Hinterbänke des Parlaments zurück, wo er sich in seiner 31-jährigen Unterhauszugehörigkeit stets am wohlsten zu fühlen schien. Der Politiker kam 1948 unehelich zur Welt, wurde von den Grosseltern aufgezogen, lebte später mit Mutter und Stiefvater in einem Londoner Slum. Stabilität verlieh ihm die Zeit in der Armee, später studierte er IT und arbeitete für den Zuckerkonzern Tate& Lyle, ehe er ins Parlament einzog. Für ­Tory-Premier John Major (im Amt 1990 bis 1997) sicherte der Mann mit dem zerknautschten Boxer-Gesicht die stets ganz knappen Mehrheiten für die Verabschiedung des EU-Vertrags von Maastricht, diente dann während der BSE-Krise als Europa-Staatssekretär. Später schlug die stets skeptische Haltung des verheirateten Vaters von drei Kindern gegenüber der EU in offene Feindschaft um.

«Und dann fordert man mehr»

Von Brüssel fühlte sich Davis auch in seinen beiden Amtsjahren schlecht behandelt. Mays neuer Plan werde nicht lang standhalten, prophezeite der Ex-Minister gestern gegenüber der BBC. «Ich fürchte, dass die EU die alte Taktik anwendet: Alle unsere Zugeständnisse werden entgegengenommen, und dann fordert man mehr.» An Mays Sturz hingegen will er sich nicht beteiligen. Nicht nur habe er persönliche Sympathie für die 61-Jährige, sagt Davis. «Ich finde auch, dass sie eine gute Premierministerin ist.»

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