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Kommentar

Gelbwesten-Proteste: Verstecken als beste Verteidigung

Kommentar zu den Ausschreitungen in Frankreich.
Sasa Rasic

Bei den Franzosen im Allgemeinen und den Einwohnern von Paris im Speziellen lässt das Wort Protest üblicherweise kaum eine Augenbraue heben. Streiks und Demonstrationen gehören zeitweise ja praktisch zum Ortsbild der französischen Hauptstadt. Doch die weitere Runde der Gelbwesten-Proteste lässt die wenigsten kalt. Nicht nur die Bilder des verschandelten Arc de Triomphe haben bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Bewegung, die gegen höhere Benzinpreise kämpft, scheint nun Blut gerochen zu haben. Das Einknicken der französischen Regierung vor ihnen – in Form der Verschiebung der geplanten Energie-Verteuerung auf nächstes Jahr – reicht offensichtlich nicht zur Beruhigung. Im Gegenteil: Die Wut scheint noch zu steigen und zielt immer klarer in eine Richtung – den Kopf von Präsident Emmanuel Macron.

Sogar vom Sturm auf den Elysee-Palast ist bisweilen die Rede. Macron will sich erst Anfang kommender Woche zur Krise äussern. Vor den gestrigen, gross angelegten und erneuten Protestaktionen wolle er sich nicht äussern, um «kein Öl ins Feuer zu giessen», wie er mitteilte. Verstecken als beste Verteidigung also. Mag sein, dass dies das beste Vorgehen zur Deeskalation ist. Doch spätestens wenn die beste Option ist, sein Gesicht nicht zu zeigen, um weniger Gewalt zu provozieren, sollte man sich als Staatschef gewisse Gedanken machen. Zur Verteidigung des Präsidenten – dem zugegebenermassen eine gewisse Arroganz anhaftet – bleibt zu sagen, dass ihm ein perfider Gegner gegenübersteht: Die eher diffuse Bewegung der Gelbwesten. Die steigenden Lebenshaltungskosten sind ein bekanntes Problem, welches Sympathien weckt.

Doch wie viele Franzosen heissen die Zerstörung und Gewalt an so symbolischen Orten wie dem Arc de Triomphe gut? Ein gewisser Anteil an unpolitischem Saubannerzug ist der Bewegung nicht abzusprechen. Zudem fragt man sich, wie viele der Teilnehmer letztes Jahr bei den Wahlen ihren Unmut im regulären Rahmen kundgetan haben (die Wahlbeteiligung lag zuletzt bei 42,64 Prozent). Das Überschwappen der Bewegung auf die Niederlande und Belgien sind dabei keine guten Aussichten. Und Macron wird ziemlich sicher nicht der Einzige bleiben, der sich Gedanken machen muss.

Sasa Rasic.

Sasa Rasic.

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