Libyen
Geld und Gold helfen Muammar al-Gaddafi auf der Flucht

Der untergetauchte Machthaber soll über 30 Milliarden Dollar verfügen, mit denen er sich Loyalitäten erkaufen kann.

Michael Wrase, Limassol
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Ghadafi
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Muammar Gaddafi
Libyen: Gaddafi Die Schweizer Geiseln wurden seinem Auftrag entfürt: Libyens Ghadafi.
Lybien verhängt Visa-Stopp Libya's leader Muammar Gaddafi attends the Food and Agriculture Organisation (FAO) Food Security Summit in Rome November 16, 2009. Government leaders and officials meet in Rome on Monday for a three-day U.N. summit on how to fight global hunger, but anti-poverty campaigners are already writing off the event as a missed opportunity. With the world's hungry topping one billion for the first time in history, the U.N. Food and Agriculture Organisation had called the summit, hoping that leaders would commit to raising the share of official aid spent on agriculture to 17 percent of the total -- its 1980 level -- from 5 percent now. That would amount to $44 billion a year, up from $7.9 billion now. REUTERS/Alessandro Di Meo/Pool (ITALY IMAGES OF THE DAY POLITICS SOCIETY HEADSHOT AGRICULTURE)
Gaddafi Die Welt gehört ihm - die Geiseln vorerst auch noch: Muanmar Ghaddafi.

Ghadafi

Keystone

Auf 1,7 Millionen Dollar beläuft sich das Kopfgeld für die Ergreifung oder Tötung des untergetauchten Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi. Ein Geschäftsmann in Bengasi soll den Betrag zur Verfügung gestellt haben. Ein Mörder des Despoten müsse nicht mit einer Strafe rechnen, sagte zudem der Chef des Übergangsrats, Mustada Abdel Dschalil, der sich bisher dafür ausgesprochen hatte, dass Gaddafi lebend gefangen und vor Gericht gestellt werden müsse.

Die versprochene Belohnung erscheint hoch, ist es aber nicht: Nach Informationen der «New York Times» könnten sich die Cash-Reserven, über die der Gaddafi-Clan verfügen kann, auf bis zu 30 Milliarden Dollar belaufen. Es handle sich um libysche Dinare, Dollar und Euro-Noten. Der gestürzte Diktator soll zudem die Goldreserven des Landes im Wert von knapp 10 Milliarden Dollar beiseite geschafft haben, um Stämme und Milizen zu bestechen und für seinen Schutz zu gewinnen.

Auch Saddam Hussein plünderte vor seinem Sturz im März 2003 die Devisenreserven der Zentralbank, um auf der Flucht Loyalitäten zu erkaufen und Anschläge gegen die amerikanische Besatzungsmacht zu finanzieren. Acht Monate lang konnte sich Saddam in einem gut getarnten Erdbunker verstecken, ehe er von ehemaligen Gefolgsleuten verraten und den Amerikanern gefasst wurde.

Algerien als Fluchtland?

Ob Gaddafi so lange durchhält, ist ungewiss. Geld und Gold können seine letzten Getreuen bei Laune halten. Doch irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem die im Land gebunkerten Reserven an Benzin, Wasser und Lebensmittel nicht mehr ausreichen werden. Um zu überleben, wird Gaddafi dann auf Nachbarschaftshilfe angewiesen sein. Infrage käme Algerien, das auch am Wochenende wieder als mögliches Fluchtland genannt wurde. Berichte, nach denen der Gaddafi-Clan in gepanzerten Limousinen die Grenze bei Ghadames passiert habe, wurden von der algerischen Regierung jedoch energisch dementiert.

Algerien steht mit dem Nationalen Übergangsrat in Tripolis auf Kriegsfuss. Es sieht die neue Regierung in «geistiger Nähe» zu islamischen Extremisten. Kürzlich aus dem Gefängnis entlassene Kaida-Mitglieder hätten sich im Fernsehen als Sprecher des Übergangsrates geoutet, behauptete ein algerischer Regierungssprecher. Die libyschen Rebellen wiederum werfen der algerischen Regierung vor, sie habe Gaddafi bei der Rekrutierung von Söldnern geholfen. Algerien soll dem gestürzten Regime zudem einige hundert Jeeps sowie Lastwagen mit Munition zur Verfügung gestellt haben.

Ans Kämpfen nicht mehr gewöhnt

Gaddafi und seine Söhne hatten vor dem Fall von Tripolis mehrfach betont, dass sie nicht daran dächten, ins Ausland zu fliehen. In der Heimat kämpfen und sterben, lautet die Marschrichtung. Dabei sind die Gaddafis inzwischen alles andere als Kämpfer: Die Söhne lieben das extravagante Leben. Man könnte sie als vergnügungssüchtig bezeichnen. Auch der Vater liess sich seine Residenz in Tripolis mit goldenen Wasserhähnen und anderen kostspieligen Extras ausstatten. Dass die Gaddafis auf ihren gewohnten Luxus dauerhaft verzichten, ist schwer vorstellbar.

Solange es relativ bequem möglich ist, werden sie sich vermutlich verstecken. Vielleicht in der Nähe zu Algerien. Die gemeinsame Grenze ist fast 1000 Kilometer lang. Dies würde in Zeiten der Bedrängnis eine Flucht nach Algerien ermöglichen. Doch noch kontrollieren die Gaddafi-Loyalisten Sirte, die Geburtsstadt des «Bruders Führer» in Zentrallibyen. Auch die Garnisonsstadt Sheba, rund 700 Kilometer südlich von Tripolis, wird noch von Gaddafi-treuen Brigaden gehalten. Für eine überstürzte Flucht nach Algerien besteht anscheinend noch keine akute Notwendigkeit.