USA

George W. Bush packt aus

Am kommenden Dienstag erscheinen die Memoiren von George W. Bush USA. Darin verteidigt der ehemalige US-Präsident Waterboarding und spricht über das Hurrikan-Drama in New Orleans.

Renzo Ruf, washington
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Ein umstrittener Ex-Präsident packt aus

Ein umstrittener Ex-Präsident packt aus

In den Verkauf kommt der 512 Seiten dicke Schinken erst am kommenden Dienstag. Das hält allerdings die führenden amerikanischen Zeitungen nicht davon ab, die Memoiren von Ex-Präsident George W. Bush (Titel: «Decision Points», zu Deutsch etwa: «Weggabelungen») bereits jetzt einer genauen Betrachtung zu unterziehen.

«Katrina» – der dunkle Punkt

Am meisten Aufsehen erregten bisher zwei Passagen des Buches, in dem Bush in angeblich leicht verständlicher Sprache zentrale Weggabelungen seiner politischen Karriere kritisch würdigt.

Da ist zum einen seine verkappte Entschuldigung für die Fehler, die das Weisse Haus bei den Rettungsarbeiten im Nachgang zum Hurrikan Katrina beging. «Als Kopf der bundesstaatlichen Regierung hätte ich die Versäumnisse schneller erkennen und rascher intervenieren müssen», schreibt Bush.

«Katrina» ist der dunkle Punkt in der Biografie des republikanischen Präsidenten; noch heute wird ihm die chaotisch anmutende Intervention Washingtons im Katastrophengebiet am Golf von Mexiko vorgehalten.

Und noch heute kämpft Bush gegen den Vorwurf, er habe vor mittlerweile fünf Jahren die sich verschärfende Lage in New Orleans nur deshalb ignoriert, weil von den Wassermassen vor allem arme Afroamerikaner betroffen waren.

Der Rapper Kanye West warf dem Präsidenten damals öffentlich vor, dass er «sich nicht um schwarze Menschen kümmere». Ein Vorfall, den Bush als «abscheulichsten Moment» seiner gesamten achtjährigen Amtszeit bezeichnet, wie er dem NBC-Journalisten Matt Lauer sagte.

In seinen Memoiren schreibt Bush: «Ich wurde während meiner Präsidentschaft häufig kritisiert. Ich mag es nicht, wenn Leute sagen, dass ich über die irakischen Massenvernichtungswaffen oder die Steuersenkungen für Reiche gelogen habe. Aber der Vorwurf, dass ich ein Rassist sei, stellte den absoluten Tiefpunkt dar.»

Vom «Waterboarding» überzeugt

Die andere Passage, die in den USA bereits Wellen warf, umfasst zwei Worte: «Damn right», sagte Präsident Bush, als der Auslandsgeheimdienst CIA vom ihm die Erlaubnis wollte, den angeblichen Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 der aggressiven Verhörmethode «Waterboarding» zu unterziehen.

Bushs Kritiker sagen, das simulierte Ertränken komme Folter gleich, weil der Gefangene glaubt, er werde ersticken. Deshalb verstosse «Waterboarding» gegen internationale Vereinbarungen, die auch von den USA unterschrieben worden seien. Bush könne rechtlich also belangt werden.

Den Ex-Präsidenten allerdings schert dies wenig. In seinen Memoiren sagt er, er habe einen erneuten Angriff der Kaida auf sein Land verhindern wollen. Und er hält ausdrücklich fest, dass er den CIA-Verhörspezialisten noch einmal mit einem kräftigen «Damn right» antworten würde – eine Passage, die in linken Kreisen sicherlich zu einem kollektiven Aufschrei führen wird.

Ins Auge gestochen ist den Rezensenten zudem, wie häufig der angeblich mächtigste Mann der Welt während seiner Amtszeit «auf dem falschen Fuss erwischt» wurde.

Diese Worte benutzt Bush beispielsweise in seinen Ausführungen über die Wirtschaftskrise, die einen dunklen Schatten auf sein letztes Jahr im Weissen Haus warf. «Ich habe meinen Fokus auf Themen gerichtet, die eine Familie beim Gespräch am Küchentisch beschäftigen, Arbeitsplätze und die Inflationsbekämpfung.»

Er sei immer der Meinung gewesen, dass ihn die Finanzmarktaufsicht oder die Rating-Agenturen auf einen drohenden Zusammenbruch des Kreditmarktes aufmerksam machen würden.

Bush kümmert das Händeringen seiner linken Kritiker aber wenig. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass sich Historiker noch jahrzehntelang den Kopf über seine Amtszeit zerbrechen werden. «Dann sind wir beide aber schon lange tot», pflegte er seinem Berater Karl Rove zu sagen.