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Gibt Rom den Hirtenstab in den Süden?

Woher kommt der nächste Papst? Aus Lateinamerika – oder ist es gar ein Schwarzer? Viele Stimmen sagen nun, es wäre an der Zeit. Denn die katholische Kirche wächst im Süden. Doch wollen die Europäer die Macht aus der Hand geben?
Pirmin Bossart
Vielfältig soll die katholische Weltkirche sein, das wünschen sich viele Mitglieder besonders aus den südlichen Ländern. Hier im Bild ist Papst Benedikt XVI. bei einem seiner Auftritte. (Bild: Keystone)

Vielfältig soll die katholische Weltkirche sein, das wünschen sich viele Mitglieder besonders aus den südlichen Ländern. Hier im Bild ist Papst Benedikt XVI. bei einem seiner Auftritte. (Bild: Keystone)

Zu den Favoriten für die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. gehören unter anderen Kardinal Peter Turkson aus Ghana, der brasilianische Erzbischof Odilo Scherer oder Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila. Sie alle sind Kandidaten aus nicht-europäischen Ländern. Das hat seine Folgerichtigkeit. Der Italien- oder Europa-zentrierte Blick auf das katholische Christentum entspricht schon längst nicht mehr der Realität. Bereits am internationalen Kongress der Katholiken 2006 wurde die Veränderung eingehend analysiert. «Der Grossteil der Katholiken wird in den Ländern des Südens beheimatet sein, während Geld und Macht – sei es die politische oder die wirtschaftliche Macht – sich weiterhin im Norden konzentrieren», sagte dort der amerikanische Theologe Philip Jenkins.

Der Süden ist konservativer

Es ist diese Kluft zwischen Nord und Süd, welche die katholische Kirche in den nächsten Jahrzehnten stark herausfordern wird. Laut Jenkins geht es dabei nicht nur um die ungleichen Machtverhältnisse, sondern auch um verschiedene Mentalitäten und Haltungen. Jenkins bringt die «so oft angeprangerte und verhöhnte konservative Haltung der katholischen Kirche» mit der sich verändernden demografischen Struktur der Weltreligion in Verbindung.

Das wachsende Gewicht des Südens fördert die konservativen und reaktionären Positionen und ist auch für die wieder deutlich konservativ gefärbte Sittenlehre innerhalb der katholischen Kirche verantwortlich. Die Priesterweihe von Frauen, Empfängnisverhütung oder Homosexualität sind in den südlichen Ländern ein viel grösseres Tabu als in den Ländern des Nordens. Das färbt auch auf die katholische Kirche ab.

Jeder 7. Katholik ist ein Afrikaner

Eine besonders starke Zunahme der Katholiken ist in Afrika zu verzeichnen. Noch im Jahr 1955 lag die Zahl der Katholiken in ganz Afrika bei 16 Millionen. Mit der verbesserten Mobilität kamen die Missionare auch in die entlegensten Regionen. Bis 1978 stieg die Zahl der afrikanischen Katholiken auf 55 Millionen. Nach aktuellsten Zahlen ist heute jeder siebte Katholik auf der Welt Afrikaner. «Und wenn die Zahl der Katholiken auf dem Kontinent bis 2025 auf 230 Millionen steigt, wird es jeder sechste sein», heisst es im Kongress-Report von 2006.

In Afrika ist die katholische Kirche besonders herausgefordert durch die starke Verbreitung von Aids und ihrer eigenen rigiden Morallehre, die den Gebrauch von Kondomen verbietet. Schon am Welt-Aids-Tag 2003 hatte der südafrikanische katholische Bischof Kevin Dowling kritisiert, dass seine Kirche «blind gegenüber der Lebenswirklichkeit von Millionen von Armen» sei. In einem Interview hielt er fest: «Wenn wir lediglich die Botschaft verkünden, dass Kondome unter keinen Umständen gebraucht werden sollen, dann werden es die Menschen meines Erachtens schwer haben, daran zu glauben, dass wir als Kirche denen, die unter oft entsetzlichen Lebensumständen leiden, mitfühlend und als Seelsorger helfen wollen.»
Die Statistiken zeigen es deutlich, nicht nur Afrika gehört zu den Boom-Staaten. Der amerikanische Soziologe Rogelio Saenz rechnet damit, dass die Zahl der Katholiken in Afrika bis 2050 um schätzungsweise 146 Prozent, in Asien um 63 Prozent, in Lateinamerika und der Karibik um 42 Prozent und in Nordamerika um 38 Prozent steigen. In absoluten Zahlen ist zwar auch in Europa ein – wenn auch geringes – Wachstum zu verzeichnen, im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung jedoch sinken die Katholikenzahlen in Europa bis ins Jahr 2050 weiter um 6 Prozent. Um 2030 bis 2035 werden die Katholiken Afrikas die europäischen Katholiken zahlenmässig überholt haben.

Freikirchen als Konkurrenz

Brasilien ist das Land mit den weltweit meisten Katholiken. In Lateinamerika leben bis heute mehr getaufte Katholiken als in den USA und in Europa zusammen. Doch in den letzten Jahren nehmen gerade in Lateinamerika die evangelischen Sekten und Freikirchen zu. Die deutsche Zeitschrift «Der Spiegel» schrieb 2010, dass die Gläubigen «in Scharen» zu den Evangelikalen überlaufen würden, weil die Katholiken vor allem in der täglichen Seelsorge versagten. «Die Evangelikalen vermitteln mehr Gemeinschaftsgefühl, sie binden die Gläubigen emotional ein, die katholische Kirche hat dem kaum etwas entgegenzusetzen.»

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