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GIGLIO: Schiff ist weg, Schmach bleibt

Vor fünf Jahren hat Francesco Schettino das mit über 4200 Personen besetzte Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» gegen Klippen gesteuert. Das Unglück mit 32 Toten wurde zum nationalen Trauma.
Dominik Straub/Rom
Touristen sonnen sich vor dem Wrack der «Costa Concordia». (Bild: Gregorio Borgia/AP (Giglio, 12. Juli 2012))

Touristen sonnen sich vor dem Wrack der «Costa Concordia». (Bild: Gregorio Borgia/AP (Giglio, 12. Juli 2012))

Dominik Straub/Rom

Heute wird Giglios Bürgermeister Sergio Ortelli an der Gedenktafel auf der Hafenmauer einen Blumenstrauss niederlegen – auf der Tafel sind die Namen aller 32 Opfer eingraviert, die bei der Havarie vom 13. Januar 2012 ums Leben kamen.

Einen weiteren Blumenkranz werden einheimische Fischer ins Meer vor dem Hafeneingang werfen – dort, wo die «Costa Concordia» vor fünf Jahren gestrandet war. «Für die Insel Gi­glio ist die ‹Concordia›-Tragödie eine Wunde, die nie heilen wird», betont Bürgermeister Ortelli. Der 13. Januar ist vom Gemeinderat Giglios letztes Jahr zu einem offiziellen Gedenktag erhoben worden, der nun jedes Jahr begangen werden soll.

Abwrackung kostet 104 Millionen Dollar

Die «Costa Concordia» selber wird in wenigen Wochen nur noch eine schmerzliche Erinnerung sein: Nachdem das 290 Meter lange und 36 Meter breite Riesenschiff in einer aufwendigen Bergungsaktion wieder aufgerichtet und im Juli 2014 nach Genua abgeschleppt worden war, ist es im Hafen von Genua vom Consorzio Ship Recycling beinahe restlos ausgeweidet, zersägt, zerlegt, eingeschmolzen und verschrottet worden.

«Die Abwrackung der ‹Costa Concordia› ist das bedeutendste Projekt dieser Art, das in Italien und vielleicht sogar in der Welt je durchgeführt wurde», betont Ferdinando Garré, Chef des Consorzio Ship Recycling, das die Verschrottung übernommen hat. 104 Millionen Dollar zahlt die US-Kreuzfahrt-Gesellschaft Carnival, zu der die Reederei der «Costa Concordia» gehört, für die Verschrottungsarbeiten an das private Konsortium.

Hinzu kommen die Erlöse aus dem Recycling: Laut Garré können 100 Prozent des beim Bau der «Costa Concordia» verwendeten Stahls wiederverwertet werden – also rund 50000 Tonnen. Das hat zu weiteren Einnahmen von etwa 15 Millionen Dollar geführt. Vom übrigen Material konnten ebenfalls etwa 80 Prozent wiederverwendet werden. Bis Ende Februar wird das letzte Stück Eisen der «Costa Concordia» ins Stahlwerk gehen – und dann wird ausser der Gedenk­tafel an der Hafenmauer von Giglio nichts mehr an das schlimmste Passagierschiff­unglück der jüngeren italienischen Geschichte erinnern.

Unglückskapitän ist noch immer auf freiem Fuss

Kapitän Francesco Schettino hatte sein Schiff, auf dem sich 4229 Personen befanden, in der sternenklaren Nacht des 13. Dezembers 2012 mit grosser Geschwindigkeit viel zu nahe an die Insel Giglio gesteuert. Die «Costa Concordia» kollidierte mit einer Klippe, die den Rumpf auf einer Länge von 70 Metern aufriss. Statt umgehend die Evakuierung anzuordnen, verbreitete der Kapitän zunächst Beschwichtigungen – um dann unabsichtlich in ein Rettungsboot zu fallen, wie er dem Gericht weismachen wollte.

Wäre das manövrierunfähige Schiff, statt im untiefen Wasser vor der Hafeneinfahrt zu stranden, auch nur wenige Dutzend Meter aufs offene Meer hinausgetrieben, dann wäre es untergegangen. Und die Opferbilanz wäre mit grosser Wahrscheinlichkeit sehr viel schlimmer ausgefallen.

Unglückskapitän Schettino – von den italienischen Medien auch «Kapitän Feigling» genannt – ist im Februar 2015 wegen Schiffbruchs, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 16 Jahren verurteilt worden. Ausserdem verfügte das Gericht für ihn und die Reederei Costa Crociere zum Teil sehr hohe Schadenersatzzahlungen an Zivilparteien.

Ende Mai 2016 ist das Urteil vom Berufungsgericht in Florenz bestätigt worden. Dennoch befindet sich Schettino nach wie vor auf freiem Fuss: Die Verteidiger des Kapitäns haben das Urteil an den Römer Kassationshof weitergezogen, der in letzter Instanz über die Havarie der «Costa Concordia» entscheiden wird.

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