GOLFKRISE: Türkei eilt Katar zu Hilfe

Die Regierung in Ankara will im isolierten Emirat Truppen stationieren.

Michael Wrase, Limassol
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Doha, die Hauptstadt von Katar, im Dunst des Sonnenaufgangs. (Bild: Keystone/Epa/Yoan Valat)

Doha, die Hauptstadt von Katar, im Dunst des Sonnenaufgangs. (Bild: Keystone/Epa/Yoan Valat)

Das unter massiven Druck seiner arabischen Nachbarn geratene Emirat Katar steht nicht mehr alleine da: In der Nacht auf Donnerstag billigte das türkische Parlament ein Verteidigungsabkommen mit dem Golfstaat. Es sieht die Entsendung von Truppen nach Doha vor. Geplant sind auch gemeinsame Militärmanöver mit Katar, wo bereits 80 türkische Soldaten mit dem Aufbau einer Militärbasis beschäftigt sind.

Das Militärabkommen war bereits vor Monaten ausgehandelt worden. Dass es auf dem vorläufigen Höhepunkt der Krise am Persischen Golf vom Parlament in Ankara ratifiziert wurde, war kein Zufall: «Wir glauben nicht, dass die gegen Katar verhängten Sanktionen gut sind. Wir wissen sehr genau, dass dieses Land sehr effektiv den Terrorismus bekämpft», betonte der türkische Präsident Erdogan am Mittwoch.

Die Parteinahme der Türkei zu Gunsten Katars ist keine Überraschung. Die beiden Staaten haben seit dem Beginn des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 die Muslimbruderschaft, die islamistische Hamas und andere fun­damentalistische Organisationen im Nahen Osten unterstützt. Auf Druck von Saudi-Arabien verwies Katar eine Reihe von Funktionären der Bruderschaft des Landes, welche anschliessend in der Türkei Asyl erhielten. Türkische Waffenlieferungen an Rebellengruppen in Syrien wurden grösstenteils von Katar bezahlt.

Nur eine Minderheit für Isolierung des Irans

Die Türkei und Katar pflegen zudem normale bis freundschaft­liche Beziehungen mit dem Iran. Eine Isolierung Teherans, wie sie Saudi-Arabien durchsetzen möchte, lehnen beide Staaten ab. Auch die Golfstaaten Kuwait, Oman sowie das Emirat Dubai sind an normalen Beziehungen zum Iran interessiert. Den saudischen Konfrontationskurs unterstützt bei näherem Hinsehen nur eine Minderheit im Nahen Osten.

Das aggressive Vorgehen der Saudis gegenüber Katar, analysiert der britische Nahostexperte Robert Fisk, habe die Gräben im Morgenland weiter vertieft und zu einem Zusammenbruch der von Donald Trump in Riad ins Leben gerufenen «sunnitischen Einheitsfront» geführt.

Michael Wrase, Limassol