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GOUVERNEURSWAHL: Wahlkampfexperimente in Virginia

Die US-Demokraten blicken mit Spannung nach Virginia. Denn das Ergebnis der morgigen Gouverneurswahl in dem Ostküstenstaat gilt als Testfall für die Stärke der Oppositionspartei – und für die Beliebtheit von Donald Trump.
Renzo Ruf, Winchester
Ralph Northam kandidiert bei der Gouverneurswahl in Virginia für die Demokratische Partei. (Bild: Steve Helber/AP (Sterling, 4. November 2017))

Ralph Northam kandidiert bei der Gouverneurswahl in Virginia für die Demokratische Partei. (Bild: Steve Helber/AP (Sterling, 4. November 2017))

Renzo Ruf, Winchester

Vielleicht ist Ralph Northam der falsche Mann am falschen Ort: ein Politiker, der Besonnenheit ausstrahlt, in einer Zeit, in der Charisma und Populismus gefragt sind. Als der 54-Jährige, der für die Demokratische Partei um den Gouverneursposten im Bundesstaat Virginia kämpft, an diesem sonnigen Herbsttag mit seiner Entourage durch das herausgeputzte Zentrum von Winchester spaziert, wirkt sein Small Talk mit Passanten gekünstelt. Also fragt Northam den Inhaber eines kleinen Spielzeugladens: «Was können wir für Sie tun, um Ihnen den Alltag als Geschäftsbesitzer zu erleichtern?» Die Antwort des Mittelständlers: «Sie können mir ein Spielzeug abkaufen.»

Solche Szenen spielen sich derzeit überall in Virginia ab. Weil die Bevölkerung des Ostküstenstaates ziemlich genau ein Jahr nach dem Sieg von Donald Trump an die Urne gebeten wird, gilt die Auseinandersetzung um den Gouverneursposten als Testwahl mit nationaler Ausstrahlung: Beide Parteien hoffen vor dem wichtigen Wahljahr 2018 auf Rückenwind. Northam steht dabei be­sonders unter Druck. Er gilt als Favorit. An der Parteibasis sind aber viele unzufrieden mit dem Kandidaten – weil der Ex-Berufssoldat konziliante Positionen vertritt und mit dem politischen Gegner pfleglich umspringt.

Allerdings kämpft auch der politische Gegner mit hausgemachten Problemen. Ed Gilles­pie, 56, ist der Anwärter der Republikaner auf den Posten des Regierungschefs von Virginia: ein alter Hase, der als Stratege und Lobbyist ein Vermögen verdient hat und ebenfalls alles andere als ein Charismatiker ist. Gillespie verkörpert quasi den Sumpf, gegen den Trump angeblich kämpft. Und da der Präsident in Virginia auf wenig Zustimmung stösst, versucht Gillespie ihn auf Distanz zu halten. Andererseits ist Gillespie darauf angewiesen, dass die Anhänger Trumps morgen zur Wahlurne strömen. Deshalb spricht er immer wieder über Themen, die an der republikanischen Basis für rote Köpfe sorgen: über die kriminelle Organisation MS-13 beispielsweise, die im Speckgürtel Washingtons Angst und Schrecken verbreitet. Auch kritisierte er den Versuch des demokratischen Gouverneurs Terry McAuliffe, die bürgerlichen Rechte von Straftätern wiederherzustellen.

TV-Werbespots an der Grenze des Geschmacks

Diese kantigen Positionsbezüge führten dazu, dass Gillespie konsequent nach rechts gerückt ist, obwohl er sich früher als Vermittler zwischen den politischen Polen inszeniert hatte. Dies ist auch ehemaligen Weggefährten aufgefallen. So twitterte der Republikaner Doug Stafford vor einigen Tagen: «Seine TV-Werbekampagne ist ekelhaft.»

Ralph Northam ist derselben Meinung. Der Demokrat ärgerte sich besonders darüber, dass er in einem Gillespie-Werbespot in Verbindung mit einem verurteilten Kinderschänder gebracht worden war – dessen bürgerlichen Rechte vorübergehend wiederhergestellt worden waren.

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