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Dänemark kämpft mit
Grenzzaun gegen Wildschweine

Ein 70 Kilometer langer Zaun soll Wildschweinen den Eintritt nach Dänemark verwehren. Politiker fürchten Schäden für die Landwirtschaft, weil die Tiere die Afrikanische Schweinegrippe verbreiten.
Niels Anner, Kopenhagen
Den Wildschweinen in Dänemark geht es an den Kragen. Symbolbild: Getty

Den Wildschweinen in Dänemark geht es an den Kragen.
Symbolbild: Getty

Das dänische Parlament kennt keine Gnade: Eine komfortable Mehrheit hat letzte Woche beschlossen, Wildschweine zu unwillkommenen Gästen zu erklären. Ein 70 Kilometer langer Zaun entlang der Grenze zu Deutschland soll verhindern, dass die Tiere in Zukunft überhaupt noch ins Land kommen.

Diejenigen, die noch da sind, sollen möglichst bald abgeschossen werden; die bürgerliche Regierung erlaubt deshalb nun die Wildschweinjagd rund um die Uhr. Jörn Dohrmann von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF) will sogar noch weiter gehen: Er fordert den Einsatz einer spezialisierten staatlichen Jägertruppe, die Tag und Nacht auf Abruf ausrücken könnte, sollte irgendwo noch eines der zwischen 50 und 200 in Dänemark lebenden Tiere gesichtet werden. Geschossen werden soll, verlangt Dohrmann, auch auf privatem Grund, denn «es gibt tatsächlich auch Bauern, die das Wildschwein als Bereicherung der Natur ansehen».

Sorge um wichtigen Exportzweig

Grund für die drastischen Massnahmen und die Aufregung ist die Angst vor der Afrikanischen Schweinegrippe, die Dänemark von Polen her über Deutschland erreichen könnte. Sollte dies passieren, wäre einer der wichtigsten dänischen Exportzweige gefährdet: Dann dürfte nämlich Schweinefleisch zumindest nicht mehr in Länder ausserhalb der EU geliefert werden, was der dänischen Landwirtschaft einen Schaden von umgerechnet gegen zwei Milliarden Franken pro Jahr bescheren könnte.

Die Schweinegrippe ist zwar für den Menschen nicht gefährlich, er kann das Virus jedoch übertragen, und die Ansteckungsgefahr auf ganze Schweinepopulationen ist hoch. Der 13 Millionen Franken teure, quer über die Halbinsel Jütland verlaufende eineinhalb Meter hohe Zaun soll deshalb möglichst dicht sein. Bei Seen und Bächen werden auch Schwimmsperren eingerichtet. Dennoch zweifeln diverse Kritiker an der Wirksamkeit – und sprechen von Geldverschwendung. Da Wildschweine gute Schwimmer sind, können sie laut dem erfahrenen Jäger Hans Kristensen leicht über die tief ins Landesinnere ragende Flensburger Förde nach Dänemark gelangen. Zudem wird der Zaun unterbrochen werden, wo Strassen zwischen den Ländern verlaufen.

Zweifel an Rechtmässigkeit

Andere Kritiker monieren, dass die Schweinegrippe noch tausend Kilometer von Dänemark entfernt ist; Deutschland hat sie bisher noch gar nicht erreicht. Insofern gehe sowieso vom Menschen das grösste Risiko aus: Verunreinigte Transporter oder kontaminierte Nahrungsmittel könnten das Virus direkt aus dem Baltikum oder Polen einführen – Zaun hin oder her. Naturschutzorganisationen warnen, dass durch die Barriere die natürliche Bewegung der regionalen Tierwelt eingeschränkt werde. Der WWF und andere Organisationen haben deshalb die EU-Kommission über das Vorhaben informiert, und diese hat in einer ersten Antwort prompt ihre Zweifel an der Rechtmässigkeit eines solchen Zauns geäussert.

Derweil hat die Debatte noch eine andere Dimension erhalten. Jakob Ellemann-Jensen, als Minister für Umweltfragen und Lebensmittel zuständig, betonte im Parlament, der Zaun richte sich nur gegen Wildschweine – und habe mit der Sicherung der Grenzen nichts zu tun. Nationale und regionale Politiker der Dänischen Volkspartei sehen darin allerdings durchaus auch eine Abschreckung gegen illegale Einwanderer. Er hoffe, sagte der DF-Politiker Peter Kofod, dass die Grenzsicherung nun vereinfacht werde. Und ein Parteikollege forderte, dass man den Zaun mindestens einen Meter höher baue – um zwei Fliegen mit einer Klatsche zu schlagen.

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