Wachstum

Griechenland hat mehr zu bieten als Feta und Olivenöl

Stimmt es wirklich, dass Griechenlands Wirtschaft nichts zu bieten hat, was der Rest der Welt kaufen möchte? Natürlich nicht! Ein Überblick über das Potenzial von Griechenland.

Marcel Speiser
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Griechenland hat Potenzial
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... die Transportbranche ...
... die alternativen Energien ...
... die Pharmaindustrie ...
... und die Reedereien.

Griechenland hat Potenzial

Keystone

Da ist nichts ausser Ziegenkäse und Olivenöl. Diesen Eindruck bekam, wer in den letzten Wochen die Berichte über die griechische Schuldenkrise verfolgt hat. Stimmt das? Natürlich nicht! Das deutsche Wirtschaftsblatt «Financial Times Deutschland (FTD)» hat genauer hingeschaut.

Resultat der Recherche: Laut Experten verfüge Griechenlands Wirtschaft durchaus über Branchen mit Potenzial. Zwar stimmt es, dass der Staat keine ökonomische Macht ist und wahrscheinlich auch nie sein wird. Aber das Land hat diverse Wirtschaftszweige, die ausbaufähig sind und in Zukunft für Wachstum sorgen könnten. Namentlich sind es diese:

Schifffahrt:

Der Schiffsverkehr wächst langfristig mit Raten von drei bis vier Prozent – der Globalisierung sei dank. Auf diesem weltweiten Wachstumsmarkt sind griechische Unternehmen schon jetzt omnipräsent – und gut aufgestellt. «Es würde sich für sie lohnen, hier ihre Möglichkeiten zu nutzen und das Geschäft auszubauen», sagte Eric Heymann, Volkswirt der Deutschen Bank, zur «FTD». «In der Schifffahrt hat Griechenland Wettbewerbsvorteile», ergänzte Jens Bastian, Griechenland-Experte von der Denkfabrik Eliamep.

So verfügt Griechenland nach Japan über die weltweit grösste Flotte. Konkret besitzen griechische Reeder 3091 Schiffe mit einer Bruttoraumzahl von 112,5 Millionen. Das ist mehr als deutsche Reedereien. Bei den Tankern liegen griechische Eigner sogar mit 1165 Tankern auf Platz eins weltweit. Dass die Vermögen aus der Schifffahrt für Innovationen sorgen können, bewies Stelios Haji-Ioannou. Der Reederspross hat den Billigflieger Easyjet gegründet.

Tourismus:

Schon heute ist der Tourismus eine der grossen Stützen der griechischen Volkswirtschaft. Doch auch hier liesse ausbauen. Etwa im stark wachsenden, gehobenen Segment. Russische Touristen etwa geben ihr Geld gern auf den griechischen Inseln aus. Eine weitere Möglichkeit wäre es, kulturbeflissene Chinesen anzusprechen, die sich für Europas Altertümer interessieren. Kurzfristig ist Griechenland ohnehin gut aufgestellt: «Der arabische Frühling ist ein griechischer Sommer», sagt Experte Bastian.

Transport:

Enormes Potenzial liegt auch im Transportgewerbe – inklusive Pipelines. Hier könnte Griechenland von seiner geografisch günstigen Lage profitieren. Es liegt als EU-Aussenposten zwischen dem Balkan und dem Nahen Osten. «Mit Ausbau und Privatisierung der Häfen liesse sich vermutlich auf Dauer viel verdienen», sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

Cleantech:

In Griechenland gibt es viel Sonne. Das ist das offenkundigste, aber am wenigsten genutzte Potenzial. Griechenland könnte sich als Lieferant erneuerbarer Energie für die EU positionieren, aber auch für die eigene Versorgung durch Solarpanels auf dem Dach. «Noch gibt es in Griechenland keine nennenswerten Anreizprogramme für erneuerbare Energien», weiss Bastian. «Hier steckt ein riesiges Potenzial, von dem die Bauwirtschaft und das Handwerk profitieren würden.»

Pharma:

Überraschend, aber wahr: Griechische Pharmazeutika erobern Marktanteile in einem global stark wachsenden Wirtschaftszweig – perfekte Voraussetzungen für weitere Investitionen.