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GRIECHENLAND: «Wir sind die wahren Mazedonier»

In Athen haben gestern Hunderttausende gegen eine Einigung mit Mazedonien im Namensstreit protestiert. Premier Tsipras steht wegen der Debatte zunehmend unter Druck.
Gerd Höhler, Athen
In Griechenland streitet man sich um die Rückkehr an den Finanzmarkt. (Symbolbild AP)

In Griechenland streitet man sich um die Rückkehr an den Finanzmarkt. (Symbolbild AP)

Die ganze Nacht war Philippos unterwegs. Aus der nordgriechischen Kleinstadt Drama ist er mit seiner Frau und zwei Töchtern die 650 Kilometer nach Athen gefahren. Jetzt ist er am Ziel, dem Syntagma-Platz. Eine «Ehrensache» sei es für ihn als Mazedonier, hier zu demonstrieren.

Hunderttausende versammelten sich gestern Nachmittag bei frühlingshaften 18 Grad in der griechischen Hauptstadt. Sie protestierten gegen Zugeständnisse im Streit um den künftigen Namen des Nachbarlandes Mazedonien. «Es gibt nur ein Mazedonien, und das ist griechisch – wir sind die wahren Mazedonier», stellt Philippos fest.

Seit Jahrzehnten waren die Fronten festgefügt im Namensstreit der Griechen mit dem nördlichen Nachbarn. Jetzt bewegt sich etwas. Die Regierungen in Athen und Skopje verhandeln über einen Kompromiss. Griechenlands Aussenminister Nikos Kotzias meint, bis zum Juni könne man eine Lösung finden. Die Kontroverse begann 1991 mit dem Zerfall Jugoslawiens. Damals erklärte die Teilrepublik Mazedonien ihre Unabhängigkeit – unter dem Namen «Republik Mazedonien». Die Griechen sahen darin Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Mazedonien und ihr kulturelles Erbe. Die Nachbarn im Norden schürten diese Ängste. Ultranationalisten in Skopje brachten Landkarten in Umlauf, auf denen sie grosse Teile Griechenlands bis hinunter nach Thessalien einem künftigen «Gross-Mazedonien» einverleibten. Seit zehn Jahren blockiert Athen wegen des Streits mit einem Veto die Aufnahme Mazedoniens in die Nato. Mit der Ablösung des nationalkon­servativen mazedonischen Regierungschefs Nikola Gruevski durch den Sozialdemokraten Zoran Zaev im letzten Mai kam Bewegung in den festgefahrenen Namensstreit. Zaev will eine Lösung finden, «die der Würde beider Länder gerecht wird».

Gegner im eigenen Kabinett

Tsipras steht unter grossem Druck der USA, das Veto gegen einen Beitritt Mazedoniens zur Allianz endlich zurückzuziehen. Davon verspricht man sich eine Stabilisierung des unruhigen Balkans. Mazedonien soll an den Westen gebunden und der Einfluss Moskaus, der in der Region unter der Willkürherrschaft des prorussischen Premiers Gruevski stark gewachsen war, zurückgedrängt werden. Voraussetzung dafür ist eine Beilegung des Namensstreits. Im Gespräch sind Kompromissformeln wie Nordmazedonien, Neumazedonien oder Slawomazedonien.

Für Premier Tsipras wäre es ein aussenpolitischer Erfolg, wenn es ihm gelänge, den Konflikt beizulegen. Die Frage entzweit allerdings die Athener Koalition. Tsipras’ rechtspopulistischer Partner Panos Kammenos will keinem Namen zustimmen, der das Wort Mazedonien enthält. Auch wenn die Koalition daran nicht zerbrechen dürfte, ist die Kontroverse eine grosse Belastung für das Regierungsbündnis. Tsipras muss überdies fürchten, dass seine Popularität weiter leidet, wenn er Zugeständnisse in der Namensfrage macht. Sieben von zehn Griechen sind dagegen, dass die Nachbarn den Namen Mazedonien nutzen.

Gerd Höhler, Athen

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