Griechische Grenzschützer erschiessen Flüchtling an Grenze – Athen dementiert

Die Situation an der griechisch-türkischen Grenze eskalierte am Mittwoch erneut: Die griechische Regierung hat Berichte entschieden dementiert, wonach Migranten auf der türkischen Seite durch Schüsse griechischer Sicherheitskräfte verletzt oder getötet worden seien

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Tränengas gegen Migranten. Die Situation an der griechisch-türkischen Grenze eskalierte am Mittwoch erneut. (Bild: Keystone)

Tränengas gegen Migranten. Die Situation an der griechisch-türkischen Grenze eskalierte am Mittwoch erneut. (Bild: Keystone)

(dpa/chm)

Am Mittwoch gab es erneut Unruhen an der griechisch-türkischen Grenze. In Fernsehbildern ist zu sehen, wie am Übergang Kastanies hinter dem Grenzzaun Hunderte Menschen versuchten durchzukommen. Die türkischen Behörden schreiben nun, dass griechische Grenzschützer einen Flüchtling beim versuchten Grenzübertritt getötet haben.

Weitere sechs Flüchtlinge wurden durch Schüsse «mit scharfer Munition» verletzt, teilte das Gouverneursamt der türkischen Region Edirne am Mittwoch mit.

Der Tote sei durch einen Schuss in die Brust gestorben, hiess es in der Stellungnahme. Andere Opfer seien an den Beinen oder in der Leistengegend getroffen worden. Die Oberstaatsanwaltschaft in Edirne habe Ermittlungen eingeleitet.

Die griechische Polizei setzte Tränengas ein, auch von türkischer Seite wurden solche Geschosse über den Grenzzaun gefeuert. Nach Angaben griechischer Sicherheitskräfte sollen auch Migranten auf der türkischen Seite mit Tränengas ausgestattet sein.

Ein Journalist der deutschen DW-News berichtete auf Twitter von Gewehrschüssen, die in der Nähe der Grenze abgefeuert worden seien.

Der Übergang auf der türkischen Seite (Pazarkule) war weiträumig abgesperrt. Journalisten wurden nicht bis an das Grenztor gelassen. Krankenwagen und ein Bus mit neuen Migranten passierten am Mittwoch die Absperrungen.

Der griechische Sender Skai berichtete, auf der türkischen Seite warteten rund 12'500 Menschen auf die Möglichkeit, die Grenze zu überwinden.

Auch eine dpa-Reporterin an der Grenze hatte am Vormittag zunächst mindestens drei, kurz darauf eine Serie weiterer Schüsse gehört. Danach sei ein Ambulanzwagen in hohem Tempo aus dem Grenzgebiet gefahren, berichtete sie.

Athen dementiert

Die griechische Regierung hat Berichte dementiert, wonach Migranten auf der türkischen Seite durch Schüsse griechischer Sicherheitsleute verletzt oder getötet worden seien.

«Angebliche Verletzte durch griechische Schüsse weise ich kategorisch zurück», sagte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Athen. «Wo sie vorher von Verletzten sprachen, reden sie nun von Toten», fügte er hinzu. «Die fake news haben kein Ende, es gibt keinen solchen Vorfall mit Schüssen von griechischen Beamten.»

Mit schafen Schüssen gegen Steine

Ein afghanischer Migrant an der Grenze, Mehsud Elmas, sagte, er habe gesehen, wie Männer von der türkischen Seite aus Steine auf griechische Sicherheitskräfte geworfen hätten und diese mit scharfen Schüssen reagiert hätten. Dabei seien zwei Menschen getötet und vier verletzt worden, sagte er. Eine Ambulanz habe Menschen weggebracht.

Ein Mann aus Syrien, Muhammad Jusuf, sagte, zuerst sei mit Platzpatronen geschossen worden, später mit scharfer Munition. Weitere Menschen gaben auf dem Weg aus dem Grenzgebiet hinaus an, dass griechische Sicherheitskräfte einige Schüsse als Warnschüsse in die Luft gefeuert hätten.