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GROSSBRITANNIEN: Königin Elisabeth steigt jetzt zur Rekord-Monarchin auf

Am 6. Februar 1952 hatte Elisabeth II. den Thron bestiegen. Jetzt, nach über 63 Jahren, wird sie die am längsten regierende Monarchin – und überholt Königin Victoria.
Die Queen als noch junge Prinzessin: Elizabeth am Pult ihres Zimmers, aufgenommen am 19. September 1946. (Bild: Getty)

Die Queen als noch junge Prinzessin: Elizabeth am Pult ihres Zimmers, aufgenommen am 19. September 1946. (Bild: Getty)

Weitere Bilder von Elisabeth II. und ihrer Familie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

Sebastian Borger, London

Am kommenden Mittwoch zieht Elisabeth II. als am längsten amtierende Monarchin auf Englands Thron an ihrer Ururgrossmutter Victoria vorbei. Ein bemerkenswerter, gleichzeitig ein heikler Tag. Festliche Begeisterung verbietet sich, schliesslich wird der Rekord nur möglich, weil die in hohem Ansehen gehaltene Vorfahrin nach 63 Jahren und 216 Tagen Amtsdauer starb.

Vor Jahren hätte der Palast wahrscheinlich abgewiegelt. Den August und September verbringen die Königin und ihre Familie Jahr für Jahr auf Schloss Balmoral in Schottland, das 1852 von Victorias Prinzgemahl Albert gekauft worden war. Ist der Aufenthalt dort nicht Gedenken genug? Was hat die Öffentlichkeit damit zu tun? Aber seit dem Unfalltod von Elisabeths populärer Ex-Schwiegertochter Diana 1997 und der daraus resultierenden Krise der Monarchie haben die PR-Berater Ihrer Majestät dazugelernt. Ein bisschen öffentliche Präsenz muss sein in der «königlichen Republik», wie der Historiker David Starkey Grossbritannien treffend charakterisiert. Der Souverän, das Volk, will seine oberste Repräsentantin sehen.

Also machen sich Elizabeth Alexandra Mary Windsor, 89, und ihr Prinzgemahl Philip, 94, auf den Weg in den Süden Schottlands. Dort ist gerade eine knapp 50 Kilometer lange einspurige Eisenbahnstrecke neu verlegt worden. Normalerweise sollen nun Dieselzüge die Touristen aus der schottischen Metropole Edinburgh in die malerische Landschaft der Borders bringen. An diesem Festtag aber reist das Königspaar mit einem Dampfzug durch die Lande, huldigt also einer Technik, die bei der Thronbesteigung 1952 noch allgegenwärtig war. Begleitet werden die hohen Besucher von der schottischen Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon, 45; sie war bei der Stilllegung der Strecke 1969 noch nicht einmal geboren.

Schon immer dazugehört

Symbolik allerorten also – für die Dauerhaftigkeit der Monarchie, für die Standfestigkeit dieser Königin. Mögen die Briten auch immer älter werden, wird die Zahl jener, die sich noch an Elisabeths Vater George VI. erinnern können, stetig kleiner. Die kurz geratene Dame mit den farbenfrohen Kostümen, im Schlepptau den kerzengeraden Marineoffizier, gehört irgendwie schon immer dazu. Es hat Krisen gegeben, natürlich. Elisabeths scheinbar kühle Reaktion auf Dianas Tod war keineswegs die schlimmste. Ihre Tugenden wie Stetigkeit und Zurückhaltung schienen irrelevant, ihr zähes Festhalten an den internationalen Verbindungen im Commonwealth wirkte veraltet.

Spätestens seit der Jahrhundertwende ist das Ansehen der Königin und der Institution, die sie vertritt, stetig gestiegen. In Umfragen bekennen sich um die 20 Prozent der Briten als Verächter der Windsor-Dynastie. Und selbst eingefleischte Republikaner wie der Favorit auf den Vorsitz der grössten Oppositionspartei Labour, Jeremy Corbyn, schrecken vor einer öffentlichen Debatte über Sinn und Unsinn der konstitutionellen Monarchie zurück.

Das hat gewiss zuallererst mit der Person der Amtsinhaberin zu tun. Elisabeth werde «nicht unbedingt geliebt, aber beinahe einstimmig respektiert», analysiert der Londoner Autor Andrew Gimson (siehe Interview). Dass eine 89-Jährige nach 63 Amtsjahren noch immer unverdrossen ihren Dienst verrichtet, bei Hunderten von Terminen den kleinstmöglichen aller Smalltalks hält, Blumen entgegennimmt und lächelt, finden auch deutlich Jüngere bewundernswert. Der Historiker Andrew Roberts spricht von «Elisabeth, der Pflichtbewussten».

Gewissenhafte Monarchin

Mit der Interpretation ihrer Rolle als «gewissenhafte Monarchin» orientiert sich die 89-Jährige bewusst oder unbewusst an Victorias Vorbild. Dem Zeitgeist entsprechend, darin mehr ihrem Vater George VI. nacheifernd, nimmt sie die königliche Funktion deutlich enger wahr als die Vorfahrin, die ihren Premierministern gern ins Handwerk pfuschte. Von Elisabeth nichts dergleichen, nicht einmal Andeutungen persönlicher oder politischer Sympathie. Man hält sie für eine Konservative mit sozialem Gewissen (One-Nation Tory), wie auch ihr bisher elfter Regierungschef, David Cameron, gern tituliert wird.

Ob Historiker später vom «zweiten elisabethanischen Zeitalter» sprechen werden, das der alte Kriegspremier Winston Churchill in Anlehnung an die berühmte Tudor-Vorgängerin Elisabeth I. (1558–1603) heraufbeschwor? Wohl kaum. Beim Amtsantritt der Königin 1952 glaubten immerhin die Hälfte der Briten, ihre Regentschaft sei gottgewollt. «Königin von Gottes Gnaden» steht noch heute auf jeder britischen Münze, doch das ist längst eine hohle Phrase.

Eine skeptische, zunehmend areligiöse, individualistische Gesellschaft akzeptiert ihre tiefreligiösen, am Gemeinwohl orientierte Repräsentantin als «Fokus nationaler Loyalität» (Gimson). Sie verkörpert Stabilität inmitten immer rascherer Veränderung. Den Kritikern gilt die Königin als inkarnierte Beharrung. Kein Zweifel aber, dass Elisabeth II. damit der typisch britischen Durchwurstelei entgegenkommt. Und wenn sie wieder einmal Anlass zum Feiern bietet, umso besser.

1868 besuchte die Ururgrossmutter Victoria Luzern

Ferien Königin Victoria (1819–1901), die Ururgrossmutter von Elisabeth II., prägte ein ganzes Zeitalter in Grossbritannien: die viktorianische Periode. Diese fällt ziemlich genau mit den beiden letzten Dritteln des 19. Jahrhunderts zusammen. Sie gilt als ernste, moralisch aufrichtige Zeit ungeheurer wirtschaftlicher Entwicklung und dem Aufstieg Grossbritanniens zur unumstrittenen Führungsmacht der Welt. An der Spitze stand 63 Jahre lang eine pflichtbewusste, zutiefst gläubige, das Landleben liebende Frau: Victoria, die Siegreiche.

Bekanntlich entwickelte sich Luzern im 19. Jahrhundert zur weltberühmten Fremdenstadt, und die Besucher gehörten teilweise dem höchsten Adel an. Königin Victoria, Monarchin seit 1837, wählte im Jahr 1868 Luzern zu ihrer Feriendestination. Sieben Jahre zuvor war ihr Gatte, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, im Alter von nur 42 Jahren an Typhus gestorben. Victoria trug bis an ihr Lebensende schwarze Kleidung als Zeichen ihrer Trauer.

Ein undatiertes Porträt von Königin Victoria (1819-1901). (Bild: AP.)

Ein undatiertes Porträt von Königin Victoria (1819-1901). (Bild: AP.)

Am 7. August 1868 traf die Königin mit einem Zug in Luzern ein. Die «Luzerner Zeitung» schrieb am Tag darauf: «Vom Bahnhof, wo die bereits vollständig in Gala ausgerüstete Stadtpolizei Mühe hatte, die neugierige Menge in respektvoller Entfernung zu halten, fuhr die Königin per Vierspänner mit Vorreiter an ihren nunmehrigen Aufenthalt Pension Wallis auf dem Gütsch.» (Zitiert nach dem Buch «Vom Gütsch zur Reuss» von Anton Räber.)

Victoria machte täglich Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung der Stadt Luzern. Die «Luzerner Zeitung» berichtete über Reisen der Königin nach Küssnacht, auf die Rigi und ins Furkagebiet. Einen Trip auf den Pilatus unternahm sie mit ihrem eigenen Pony (!). Die Monarchin begab sich zudem öfters inkognito in die Stadt. Für Fahrten auf dem Vierwaldstättersee stand der Königin jederzeit das Dampfschiff «Winkelried» zur Verfügung. Am 9. September reiste die Königin wieder ab.

«Victorias Aufenthalt in Luzern war für unsere Stadt von nachhaltiger Bedeutung», schreibt Anton Räber weiter. Jahrzehntelang gehörten die Briten zu den treusten Gästen der Tourismusregion Zentralschweiz. 1870 benannte die Dampfschiffgesellschaft Luzern einen neuen Dampfer «Victoria».

Die Königin ist indirekt schuld daran, dass die Pilatusstrasse oberhalb der Kantonalbank eine S-Kurve beschreibt. Denn dort wurde 1890 das den Platz beherrschende Hotel Victoria erbaut. Seit Ende der Zwanzigerjahre ist es umgebaut in ein Wohn- und Geschäftshaus. Die dortige Tramhaltestelle wurde nach dem hohen Gast benannt. Noch heute wird für die Kreuzung Pilatusstrasse/Hirschmattstrasse der Name Viktoriaplatz verwendet. Der Salondampfer mit dem Namen der traurigen Königin fand leider ein unschönes Ende: Das Schiff verbrannte 1942 auf dem Dock der Werft.

Stefan Degen

Elisabeth einen Monat nach der Geburt 1926 mit ihrer Mutter Elisabeth, später bekannt als «Queen Mum». (Bild: Getty)

Elisabeth einen Monat nach der Geburt 1926 mit ihrer Mutter Elisabeth, später bekannt als «Queen Mum». (Bild: Getty)

Krönung von Elisabeth II. in der Westminster Abbey am 2. Juni 1953. Sie wurde live am Fernsehen übertragen. (Bild: Getty)

Krönung von Elisabeth II. in der Westminster Abbey am 2. Juni 1953. Sie wurde live am Fernsehen übertragen. (Bild: Getty)

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