Grossbritannien
«Lügen» und «Fälschungen» vor Skandal-Interview mit Diana: Königshaus erhebt schwere Vorwürfe gegen die BBC

Ein 25 Jahre altes Interview mit «Lady Di» beruhte auf Lügen und Fälschungen. Prinz William greift den Sender nun frontal an – und stellt eine Verbindung zu Dianas Tod her.

Sebastian Borger, London
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Emotional ging es zu bei Prinzessin Dianas Interview mit der BBC vor einem Vierteljahrhundert.

Emotional ging es zu bei Prinzessin Dianas Interview mit der BBC vor einem Vierteljahrhundert.

Str / AP,
BBC Panorama

Dass ein zukünftiger König frontal die britische Ikone BBC angreift, das gab es bisher noch nie. Bis Donnerstagabend. Da verlas Prinz William, 38, eine gut zweiminütige Erklärung, die kein gutes Haar liess am berühmtesten öffentlich-rechtlichen Sender der Welt.

Die Rede war von «Lügen» und «gefälschten Dokumenten», von «reisserischen und falschen Anschuldigungen», von «elender Inkompetenz» und schliesslich, besonders verheerend, von einem «Cover-Up». Das Verhalten von Reportern und Verantwortlichen der BBC habe zur «Furcht, Paranoia und Isolation» seiner Mutter Diana, beigetragen – und damit, so legte es der Prinz nahe, zu ihrem Unfalltod im August 1997.

Viele der brutalen Formulierungen des zornigen Prinzen waren ihrerseits Zitate. Sie stehen in einem Bericht über einen der berühmtesten Momente der jüngsten Fernsehgeschichte. Auf 127 Seiten hat darin der pensionierte Höchstrichter Lord John Dyson analysiert, wie es im November 1995 zu einem Interview von Prinzessin Diana und dem jungen BBC-Reporter Martin Bashir kam.

Schwere Vorwürfe: Prinz William teilt in einer Rede gegen die BBC aus.

Schwere Vorwürfe: Prinz William teilt in einer Rede gegen die BBC aus.

AP

23 Millionen Briten lauschten den Enthüllungen der selbsternannten «Königin der Herzen»: Die damals 34-Jährige gab mehrere Affären zu, outete sich als Bulimie-Kranke und plauderte über den Thronfolger, Williams Vater Charles, und dessen Beziehung zu Camilla Parker-Bowles: «Es gab drei in dieser Ehe, da wurde es ein bisschen eng.» Kurz darauf befahl die Queen den verfeindeten Rosenkriegern die Scheidung.

Die Prinzessin sah sich von Feinden umstellt

Die anderen Medien interessierte damals vor allem: Wie konnte ein unbekannter BBC-Reporter den sensationellen Scoop landen? Lord Dysons Antwort fällt eindeutig aus: Mit Lügen und gefälschten Kontoauszügen hatte sich Bashir ins Vertrauen von Dianas jüngerem Bruder Charles Spencer geschlichen. Der Graf arrangierte ein Treffen des Reporters mit Diana, die sich von Feinden umstellt sah. Das Gefühl schürte Bashir nach Kräften, belastete auch den langjährigen Privatsekretär der Prinzessin. Wenig später wurde Patrick Jephson vom Hof gejagt.

Kaum besser erging es Bashir-Kritikern bei der BBC. Eine interne Untersuchung in dem Sender, der stets seine journalistische Integrität betont, zielte erkennbar darauf ab, interne und externe Zweifler zum Schweigen zu bringen. Reporter Bashir, der gegen alle journalistischen und ethischen Standards verstossen hatte, sei «ehrenwert», behauptete der damalige Nachrichtenchef Tony Hall im Rundfunkrat. Beide machten später glänzende Karrieren: Bashir verdiente in Amerika Millionen, ehe er 2016 zur BBC zurückkehrte. Vergangene Woche reichte er «krankheitsbedingt» die Kündigung ein. Hall war bis 2020 BBC-Intendant.

Hat sich die Unternehmenskultur erhalten, die «ein bisschen klang wie bei der Mafia», wie im Nachhinein eine damalige Abteilungsleiterin einräumt? Diesen gefährlichen Verdacht muss Halls Nachfolger Tim Davie nun aus der Welt schaffen. Devot entschuldigte sich der amtierende BBC-Intendant bei der Queen, den Prinzen und beim Grafen Spencer.

Boris Johnson will mehr Kontrolle an die Kette legen

Ob das reicht? Williams Erklärung klang ebenso unversöhnlich wie die seines jüngeren Bruders Harry, der von Kalifornien aus eine Medienkultur von «Ausbeutung und unethischen Praktiken» anprangerte.

Die Lügen und Vertuschungen des Reporters Bashir und seiner Vorgesetzten haben das Bild der toten Prinzessin als verfolgte Unschuld genährt. Dabei war Diana damals fest entschlossen, ihre Wahrheit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Statt Bashir hätte sie vielleicht – wie kürzlich ihr Sohn Harry – Oprah Winfrey ihr Herz ausgeschüttet. Geschwiegen jedenfalls, wie es sich ihre Söhne zu wünschen scheinen, hätte die selbstbewusste junge Frau gewiss nicht.