Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

GROSSBRITANNIEN: Super-Europäer im Brexit-Land

Der Oxforder Zeitgeschichtler Timothy Garton Ash ist diesjähriger Träger des Aachener Karlspreises. Die Auszeichnung trifft ihn zu einem speziellen Zeitpunkt.
Publizist und Hochschullehrer Timothy Garton Ash (61). (Bild: Friedemann Vogel/EPA)

Publizist und Hochschullehrer Timothy Garton Ash (61). (Bild: Friedemann Vogel/EPA)

Dass Timothy Garton Ash diese Woche den Karlspreis erhielt, spiegelt neben der Hochachtung für den 61-jährigen Oxforder Publizisten und Hochschullehrer das Wunschdenken der Verleiher wider. Ausdrücklich ehren die Aachener TGA, wie Garton Ash Uni-intern abgekürzt wird, auch als «führenden Proeuropäer» eines Landes, das im vergangenen Jahr der Europäischen Union den Rücken gekehrt hat.

Ob sich die schicksalhafte Entscheidung allenfalls noch rückgängig machen lässt? Da wäre Garton Ash gewiss begeistert, empfindet er doch das Ergebnis der Volksabstimmung als «grösste Niederlage meines politischen Lebens».

Neben der Absage an die Brüsseler Institutionen, denen auch TGA immer wieder kritisch gegenüberstand, symbolisiert sie Grossbritanniens Abkehr von einer Politik, die auf die Eingliederung einst kommunistischer Staaten in die westliche Wertegemeinschaft abzielte. Das war Garton Ashs Thema seit Ende der 1970er-Jahre, als der Westberliner Doktorand die Existenz der DDR für sich entdeckte. TGA lebte eine Zeitlang in Ostberlin, später auch in Polen, von wo seine Frau stammt. Die friedlichen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa machten ihn berühmt, sein Buch «Ein Jahrhundert wird abgewählt» wurde ebenso zum Bestseller wie «Die Akte Romeo», eine superbe Reflexion über seine Stasi-Akte. Ähnlicher Erfolg blieb jüngeren Büchern, zuletzt einem Debattenanstoss zur Redefreiheit in Zeiten des Internets, verwehrt.

Der Oxforder Gelehrte tritt gern «very british» auf, etwa in rosa Hemd zum braunen Anzug, und verkörpert die Fähigkeit der Briten, kühl und differenziert über die Welt nachzudenken, die Ergebnisse seiner Analyse aber in konkreter, den Menschen naher Sprache zu präsentieren. Wer den Professor am Oxforder St Antony’s College aus der Nähe erlebt, trifft auf einen leidenschaftlich an anderen Ländern, zuvorderst Deutschland, interessierten Menschen.

Sebastian Borger, London

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.