Paar zieht samt Kindern in den Dschihad: Nach dem Tod der Eltern holt der Grossvater seine Enkel nach Hause

Ein schwedischer Grossvater hat seine sieben kleinen Enkelkinder eigenhändig aus Syrien nach Schweden geholt. Ihre konvertierten Eltern waren als IS-Kämpfer gestorben.

Niels Anner, Kopenhagen
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Patricio Galvez mit einem Enkelkind im Irak. (Bild: Cecilia Udden, Sveriges Radio)

Patricio Galvez mit einem Enkelkind im Irak. (Bild: Cecilia Udden, Sveriges Radio)

«Die Reise ging gut, die Kinder waren ruhig», sagte der müde, aber erleichterte Patricio Galvez, der am Mittwoch in Göteborg landete. Zusammen mit dem Grossvater reisten seine sieben Enkelkinder im Alter zwischen einem und acht Jahren. Sie alle hatten in Syrien gelebt, wo im Frühjahr beide Eltern als konvertierte und radikalisierte Mitglieder der Terrorgruppe IS starben.

Die Waisen kamen nach der IS-Niederlage in Raqqa in ein kurdischen Flüchtlingslager, unter misslichen Umständen, wie Patricio Galvez im April schwedischen Medien sagte. Der 50-Jährige lebte in Göteborg ein ruhiges Leben, hat – im Gegensatz zu seiner seit langem von ihm geschiedenen Frau – keinerlei Bezug oder Sympathien für Islamisten. Seine Tochter Amanda dagegen hatte sich vor einigen Jahren radikalisiert. 2014 war sie mit ihrem Mann, dem schwedisch-norwegischen Doppelbürger Michael Skråmo sowie drei Kindern nach Syrien gereist.

Wenig Unterstützung von den Behörden

Dies unter dem Vorwand, sie wollten Ferien in der Türkei machen. Im «Islamischen Staat» wurden weitere drei Kinder geboren. Skråmo war ein profilierter IS-Kämpfer, der immer wieder Skandinavier anwarb sowie zu Terror in Schweden aufrief; sein Tod in Syrien wurde im März bestätigt. Seine Frau war bereits im Dezember bei einem Granatenangriff getötet worden. Der Grossvater Patricio Galvez hielt es nicht mehr in Schweden aus, er wollte sieben unschuldige Kinder retten. «Sie sind lediglich Opfer», wie er sagte. Von den Behörden erhielt er wenig Unterstützung. Die Frage, wie mit nach Syrien gereisten IS-Anhängern und ihrem Nachwuchs in Gefangenschaft oder Flüchtlingslagern umzugehen sei, wird in Schweden wie in anderen Ländern ­kontrovers diskutiert. Keine Regierung will die Islamisten oder ihre Familien leichtfertig nach Hause bringen.

Grundsätzlich ist klar, dass den Kindern irgendwie geholfen werden soll, wobei aber stark umstritten ist, was mit noch lebenden Eltern passieren soll. Galvez schlug sich bis in den Irak durch, und nach einigem Hin und Her gelang ihm auch ein Besuch im kurdischen Flüchtlingslager al-Hol in Syrien, wo er im April seine Enkelkinder unter 75000 anderen IS-Flüchtlingen fand – Kinder, die er zum Teil noch gar nie gesehen hatte. Sie waren unterernährt und krank, laut ihrem Grossvater «unterschiedlich traumatisiert».

Schwedisch hat das Vertrauen gefördert

Er verbrachte einige Stunden mit ihnen, gab skandinavischen Medien Fotos, die zeigen, wie er dem jüngsten, 16 Monate alten Enkel die Flasche gibt. Dass er Schwedisch mit ihnen sprach, habe ihr Zutrauen gestärkt, erzählte er später. Zunächst musste Galvez zurück in den Irak und abwarten, während dort nun auch schwedische Diplomaten mit den Kurden verhandelten. Nach einigen Wochen wurden die Enkelkinder schliesslich in die Stadt Erbil im irakischen Kurdistan gebracht, wo sie medizinische Versorgung und schwedische Ausweispapiere erhielten – die Grundlage für die Heimreise.

In Göteborg empfingen schwedische Grenzbeamte, die Polizei und die Sozialbehörden die Familie. Diese klären nun ab, wo und wie die Kinder leben sollen. Neben Patricio Galvez haben sie noch weitere Verwandte in Schweden, wobei sowohl ihre Grossmutter wie auch ein Bruder von Michael Skråmo sich früher dem IS angeschlossen haben. Sie sind aber seit einiger Zeit zurück in Schweden.