Kanzler
Guttenberg –Deutschlands Obama?

Ein Adeliger bezaubert Deutschland. Karl-Theodor zu Guttenberg wird Kanzler, mindestens, meinen viele. Sehnt sich Deutschland nach einem Franken.Obama?

Benedikt Vogel, Berlin
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Guttenberg – der Kanzler in Reserve

Guttenberg – der Kanzler in Reserve

Angela Merkel ist als deutsche Regierungschefin unangefochten. Oder etwa doch nicht? Der «Spiegel» und weitere Medien spekulieren über eine bayrische Alternative: Karl-Theodor zu Guttenberg.

Stilvoll gekleidet und eloquent – der deutsche Verteidigungsminister macht gute Figur sogar bei Begräbnissen. So am vergangenen Freitag, als in Niedersachsen ein Sanitätsfeldwebel zu Grabe getragen wurde, der eine Woche zuvor in Afghanistan gefallen war. Lange konnte man sich nicht vorstellen, dass es förderlich sein könnte für einen deutschen Minister, Tote eines von der Mehrheit abgelehnten Krieges zu bestatten. Bei «KT», wie seine Anhänger Guttenberg nennen, scheint das anders zu sein. Seine Popularität ist ungebrochen.

Debatte zur Unzeit

Wer so beliebt ist, ist für höhere Weihen bereit. Das finden zumindest jene deutschen Blätter, die Guttenberg jetzt kurzerhand zum kommenden Kanzler ausrufen. Zu ihnen gehört der «Spiegel». In seiner jüngsten Ausgabe hievt das Magazin den «Bürgerkönig» zusammen mit seiner Gattin aufs Titelblatt und fabuliert von einem «Paarlauf ins Kanzleramt».

Die Kanzler-Debatte kommt zu einem schrägen Zeitpunkt. Die amtierende Kanzlerin Angela Merkel wurde erst vor einem Jahr wiedergewählt und ist als Regierungschefin auch nicht ernsthaft angefochten. Trotzdem spekulieren deutsche Journalisten, Guttenberg könnte Merkel ablösen, wenn das CDU-Stammland Baden-Württemberg im kommenden März an die Linke fallen sollte. Merkel hatte die Landtagswahl im Südwesten zu einem Volksentscheid über das Bahnprojekt «Stuttgart 21» erklärt – und damit auch zu einer Angelegenheit ihres eigenen Prestiges gemacht. Ein Machtwechsel in Stuttgart würde also auch der Kanzlerin schaden. Allerdings ist kaum vorstellbar, dass sie darüber ihr Amt verlieren könnte.

Dass deutsche Medien trotzdem in «KT»-Kanzler-Fantasien schwelgen, hat weitere Gründe. Merkel hat mit ihrer Politik der Mitte konservative Wähler verprellt. Für die Enttäuschten könnte der bayrische Christsoziale eine Alternative sein. Allerdings bleibt offen, ob Guttenberg wirklich dem konservativen Parteiflügel eine Heimat bieten würde.

Merkel scheint derweil ihr Manko an konservativer Rhetorik ausgleichen zu wollen. Die in Deutschland lebenden Muslime hat sie vor einigen Tagen ultimativ ans Grundgesetz erinnert. Am Wochenende teilte sie abermals aus, sprach von «Multikulti- Eiapopeia» und erklärte: «Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!»

Doch Guttenberg hat noch einen Trumpf in der Hand: seine attraktive Ehefrau Stephanie. Vor zehn Tagen trat die 33-jährige Freifrau in einer Sendung des Privatkanals RTL2 auf, die im Internet Jagd auf Pädophile macht. «Eine gute Marketingstory für RTL2 und Frau zu Guttenberg», frotzelte die «Süddeutsche Zeitung».