Hamas gegen Israel: Waffenstillstand beendet Gewaltausbruch

Israels Armee hat mit Luftangriffen auf den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen reagiert. Die Gefechte forderten mehr als 30 Tote. Jetzt schweigen die Waffen. Vorläufig.

Susanne Knaul, Jerusalem
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Palästinenser inspizieren ein Haus, das durch israelische Luftangriffe zerstört wurde. Bild: EPA/Mohammed Saber (Gaza, 6. Mai 2019)

Palästinenser inspizieren ein Haus, das durch israelische Luftangriffe zerstört wurde. Bild: EPA/Mohammed Saber (Gaza, 6. Mai 2019)

Vier Todesopfer auf israelischer Seite, 27 Tote im Gazastreifen, Hunderte Verletzte, eine enorme Verwüstung: So lautet die Bilanz der jüngsten Schlacht zwischen Israel und den palästinensischen Islamisten vom vergangenen Wochenende. Seit Montagmorgen 4:30 Uhr schweigen die Waffen. Gegen 7 Uhr erteilten Israels Sicherheitsdienste grünes Licht für den Schulbesuch von rund 200000 Kindern und Jugendlichen in Gebieten, die vom Gazastreifen aus befeuert wurden. Der ägyptische Geheimdienst und UNO-Vertreter vermittelten – unmittelbar von Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan – eine Feuerpause zwischen der im Gazastreifen regierenden Hamas und Israel.

Die Gefechte begannen am Samstag. Aus dem Gazastreifen wurden knapp 700 Raketen und Mösergranaten auf Israel abgeschossen, ein Drittel davon vom Raketenabwehrsystem Eisenkuppel abgefangen. Die israelische Luftwaffe griff innerhalb von zwei Tagen 350 Ziele im Gazastreifen an. «Wir haben die Hamas und den Islamischen Dschihad mit grosser Macht geschlagen», sagte Israels Regierungs- chef Benjamin Netanjahu. Er kündigte an, der Feldzug sei noch nicht vorbei. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri meinte derweil, der Konflikt sei erst beendet, wenn die Palästinenser «ihr Recht bekommen».

Seit gut einem Jahr flammt die Gewalt alle paar Wochen auf. Es kommt zu Raketenangriffen gegen Israel und Luftangriffen auf Gaza, bis beide Seiten rasch wieder einlenken und die Waffen ruhen lassen. Der letzte Schlagabtausch war härter als die vorherigen. Die Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten nimmt erkennbar zu. Zum ersten Mal seit dem Krieg 2014 kam es wieder zu vielen Toten. Zudem wurde der Hamas-Funktionär Hamad al-Hodori gezielt getötet. Er soll mit Hilfe des Geldgebers Iran die Finanzierung der bewaffneten Hamas-Truppen im Gazastreifen organisiert haben.

Israels Ziel lautet Ruhe und Sicherheit für die Bürger, die in den Ortschaften unweit des Gazastreifens leben. Die Hamas versucht, mit den Raketenangriffen von den internen Problemen abzulenken und Auswege aus der Wirtschaftskrise zu erzwingen. Katar ist bereit zur monatlichen Zahlung von 30 Millionen Dollar. Schon nach der letzten Kampfrunde Anfang April stimmte Israel dem Geldtransfer zu.

Politiker wollen Pläne für den Gazastreifen sehen

Tamar Sandberg, Vorsitzende der linken Partei Meretz, begrüsste den Waffenstillstand und forderte Premierminister Netanjahu dazu auf, Einzelheiten der Vereinbarungen sowie seine politischen Pläne für den Gazastreifen kundzutun. Netanjahus Parteifreund Gideon Saar gab zu bedenken, die zeitlichen Intervalle zwischen den Schlachten würden immer kürzer, während die «Terrorgruppen in Gaza immer stärker werden».

Die palästinensische Führung im Westjordanland, die mit der Hamas zerstritten ist, hatte sich in New York für einen Waffenstillstand eingesetzt. «Die internationale Gemeinschaft darf nicht schweigen angesichts der Verbrechen, die die israelische Besatzung an palästinensischen Zivilisten verübt», erklärte der neue Fatah-Regierungschef Mohammed Schtaje. Mahmud Abbas forderte zur Einheit des Volkes auf. Der Palästinenserpräsident versucht, die Hamas in die Knie zu zwingen. Seit zwei Jahren senkt er die Zahlungen an den Gazastreifen, was die Finanzkrise im Küstenstreifen verstärkt.

Ein wichtiger Akteur neben der Hamas im Gazastreifen ist der Islamische Dschihad, der vom Iran finanziert und gelenkt wird. Es war ein Kämpfer des Islamischen Dschihad, der die Eskalation mit Schüssen auf israelische Soldaten an der Grenze ausgelöst hatte. Die islamischen Extremisten steckten auch hinter dem Bau eines Tunnels, durch den Terroristen nach Israel eingeschleust werden sollten. Die Armee zerstörte ihn. Der Islamische Dschihad trägt keine Regierungsverantwortung für die zwei Millionen Menschen im Gazastreifen, sondern kann sich auf den Kampf gegen Israel konzentrieren, solange ihn die Hamas gewähren lässt.

Tote bei Schlagabtausch zwischen Israel und Hamas

Zum ersten Mal seit dem Krieg vor fünf Jahren flog Israels Luftwaffe einen gezielten Tötungsangriff auf einen Hamas-Funktionär im Gazastreifen. Für die islamistische Führung im Gazastreifen bedeutet das eine Zuspitzung der Gewalt.
Susanne Knaul, Jerusalem