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Korea-Gipfel: Händchenhalten statt Kräftemessen

Beim interkoreanischen Gipfel von nächster Woche stehen die Zeichen auf nationalen Zusammenhalt. Ob Diktator Kim einen verbindlichen Abrüstungstermin nennt, wird allerdings bezweifelt.
Angela Köhler, Tokio/Seoul
Nordkoreas Diktator Kim Jong Un (links) und Südkoreas Präsident Moon Jae In bei ihrem ersten Treffen im April.Bild: AP (27. April 2018)

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un (links) und Südkoreas Präsident Moon Jae In bei ihrem ersten Treffen im April.Bild: AP (27. April 2018)

Bringt der interkoreanische Gipfel endlich den Durchbruch? Südkoreanischen Emissären hat Diktator Kim Jong Un erklärt, er werde sein Land «noch während der ersten Amtszeit» von US-Präsident Donald Trump denuklearisieren. Das wäre also spätestens 2021. Südkoreas Staatschef Moon Jae In hofft dringend, dass Kim diese Zusage beim Korea-Spitzentreffen in Pjöngjang vom 18. bis 20. September verbindlich wiederholt. Ein solcher Erfolg aber wird in Seoul bezweifelt. Vor allem, weil «keine Fortschritte bei den Arbeitsgesprächen zwischen den USA und Nordkorea erkennbar sind», wie Moon kurz vor dem Gipfel selbst einräumt. «Es ist nicht so, dass es am Willen fehlt, es will bloss keiner den Anfang machen.»

Als Staatsgast und Koreaner will der Chef des Blauen Hauses von Seoul diesen Bock nun in Pjöngjang umstossen. Allerdings finden die redlichen Bemühungen der südkoreanischen Seite wieder einmal wenig Resonanz. Das Regime im Norden ist nach Aussagen der Seouler Unterhändler bisher nicht einmal bereit, Ablauf, Tagesordnung und Inhalte des Gipfels zu vereinbaren. Auch über TV-Rechte oder Zeitungsberichterstattungen gibt es noch keine Einigung. Bislang steht lediglich fest, dass die ­Delegation des Südens nicht grösser als 200 Personen sein darf. Ansonsten liegt der Gipfel im Nebel. Offenbar will Pjöngjang allein Regie führen.

Besuch soll Trümmer von 70 Jahren entsorgen

Aller guten Dinge sind drei, mögen sich Kim Jong Un und Moon Jae In gedacht haben. Dementsprechend treffen sie sich am Dienstag in Pjöngjang zum dritten Mal in diesem Jahr. Zur Erinnerung: Beim April-Gipfel in Panmunjom lernten sich beide Führer persönlich kennen, beim zweiten Mal an selber Stelle wurde die historische Begegnung von Nordkoreas Machthaber mit US-Präsident Donald Trump vorbereitet. Jetzt in Pjöngjang sollen beim feierlichen Staatsbesuch von Seouls Präsident Moon Jae In die Trümmer von fast 70 Jahren erbitterter Konfrontation entsorgt, die Zeichen auf nationalen Zusammenhalt gestellt werden.

Für Diktator Kim Jong Un ist Moon der erste wichtige Staatsgast seiner Amtszeit. Er wird dem Präsidenten Südkoreas ein glückliches, tanzendes und singendes Land vorführen – eben der Zukunft zugewandt. Dabei muss er die eher triste Gegenwart im selbst ernannten «Paradies der Werktätigen» durch eine ­gigantische Show überspielen. Seit Tagen schon üben sich Kinder und Werktätige in feierlicher Stimmung, schwenken Fahnen, Blumen und Luftballons. Im Vorfeld dieses interkoreanischen Gipfels organisiert das Regime auch Vorträge über die «neue Ära der Vereinigung». Früher hiessen solche Veranstaltungen «Lasst uns den Süden befreien».

Aber die Menschen in Nordkorea empfinden immer weniger Stolz und Freude an diesen organisierten Massenspielen, berichten in Seoul Überläufer aus dem Norden. Vielen sind die regelmässigen Selbstdarstellungen des Regimes sogar zuwider, weil ganze Betriebe zum tagelangen Training der Feier-Show abkommandiert werden. Anschliessend müssen sie die Zeit nacharbeiten, weil sie sonst die Planvorgaben nicht schaffen.

Neues Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong

Vertrauen schaffen zwischen beiden «Bruderstaaten» ist die Aufgabe des neuen Verbindungs­büros, das gestern in der Grenzstadt Kaesong als eine Art «ständige Vertretung» zwischen beiden Staaten eröffnet wurde. Bis zu 20 Beamte beider Seiten fördern dort permanent den «zivilen Austausch», wie es heisst. Das Office liegt bezeichnenderweise im früheren gemeinsamen Industriepark, in dem nordkoreanische Werktätige für südkoreanische Firmen produzierten.

Vielleicht kein gutes Omen ist jedoch, dass die Anlage 2016 aufgrund der zunehmenden Spannungen im Atomstreit geschlossen wurde. Die neue Institution war von beiden Chefs beim April-Gipfel vereinbart worden. Aber auch hier liegen viele Steine im Weg. Nach Berichten südkoreanischer Medien wurde der ursprünglich für August geplante Eröffnungstermin des Verbindungsbüros verschoben. Grund dafür sei die amerikanische Besorgnis gewesen, die interkoreanischen Beziehungen könnten sich zu rasch entwickeln, ohne dass es wesentliche Fortschritte bei den Verhandlungen über das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm gegeben habe.

Wie kompliziert sich selbst einfache Dinge gestalten, zeigt die Stromversorgung der neuen Einrichtung, für die eigentlich Südkorea zuständig sein sollte. Um die Sanktionen nicht zu unterlaufen, werden beide Seiten nun ihre Büros separat mit Elektrizität beliefern. Auch die Militärs reden miteinander: Bei einem Treffen der Offiziere ging es dem Vernehmen nach um die Vorbereitung eines «umfassenden Abkommens über militä­rische Kooperation», dessen ­Details beim Gipfel Kim-Moon bekanntgegeben werden sollen. Moons oberster Sicherheitsberater, Chung Eui Yong, dämpft jedoch allzu hohe Erwartungen. Zunächst wolle man «gegenseitiges militärisches Vertrauen» herstellen. Bewaffnete Zwischenfälle, wie es sie in der Vergangenheit öfter gegeben hat, sollen durch «detaillierte Konsultationen» ausgeschlossen werden.

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