Händewaschen? Wie denn? Nicht nur Südafrikaner fragen sich verzweifelt, wie sie sich schützen können

Südafrika zeigt, was weltweit Millionen Menschen blüht: Sie haben nichts, um sich vor dem Virus zu schützen – nicht mal sauberes Wasser.

Markus Schönherr aus Kapstadt und Samuel Schumacher
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Sauberes Wasser: Das ist in Südafrika für die Hälfte der Menschen noch immer Mangelware. (Bild: Keystone)

Sauberes Wasser: Das ist in Südafrika für die Hälfte der Menschen noch immer Mangelware. (Bild: Keystone)

In Kapstadt läuft der politische Kampf gegen das Virus auf Hochtouren – und in den Armenvierteln Südafrikas geht die Angst um. «Wir werden es alle bekommen», sagt Nonceba Ndlebe. Gemeinsam mit ihren Nachbarn teilt sie sich drei Gemeinschaftswasserleitungen. Von regelmässigem, gründlichem Händewaschen kann hier keine Rede sein. Wie soll das gehen, wenn bloss 46 Prozent der Südafrikaner über eine hauseigene Wasserleitung verfügen? Der Anteil ist in den vergangenen 25 Jahren stetig gesunken.

Sichtbar wird das Problem im Armenviertel Tumahole südlich von Johannesburg. Auch dort werden die Bewohner von Gemeinschaftsleitungen versorgt. Trotzdem schaffen sie ihr Wasser in Kanistern heran, denn aus ihrer Leitung kommt nur eine schlammige Brühe.

Auch die Zahl der Südafrikaner mit Zugang zu Seife variiert stark: Sind es rund um Kapstadt 80 Prozent, sinkt die Zahl in der Provinz Limpopo auf 36 Prozent. Für die südafrikanische Journalistin Redi Tlhabi tönt der Aufruf zum Händewaschen wie ein «Witz», solange es Gemeinden gebe, «die vor Gericht um Wasser kämpfen müssen».

Angesichts des Gesundheitsnotstands versprach Wasserministerin Lindiwe Sisulu nun schnelle Hilfe für die Armenviertel. Die Regierung will die sogenannten Townships mithilfe von Wassertrucks mit Desinfektionsmöglichkeiten versorgen. Wie das funktionieren soll, ist indes absolut unklar.

Hilfswerk fordert: Solidarität darf nicht an Schweizer Grenze enden

Wasserministerin Sisulu will die Wasserkrise Südafrikas bis 2030 beenden. Kostenpunkt: 52 Milliarden Euro. Darüber hinaus müssen die Südafrikaner ihre Einstellung zur kostbaren Ressource ändern. Sie verbrauchen pro Kopf 60 Liter mehr Wasser als der Weltdurchschnitt.

Hinzu kommt eine Dürre, die Südafrika derzeit fest im Griff hat. Die Kleinstadt Makhanda musste wegen des Wassermangels auf Notbetrieb umstellen. Jeden dritten Tag wird den 70000 Einwohnern das Wasser abgestellt. Schulen und Krankenhäuser können den Betrieb nur dank Hilfsorganisationen aufrechthalten, die Wasser per LKW heranschaffen.

Grosse Sorgen bereitet die Situation der Menschen im «globalen Süden» auch Gabriela Wichser, Geschäftsleitungsmitglied beim Hilfswerk terre des hommes Schweiz. Weite Teile Afrikas oder Lateinamerikas etwa seien überhaupt nicht auf eine Corona-Pandemie vorbereitet. Viele Menschen hätten überhaupt keinen Zugriff zu medizinischer Hilfe.

Auch wirtschaftliche Absicherung für Arbeitsunfähige existiere kaum. «Die Solidarität und Unterstützung hört nicht an der Schweizer Grenze auf», erinnert Wichser deshalb in einer Mitteilung. Eine globale Wirtschaftskrise würde afrikanische oder lateinamerikanische Länder doppelt treffen. «Denn wir werden zuerst unser eigenes System wieder stärken, bevor wir in Länder des globalen Südens investieren.»