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«Härteste Abreibung» für Hamas

Die israelische Armee hat die intensivsten Luftangriffe seit 2014 auf den Gazastreifen geflogen. Ein Waffenstillstand ist bereits in Kraft, aber in Israel häufen sich Rufe nach einem noch härteren Vorgehen.
Susanne Knaul, Jerusalem
Luftschlag der israelischen Luftwaffe im Zentrum Gazas. Bild: Haitham Imad/EPA (14. Juli 2018)

Luftschlag der israelischen Luftwaffe im Zentrum Gazas.
Bild: Haitham Imad/EPA (14. Juli 2018)

Bei den schwersten israelischen Luftangriffen auf Gaza sind zwei jugendliche Palästinenser getötet worden. Zwölf weitere Menschen trugen am Samstag Verletzungen davon, als die Luftwaffe ein Hochhaus in einer Wohngegend bombardierte, das die radikal­islamische Hamas zur Kampfausbildung genutzt haben soll. Insgesamt griffen Israels Kampf- flieger 40 Einrichtungen der islamistischen Führung im Gazastreifen an wie erklärtermassen Rüstungslager und Raketenabschussbasen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von der «härtesten Abreibung», welche die Hamas seit dem Krieg vor vier Jahren bekommen habe. Damals starben weit über 2000 Palästinenser, darunter auch zahlreiche Zivilisten.

Hamas schiesst 200 Raketen auf Israel

Auslöser der Eskalation war offenbar eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Granate, die einen israelischen Soldaten verletzte. Palästinensische Kämpfer schossen bei dem Schlagabtausch mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten auf die im Grenzgebiet liegenden israelischen Ortschaften. Ein Sprecher der Hamas verkündete noch am Samstagabend einen Waffenstillstand, den die ägyptische Regierung vermittelt habe. Netanjahu ging auf Abstand zu der Stellungnahme. Er habe gehört, dass der Waffenstillstand nicht die mit Brandsätzen bestückten Drachen und mit Helium gefüllten Ballons umfasse, erklärte er zu Beginn der gestrigen Regierungssitzung. «Das ist nicht richtig.» Wer Israel angreife, müsse mit einer «angemessenen» Reaktion der Armee rechnen.

Die mit Brandsätzen bestückten Drachen und Ballons sind für Israel schmerzhafte Nachwehen des «grossen Marsches der Rückkehr», der zwischen Ende März und Anfang Juni wöchentlich stattfindenden Demonstrationen in der Grenzregion. Die von der Hamas massiv unterstützte Protestaktion forderte zahlreiche Tote und Verletzte, denn israelische Scharfschützen hielten die Demonstranten gnadenlos zurück. Ihrem erklärten Ziel, dem Ende der seit gut zehn Jahren andauernden Blockade und damit eine Linderung der wirtschaftlichen Not, sind die Palästinenser mit der Aktion keinen Schritt näher gekommen.

Der aktuelle Kampf der Drachen und Ballons ist aus Sicht der Hamas ein Akt des zivilen Widerstandes. Israel hält hingegen die islamistische Führung im Gazastreifen für verantwortlich, die Angriffe, die laut Information des Verteidigungsministeriums nahezu 30 Quadratkilometer Ländereien, Ackerflächen und Wälder zerstörten, zu unterbinden.

Sanktionen wegen Brandsätzen

Als erste Strafmassnahme gegen die brennenden Drachen liess die israelische Regierung Anfang letzter Woche den einzigen Warenübergang zum Gazastreifen für den Export schliessen. Nur noch Nahrungsmittel und Medikamente werden aus Israel geliefert. Ausserdem reduzierte Israel das Fanggebiet für palästinensische Fischer, die seither nur noch sechs anstelle von neun Seemeilen aufs Meer fahren dürfen. Bildungsminister Naftali Bennett, Chef der Siedlerpartei, reagierte ungehalten auf die Gerüchte des Waffenstillstandes. Israel solle sich nicht von der Hamas Bedingungen diktieren lassen. «Wer angesichts der Verletzung unserer Souveränität Zurückhaltung übt und eine umfassende militärische Operation verhindert, bestimmt, dass wir weiter in dem andauernden Zermürbungskrieg ausharren werden», heisst es in einer Mitteilung aus Bennetts Büro. Zurückhaltung werde zur Eskalation führen. Bennett sprach sich auch dafür aus, auf Palästinenser, die Brandsätze nach Israel schicken, zu schiessen.

Israels Sicherheitskabinett trat gestern zusammen, um über weitere Schritte zu beraten. Nach Informationen der Tageszeitung «Maariv» drängt Verteidigungsminister Avigdor Lieberman zu einem massiveren Vorgehen gegen die Brandstifter und gegen die Hamas, während Armee und Geheimdienst vor einem erneuten Krieg warnen. Vorläufig verursachen die Drachen und Ballons nur Sachschaden.

Die israelische Armee konzentriert sich aktuell auf punktuelle Gegenmassnahmen wie die mit Rasiermessern bestückten Drohnen, welche die fliegenden Brandsätze vorzeitig abfangen sollen. Ausserdem erhalten freiwillige Hilfskräfte Anleitung zur Brandbekämpfung.

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