Tief über England

Hat das britische Wetter die Brexit-Abstimmung entschieden?

In London goss es wie aus Kübeln und die Stimmbeteiligung war tief. Blieben die pro-europäisch eingestellten Briten lieber Zuhause im Trockenen?

Daniel Fuchs
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Typisch englisches Wetter: Jetzt auch politisch ein Faktor?

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Keystone

Das 24-Stunden-Wetterradar zeigt es deutlich: Am Donnerstagnachmittag nahm ein Unwetter über dem Kanal direkt Kurs auf London. Pünktlich zur Feierabendzeit goss es in der britischen Hauptstadt wie aus Kübeln. Es regnete innert weniger Stunden so viel wie sonst in einem Monat.

Tausende Pendler steckten in Metro- und S-Bahn-Stationen fest. Im öffentlichen Verkehr kam es zu massiven Störungen und Verspätungen. Viele Londoner zeigten sich gegenüber Online-Medien und auf Twitter besorgt, es nicht mehr rechtzeitig nach Hause oder in den heimischen Wahlkreis zu schaffen, um ihre Stimmen abzugeben.

Anderswo kam es sogar zu Wassereinbrüchen in Abstimmungslokalen oder gefluteten Strassen, so dass die Wähler an ihrem Urnengang gehindert wurden.

So hat Grossbritannien abgestimmt

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Gleichzeitig ging die Abstimmung über den Brexit in die letzte Runde. Um 23 Uhr Schweizerzeit sollten die Abstimmungslokale schliessen.

Ein Tag später scheint in London wieder die Sonne. Die Auswertungen des Abstimmungstags zeigen: In der Hauptstadt war die Stimmbeteiligung je nach Stadtkreis auffällig tief. In Newham betrug sie 59,2 Prozent. Landesweit lag der Wert bei 72 Prozent. In Gegenden mit starken Brexit-Lagern erreichte sie gut und gerne Werte von über 80 Prozent.

Der Schweizer EU-Experte Klaus Armingeon sieht einen klaren Zusammenhang: Die sintflutartigen Regenfälle in London hätten die Stimmbeteiligung heruntergedrückt, sagt er im Interview mit der „Nordwestschweiz“ . Dass Witterungseinflüsse Mobilisierungseffekte haben, belege die Abstimmungsforschung.

Wie der Blick auf die Karte zeigt, war allgemein in den Städten die Wahlbeteiligung tiefer. So mit einer Beteiligung von 59.7 Prozent in Manchester, obwohl es dort gestern nicht regnete. Die Stimmbeteiligung ist auch unter jüngeren Wählern deutlich geringer. Was die tiefere Beteiligung in den Städten ebenfalls erklären könnte.

Das Problem: Die tiefe Wahlbeteiligung in Städten und unter Jungen half den Brexit-Befürwortern gleich doppelt: Die Städte sind eher pro-europäisch eingestellt, wie auch die Jungen, die ihr Land nur als Mitglied der Europäischen Union kennen.

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