USA
hdr22@clintonemail.com – schicken Sie Hillary Clinton eine persönliche Mail

Hillary Clinton, die Favoritin der Demokraten auf die Nachfolge von Präsident Obama, steht im heftigen Gegenwind. Laufend wird sie mit neuen Enthüllungen konfrontiert. Diesmal: Statt einer amtlichen verwendete sie lieber ihre private E-Mail-Adresse.

Renzo Ruf, Washington
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Die demokratische Favoritin für die Präsidentschaftswahlen: Hillary Clinton.

Die demokratische Favoritin für die Präsidentschaftswahlen: Hillary Clinton.

Keystone

Die Enthüllungen reissen nicht ab. Zuerst berichteten mehrere amerikanische Medien in der vergangenen Woche übereinstimmend, dass sich die Stiftung der Familie Clinton grosszügig von ausländischen Regierungen unterstützen liess.

Obwohl doch Hillary Clinton von 2009 bis 2013 als Aussenministerin amtierte und damit zumindest die Gefahr eines Interessenkonflikts bestand. Unter den Spendern befand sich zum Beispiel das Regime des algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, der 500 000 Dollar auf ein Konto überwies, mit dem die Aufräumarbeiten nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010 finanziert wurden.

Dann meldete die «New York Times», dass Clinton während ihrer Dienstzeit als oberste Diplomatin ausschliesslich über ein privates E-Mail-Konto mit ihren Angestellten und wohl auch mit ausländischen Gesprächspartnern kommunizierte. Das ist, sagen Polit-Beobachter und Historiker, ein höchst ungewöhnlicher Schritt für einen amerikanischen Minister, weil mit diesem privaten Account die recht strengen Bestimmungen über die Auskunftspflicht von Amtspersonen ausgehebelt werden.

Auch ein privater Server

Und nun doppelt die Nachrichtenagentur AP nach: Nicht nur besass Clinton eine private E-Mail-Adresse (hdr22@clintonemail.com). In ihrem Haus in Chappaqua (New York) stand seit 2010 auch ein privater E-Mail-Server, registriert unter einem Pseudonym, damit die virtuellen Nachrichten der Ministerin nicht in fremde Hände geraten konnten. Erst im November 2012 spannten die Clintons den Internetkonzern Google ein, der Sicherheitskopien von den Mails anfertigte.

Stellungnahme verweigert

Diese Enthüllungen sind für Clinton, klare demokratische Spitzenreiterin bei den nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016, brandgefährlich. Denn sie wecken Erinnerungen an das Treiben der Clintons in den 1990er Jahren, als Präsident Bill und First Lady Hillary sich mit Dutzenden von Untersuchungen über angebliche Verstösse gegen Strafgesetze oder Ethik-Vorschriften herumschlagen mussten.

Auch wenn viele dieser Vorwürfe sich in Luft auflösten, festigte sich doch in der breiten Öffentlichkeit der Eindruck, die Clintons nähmen es mit Vorschriften und Gesetzen nicht so genau. Clinton, die im kommenden Monat ihre Kandidatur für das Weisse Haus publik machen könnte, wurde von den Kontroversen auf dem falschen Fuss erwischt. Sie lehnte es bisher ab, öffentlich Stellung zu nehmen.

Ihre Sprecher beteuerten, dass die ehemalige Aussenministerin keine Gesetze oder Vorschriften verletzt habe – entgegen der Behauptungen der «New York Times». Sie habe vielmehr sämtliche E-Mail-Konversationen auf ihrem privaten Server gespeichert und Ende des vergangenen Jahres dem Archivar des Aussenministeriums übergeben. Wechselweise ist von 50 000 virtuellen Nachrichten oder 55 000 ausgedruckten Seiten die Rede.

Auch seien E-Mails, die Clinton direkt an ihre Untergebenen geschickt habe, automatisch auf dem Server des Aussenministeriums gespeichert worden. Die Organisation «Correct the Record», die mit aller Härte gegen angebliche Anti-Clinton-Schmutzkampagnen vorgeht, nannte die Enthüllungen der «New York Times» deshalb «eine Ente».

Skeptiker allerdings stellen sich auf den Standpunkt, dass ein Inventar von einer aussenstehenden Person gemacht werden muss, damit Garantie herrscht, dass sämtliche Mails erfasst wurden. Denn die Gefahr besteht, dass auch im beruflichen Umfeld der Clintons private E-Mail-Adressen genutzt und amtliche Gespräche damit an den Servern des Aussenministeriums vorbei abgewickelt wurden.

So soll Huma Abedin, eine enge Vertraute der Clintons, eine Clintonemail.com-Adresse besitzen.

Die Adresse hdr22@clintonemail.com soll übrigens gestern abgeschaltet worden sein.