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Heinz-Christian Strache: In Ungnade gefallener Volkstribun

Der Ex-Parteichef gilt innerhalb der FPÖ als Hauptschuldiger für die heftige Wahlniederlage vom Sonntag. Kann er in der Partei bleiben?
Rudolf Gruber aus Wien
Heinz-Christian Strache erklärte am Dienstag in Wien seinen Rückzug aus der Politik. (Bild: AP Photo/Michael Gruber)

Heinz-Christian Strache erklärte am Dienstag in Wien seinen Rückzug aus der Politik. (Bild: AP Photo/Michael Gruber)

Seit Dienstag tagt über Heinz-Christian Strache, den Ex-Anführer der Rechten Österreichs, ein FPÖ-Scherbengericht. Erst einmal kam er einem Parteiausschluss zuvor und erklärte seinen «vollständigen Rückzug aus der Politik». Wegen Ibiza-Affäre und Spesenskandal gilt Strache als Hauptverantwortlicher für die Wahlschlappe vom Sonntag.

Seine im Ibiza-Video zur Schau gestellten Allmachtsfantasien und Korruptionsanfälligkeit haben ihm die Fans noch verziehen. Dass die rechtskonservative Koalition unter Kanzler Sebastian Kurz Ende Mai an dem Ibiza-Skandal zerbrochen ist – was solls? «A b’soffene G’schicht», wand sich Strache zunächst aus der Affäre.

10 000 Euro Spesen pro Monat

Doch dann platzte kurz vor der Wahl letzten Sonntag ein veritabler Spesenskandal. Dass Strache, wie mittlerweile auch die Führung der FPÖ Wien bestätigt, jahrelang monatlich um die 40 000 Euro kassiert hat – neben dem Abgeordneten- und später Vizekanzlergehalt zusätzlich 10 000 Euro für «Spesen» und 2500 Euro «Mietzuschuss» monatlich –, war selbst den treuesten Anhängern zuviel. Der Absturz der FPÖ von 26 auf 16 Prozent der Stimmen war die Quittung für dieses Gebaren.

Die Begeisterung, die auf Straches Facebookseite jahrelange tobte, wich fast schlagartig einer ausufernden Wutwelle: «Je eher dich die Partei ausschliesst, umso besser für ihre Zukunft», postet ein gewesener Strache-Fan. Ein anderer zürnt: «Sei doch endlich ruhig.» Ausgerechnet «unser Hace», wie sie ihn nannten, der sich stets als grosser Beschützer des «kleinen Mannes» aufspielte, strich mehr als das 20-fache eines Durchschnittsverdieners ein.

Strache bestritt am Dienstag vor Journalisten, die er zu einer «persönlichen Erklärung» in eine Weinbar im Zentrum Wiens geladen hatte, alle Vorwürfe. Er spricht weiterhin von «Verleumdung gegen mich und meine Familie, die in den letzten Monaten mehr ertragen musste, als sich so mancher vorstellen kann». Er werde daher seine FPÖ-Mitgliedschaft «ruhend stellen», bis die Lage rechtlich geklärt sei, und kündigte zugleich seinen «vollständigen Rückzug aus der Politik» an. Sein Nachfolger Norbert Hofer reagierte wenig später mit der dürren Aussage: «Ich nehm’s zur Kenntnis.»

Strache beklagte sich darüber, dass seit seinem Rücktritt Ende Mai die neue Parteiführung nicht das Gespräch mit ihm gesucht habe. Offenbar wollte er den Parteivorstand mit seinem «Angebot» milde stimmen, der am Nachmittag zusammentrat, um über die Folgen der Wahlschlappe zu beraten, die überwiegend Strache angelastet wird. Die Entscheidung, ob er aus der Partei ausgeschlossen wird, fiel am Dienstag noch nicht.

Comeback in einem Jahr?

Strache fühlt sich nach wie vor der FPÖ zugehörig: Mehrfach und fast flehentlich betonte er am Dienstag seine Verbundenheit mit der «freiheitlichen Familie» und sorgte sich, dass «eine Spaltung der Partei um jeden Preis verhindert werden» müsse. Ob er sich wirklich aus der Politik zurückzieht, wird bezweifelt: Medien berichten über eine frisch registrierte Internetadresse namens «Liste-Strache.at»; dem Vernehmen nach will er in einem Jahr zur Wien-Wahl antreten.

Hofer steht unter Druck, unter die Strache-Ära einen Strich zu ziehen. Manche FPÖ-Landeschefs fürchten, sonst könne ein Neubeginn nicht gelingen. Der Oberösterreicher Manfred Haimbuchner, der bereits als Nachfolger Hofers im Gespräch ist, plädierte indirekt für einen Ausschluss Straches. Der Vorarlberger FPÖ-Chef Christoph Bitschi urteilte über ihn in einem Radio-Interview: «Er hat der FPÖ und dem Land grossen Schaden zugefügt.» Die nächsten FPÖ-Wahlschlappen drohen noch in diesem Jahr bei Regionalwahlen in Vorarlberg und der Steiermark.

Straches politisches Ende war bis vor wenigen Monaten undenkbar. Der 50-Jährige stand 14 Jahre an der FPÖ-Spitze, führte die Partei nach dem Kollaps der Ära Jörg Haiders zu ihren grössten Erfolgen. Doch in der Regierung Kurz konnte sich die Strache-Truppe nicht lange sonnen, die Koalition scheiterte nach 17 Monaten.

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