US-Wahlen
Hexerei, Nazis, Tiersex - einige Kandidaten treibens bunt

Bei den Wahlen in den USA stellen sich dem Volk auch ziemlich schräge Vögel. Einige liegen ausgezeichnet im Rennen. Fast könnte man meinen: Je schriller, desto besser die Wahlchancen.

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Die schrägsten US-Politiker
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 Findet Scientology toll: Sharron Angle, Senatoren-Kandidatin Nevadas.
 Sie sagt, sie lüge nie, dafür flunkert sie beim Uni-Diplom und zahlt die Steuern nicht: Christine O'Donnell, künftige Senatorin Delawares?
 Bei E-Mail-Ferkeleien erwischt: Möchtegern Bürgermeister New Yorks, Carl Paladino.
 Bringt keinen graden Satz auf die Reihe: Alvin Greene, demokratischer Senatoren-Kandidat für Südkarolinien (South Carolina).

Die schrägsten US-Politiker

Für die Repäsentantenhaus- und Bürgermeister-Wahlen in den USA stellen sich auch ziemlich schräge Kandidaten zur Wahl. Einige liegen ausgezeichnet im Rennen. Die fünf Top-Leute finden sich sowohl bei den liberalen Demokraten wie den konservativen Republikanern.

Der Ferkeleien-Liebhaber

Geschäftsmann Carl Paladino war bis 2005 Demokrat, nun steigt er für die Republikaner in die Hosen und will New Yorks Bürgermeister werden. Diesen April wurde er erwischt, wie er rassistische E-Mails verschickte. Getoppt hat er diese Aktion mit einem Tiersex-Video. Zoophilie ist für ihn offenbar ganz ok, Schwule aber, die sind ganz schlimm: Ihre Demonstrationen widerten ihn an und dass die sie heiraten dürfen, schade der traditionellen Familie.

Die Scharia-Märchentante

Im Gegensatz dazu ist Sharron Angle geradezu topseriös. Die republikanische Kandidatin für einen Senatssitz Nevadas rückt ihrem alteingesessenen Gegner Harry Reid von den Demokraten gefährlich auf die Pelle. Reid sitzt seit 1986 im Senat und führt dort seine Parteikollegen an. Wahlbeobachter halten das Rennen in Nevada für völlig offen. Sharron Angle ist ein Scientology-Fan: 2003 wollte sie eine Drogentherapie der Psychosekte in Nevadas Gefängnissen einführen.

Den Vogel abgeschossen hat sie diesen September. Da behauptete Angle im vollen Ernst, in Dearborn (Staat Michigan) und Frankford (Texas) herrsche das islamische Gesetz der Scharia. In diesen Orten bestehe eine «terroristische Gefahr».

Die Spielzeugfiguren-Vorlage

Auch Alvin Greene möchte gerne Senator werden. Der 33-jährige Niemand schlug in den Vorwahlen völlig überraschend seinen demokratischen Widersacher Vic Rawl. Greene hatte praktisch keine Werbung gemacht und verweigerte sich auch der Presse. Aus der Armee wurde er entlassen, weil er sich nicht klar ausdrücken konnte. Diesen August kam dann raus, dass Greene eine 18-Jährige mit pornografischen Bildern belästigte. Daneben ist er ein Experte für den wirtschaftlichen Aufschwung: Um mehr Jobs zu schaffen, soll man doch Spielzeugfiguren nach seinem Ebenbild anfertigen und verkaufen.

Die Kandidatin mit dem Hexendiplom

Christine O'Donnell verkauft keine Spielzeugfiguren. Die republikanische Kandidatin für einen Senats-Sitz von Delaware hat sich auf moralische Themen spezialisiert. So ist sie der festen Überzeugung, Masturbation schade den Jugendlichen. Die Erzkonservative ist für Steuerreduktionen - das hat wohl damit zu tun, dass sie von der Steuerbehörde in der Vergangenheit mit happigen Strafnachzahlungen beglückt wurde und ihre Hypothek nicht mehr beglich. Ihren aktuellen TV-Spot leitet sie mit den Worten ein: «Ich bin keine Hexe!»

Dazu sah sie sich genötigt, nachdem bekannt wurde, dass sie noch 1999 in einer Talkshow behauptete, sich während der Uni-Zeit mit «Hexerei» befasst zu haben.

Dass in der amerikanischen Verfassung die Trennung von Kirche und Staat festgeschrieben ist, auch das war für die Strenggläubige völlig neu. O'Donnells Eskapaden scheinen anzukommen: Ihr demokratischer Widersacher muss hart für den Wahlsieg kämpfen.

Der Waffen-SS-Offizier

Bis diesen Monat präsentierte sich Richard Iott aus Ohio nicht derart unbedarft wie die beschriebenen Kandidaten. Iott kandidiert als Republikaner fürs Repräsentantenhaus (Nationalrat). Doch jetzt wurden Bilder bekannt, die ihn grinsend als Offizier in einer 2. Weltkriegs-Uniform zeigen.

Er trug nicht irgend eine Kutte, es musste schon der Waffenrock der deutschen Waffen-SS sein. Mit der Totenkopf-Klamotte hat er sich bei den jüdischen Republikanern nicht gerade Freunde gemacht, obwohl er jeglichen Antisemitismus weit von sich weist. (cbk)