Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HILFSORGANISATIONEN: Imageschaden für karikative Organisationen

Die britische Organisation Oxfam steht wegen Vorwürfen sexueller Belästigung gegen ihre Mitarbeiter unter Beschuss. Sie ist nicht die einzige. Der beispiellose Skandal macht sich schon jetzt im Rückgang von Unterstützungsgeldern bemerkbar.
Sebastian Borger, London
Hilfslieferungen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti von 2010. (Bild: Thony Belizaire/AFP (Port-au-Prince, 4. Januar 2011))

Hilfslieferungen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti von 2010. (Bild: Thony Belizaire/AFP (Port-au-Prince, 4. Januar 2011))

Sebastian Borger, London

Der Skandal bei der britischen NGO Oxfam bringt den gesamten Sektor karitativer Organisationen in Bedrängnis. Die breite Berichterstattung hat auch in anderen Hilfswerken Missstände bis hin zu Sexualstraftaten zu Tage treten lassen.

Vergangene Woche machte der niederländische Zweig des Kinderhilfswerks Plan International Vorwürfe ­wegen Sexualstraftaten öffentlich. Ein Plan-Angestellter sowie fünf externe Mitarbeiter seien fristlos entlassen worden, zudem habe man bei der Polizei Strafanzeige gestellt, teilte die zustän­dige Direktorin Monique van’t Hek mit. Bereits zuvor hatte sich Ärzte ohne ­Grenzen im Gefolge des Oxfam-Skandals zum Gang in die Öffentlichkeit durchgerungen. Dort soll es 2017 24 Fälle von sexuellen Übergriffen gegeben haben; 19 Mitarbeiter wurden entlassen.

Vizechef von Unicef tritt nach Vorwürfen zurück

Während es bei Oxfam um Vorwürfe geht, wonach Mitarbeiter in Einsatzgebieten von ihnen abhängige Frauen zum Sex zwangen, wandten sich Mitarbeiterinnen von Save the Children Grossbritannien mit Anschuldigungen gegen führende Manager an die Medien. Der damalige Direktor Justin Forsyth musste sich mehrfach wegen Vorwürfen sexueller Belästigung verantworten. Die internen Überprüfungen endeten jeweils mit einer Entschuldigung des Managers, weitere Konsequenzen blieben aus. Am vergangenen Donnerstag legte Forsyth seinen Posten als Vizechef bei Unicef in New York schliesslich nieder.

Forsyth’ Freund Brendan Cox – beide arbeiteten vor zehn Jahren für den damaligen Labour-Premier Gordon Brown – steht wegen Übergriffen auf Kolleginnen im Kreuzfeuer. Medienberichten kam der Witwer der 2016 ermordeten Labour-Abgeordneten Joanne Cox durch ein tränenreiches Geständnis zuvor. Seine Posten bei zwei Hilfsorganisationen, die das Andenken seiner Frau bewahren sollen, legte er nieder. Joanne und Brendan Cox hatten sich während ihrer gemeinsamen Arbeit bei Oxfam kennen gelernt. Die 1942 gegründete Organisation genoss bisher einen tadellosen Ruf. Nun haben mehr als 7000 Spender ihre regelmässigen Zahlungen eingestellt; der Friedensnobelpreisträger und emeritierte Bischof von Kapstadt, Desmond Tutu, 86, zog sich «tief enttäuscht» von seinem Amt als Oxfam-Botschafter zurück.

Bereits 7000 Dauerspender haben Zahlungen eingestellt

Neben dem katastrophalem Imageverlust droht dem Hilfswerk mit 2500 Mitarbeitern und 31 000 Freiwilligen weltweit ein massiver Finanzschaden. Die konservative britische Entwicklungsministerin Penelope Mordaunt gab Oxfam zu verstehen, man brauche sich bis auf weiteres nicht mehr um öffentliche Gelder zu bemühen. Allein aus Mordaunts Etat bezog Oxfam zuletzt jährlich 32 Millionen Pfund, die EU legte weitere 29 Millionen Euro drauf. Dem jüngsten Jahresbericht zufolge kam das Gesamtbudget von 408,6 Millionen Pfund (530 Millionen Franken) zu 45 Prozent von staatlichen Organisationen, der Rest von privaten Geldgebern und Unternehmen.

Für die Vertuschung der internen Untersuchung von 2011, die sich auf Vorgänge in Haiti bezog, musste Oxfam-­Vizechefin Penelope Lawrence ihren Hut nehmen. Intern gilt aber auch Direktor Mark Goldring als beschädigt, nicht zuletzt wegen eines Interviews, in dem er die Kritik larmoyant beklagte: «Haben wir etwa Babys in ihren Wiegen ermordet?» Unterdessen melden sich Prominente zu Wort, die den Sektor verteidigen. Der Schriftsteller Mark Haddon («Supergute Tage») rief dazu auf, weiter zu spenden: Er habe eine Vielzahl von Oxfam-Projekten, etwa in Äthiopien und Jordanien, besichtigt, «die das Leben von Frauen verbesserten durch Arbeitsmöglichkeiten, ein eigenes Einkommen, Bildung und Gesundheitsvorsorge».

Allerdings müssten die Hilfsorganisationen ihre Tätigkeit einer genauen Prüfung unterziehen, Fehler akzeptieren und ausmerzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.