Washington
Hillary sagt endlich «Sorry» - aus dem Schneider ist sie aber nicht

Das private E-Mail-Konto und der private Server seien «ein Fehler» gewesen. Das Eingeständnis ist ein Befreiungsschlag für Hillary Clinton - dennoch fordern die Republikaner vollständige Transparenz.

Renzo Ruf, Washington
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Hillary Clinton räumt ihr Fehlverhalten ein und sagt «Sorry».

Hillary Clinton räumt ihr Fehlverhalten ein und sagt «Sorry».

Keystone

Es hat lange gedauert, zu lange in den Augen vieler Amerikaner. Am Dienstag aber sagte Hillary Clinton, Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, erstmals: «Es tut mir leid». Und: «Es war ein Fehler», dass sie während ihrer Amtszeit als Aussenministerin in der Obama-Regierung ausschliesslich über ein privates E-Mail-Konto (hdr22@clintonemail.com) kommuniziert habe und in ihrem Privathaus in New York eigens einen Mail-Server installieren liess. Sie hätte Geschäftliches und Privates trennen müssen, gestand Clinton im TV-Sender ABC ein, und zwei Konten führen müssen.

Das Eingeständnis ist ein Befreiungsschlag. Bisher hatte sich Clinton standhaft geweigert, irgendein Fehlverhalten zuzugeben. Sie habe nicht gegen Gesetze oder Auflagen des Aussenministeriums verstossen. Sie entschuldige sich aber beim amerikanischen Volk, dass der Wirbel um ihr E-Mail-Konto «verwirrend» sei.

Aus dem Schneider ist Clinton aber noch nicht. Die Republikaner fordern vollständige Transparenz. Auch untersuchen die Ermittlungsbehörden, ob ihre Mitarbeiter ihr Nachrichten zusandten, die der Geheimhaltungspflicht unterstanden. Aus dem Aussenministerium hiess es, dass mindestens 2 der rund 30 490 dienstlichen E-Mails, die auf dem privaten Server gespeichert wurden, als «streng geheim» eingestuft wurden. Clinton stellt sich auf den Standpunkt, diese Klassifizierung sei das Resultat von internen Machtkämpfen zwischen der CIA (die am liebsten alle Nachrichten über Vorgänge ausserhalb der USA als geheim einstufen möchte) und dem Aussenministerium.