Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HINTERGRUND USA: Robo-Bombe tötete Heckenschützen von Dallas

Es sei nicht anders gegangen, sagt die Polizei, als Micah Johnson in Dallas mit einem Roboter zu töten. Wohl erstmals wurde diese Technik so eingesetzt. Experten haben nicht nur moralische Bedenken.
Mitarbeiter des FBI untersuchen den Tatort, an dem der Heckenschütze Mica Johnson zwölf Polizisten in Dallas getötet hat. (Bild: Ralph Lauer / EPA)

Mitarbeiter des FBI untersuchen den Tatort, an dem der Heckenschütze Mica Johnson zwölf Polizisten in Dallas getötet hat. (Bild: Ralph Lauer / EPA)

Ferngesteuerte Technikkästen, die auf Rädern oder Ketten in die Gefahrenzone fahren und verdächtige Pakete untersuchen oder Bomben unschädlich machen: Das kennt man. Ein funkgesteuertes Gerät aber, das Sprengstoff heranrollt, um einen Verbrecher ausser Gefecht zu setzen, das ist neu.

«Ich kann mich nicht erinnern, dass Polizisten so ein Gerät als Liefermechanismus tödlicher Gewalt eingesetzt hätten», sagt Jusprofessor Seth Stoughton von der Universität South Carolina, ein früherer Polizist, dem «Atlantic». «Dies ist eine neue Dimension für Polizeitechnologie. Er wirft einige Fragen auf.»

Ferngesteuerte Gewalt wird in den Kriegen und Konflikten der Gegenwart zwar immer wieder moralisch und rechtlich hinterfragt, sie ist in Gestalt von grossen oder kleineren Drohnen aber gang und gäbe. Die Polizei in den USA nutzt ferngesteuerte Geräte für die Aufklärung per Kamera, das Ausbringen von Tränengas und sogar zur Rettung Verwundeter, wie das «Policemag» berichtet. Betritt die Polizei mit der Robo-Bombe Neuland?

Methode rechtlich irrelevant

Nicht unbedingt, meint Professor Stoughton. Würden Polizisten unmittelbar bedroht, werde der Einsatz von Gewalt seitens des Gewaltmonopols also in einem ersten Schritt gerechtfertigt, sei die Frage nach der Art der Gewalt nur noch zweitrangig. «Wenn jemand auf die Polizei schiesst, können sie ihn eliminieren, indem sie ihn niederschiessen, mit einem Messer erstechen oder mit einem Fahrzeug überrollen. Ich halte die Methode rechtlich für irrelevant.»

«The Verge» berichtet, mit einem ferngesteuerten Roboter habe die Polizei einen Mann vom Suizid abgehalten: Sie brachte ihm Pizza und ein Telefon. 2014 setzte die Polizei in New Mexico einen kleinen Roboter ein, um einen Verdächtigen in einem Motel unschädlich zu machen. Das Gerät fuhr in das Zimmer, eine Kartusche chemischer Munition wurde gezündet, fertig. Aber ist das so einfach?

Als Dallas' Polizeichef David Brown ruhig erklärt, dass man das Drama nicht anders habe beenden können als mit dem Sprengstoff liefernden Roboter, sagte er nicht, was genau die Polizei eingesetzt habe. Blendgranaten und Türöffner kennt man auch aus Filmen. Aber, sagt Jurist Stoughton: «Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Polizei irgendwas zur Hand hätte, was sie als Waffensprengstoff einsetzen würde.»

«The Verge» vermutete, es sei Sprengstoff, der für die Sprengung grösserer Bomben eingesetzt werde. Am Abend bestätigte Dallas' Bürgermeister Mike Rawlings genau das: Es war C4-Sprengstoff. Man habe den Mann vor eine Wahl gestellt, und er habe sich entschieden.

Der Einsatz neuer Polizeitechnik werfe seit jeher Fragen auf, sagt Jurist Stoughton: Von Schusswaffen selbst bis zu modernen Eletroschockpistolen (Taser) habe sich noch jedes Mal die Frage angemessenen Einsatzes gestellt. «Ich glaube, wir werden ähnliche Gespräche über Roboter haben, die den Tod bringen.»

Diskussion über Robo-Technik

Im Militär gibt es eine komplizierte und intensive Debatte über die Möglichkeiten von Robo-Technik, weit über Drohnen hinaus. Aber die Experten verweisen auf einen zentralen Unterschied: Sinn und Zweck des eingesetzten Militärs ist die Dominanz über den Gegner. Die Polizei dagegen sei für den Schutz der Bevölkerung da, sagt Stoughton. Und so schwer das zu erklären sei, schliesse das Menschen ein, die Böses tun. «Was es nicht einschliesst, ist der Einsatz tödlicher Gewalt, wenn es möglich ist, sie zu vermeiden.»

Die Polizei von Dallas fällte die Entscheidung, dass ihr Einsatz nicht zu vermeiden war. Die Entscheidung fällten Menschen. Das Gerät war der Lieferant.

sda

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.