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HOLOCAUST-GEDENKEN: Neuer Antisemitismus-Bericht: Judenfeindliche Hetze zunehmend

Während der deutsche Aussenminister am Holocaust-Gedenktag zum Antrittsbesuch nach Israel reist, wird in Berlin der Antisemitismus-Bericht vorgestellt. Experten fordern Massnahmen.
Aussenminister Sigmar Gabriel (rechts) und Botschafter Clemens von Goetze besuchten gestern die ­Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel. (Bild: Abir Sultan/EPA (Jerusalem, 24. April 2017))

Aussenminister Sigmar Gabriel (rechts) und Botschafter Clemens von Goetze besuchten gestern die ­Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel. (Bild: Abir Sultan/EPA (Jerusalem, 24. April 2017))

In Israel und Polen ist gestern der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust gedacht worden. In Israel hielten um 10 Uhr landesweit Autos an, die Insassen stiegen aus und standen zwei Minuten lang mit gesenkten Köpfen auf den Strassen.

Der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel traf gestern zu einem zweitägigen Antrittsbesuch in Israel ein. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gedachte Gabriel der «sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten in einem beispiellosen Menschheitsverbrechen ermordet worden sind».

Antisemitismus-Bericht in Berlin vorgestellt

Während Gabriel in Jerusalem «unmissverständlich die historische Verantwortung Deutschlands für den Holocaust» her­vorhob, wurde in Berlin der ­Antisemitismus-Bericht der Expertenkommission des Bundestages vorgestellt. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass Juden in Deutschland den Antisemitismus unter Muslimen als immer grösseres Problem sehen. Entscheidend zu dieser Wahrnehmung tragen dem Bericht zufolge die sozialen Medien bei, in denen Hassbotschaften und judenfeindliche Hetze verbreitet werden.

Das Expertengremium, das vom Leiter des Berliner Anne-Frank-Zentrums, Patrick Siegele, koordiniert wird, warnte jedoch davor, den heutigen Antisemitismus in Deutschland als ein Phänomen zu betrachten, das von muslimischen Zuwanderern importiert wird. «Wir warnen davor, die Bedeutung des Rechtsextremismus zu vernachlässigen oder zu verharmlosen», sagte Siegele. Die Historikerin Juliane Wetzel verwies zudem auf den israelbezogenen Antisemitismus, der vor allem im Zuge des Nahostkonflikts eine weite Verbreitung erfahre. Israel werde dabei stellvertretend für die gesamte jüdische Gemeinschaft angesehen. Dieser Sichtweise schlossen sich auch die Bundestagsabgeordneten Petra Pau (Die Linke) und Volker Beck (Grüne) an. Pau erklärte, der israelbezogene Antisemitismus sei in Deutschland salonfähig geworden und ein Problem der Gesamtgesellschaft. Beck forderte, dass der Antisemitismus-Bericht nicht ohne Konsequenzen bleiben dürfe – ein Schicksal, das den ersten Bericht aus dem Jahr 2011 ereilt hatte.

Der Expertenkreis sprach fünf Handlungsempfehlungen an Bund und Länder in Deutschland aus, darunter die Schaffung einer Position eines Beauftragten gegen Antisemitismus, die konsequente Erfassung antisemitischer Straftaten sowie die dauerhafte Förderung von Präventionsmassnahmen.

Holocaust-Erinnerung in Zukunft ohne Zeitzeugen

Die Zukunft der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Holocaust war das Thema eines anlässlich des gestrigen Gedenktages von der österreichischen Bildungsministerin Sonja Hammerschmid initiierten Treffens mit elf ihrer Amtskollegen aus Europa und Israel in Krakau.

Die Gesellschaften sehen sich dabei mehreren Herausforderern gegenüber: In Deutschland entzündet sich die Debatte vor allem an der Frage, wie das Holocaust-Gedenken in der Migrationsgesellschaft gestaltet werden kann. Ein weiteres Problem ist die Frage, wie die Erinnerung an den Holocaust fortgesetzt wird, wenn es einerseits keine überlebenden Zeitzeugen mehr gibt, andererseits aber auch der Kontakt zur Tätergeneration fehlt.

In Israel leben noch rund 213 000 Personen, die der Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten entkamen. Sechs der Überlebenden entzündeten bei der Gedenkfeier in Yad Vashem Kerzen zum Gedenken an die Holocaust-Opfer.

In Polen erinnerten gestern rund 10 000 junge Juden aus aller Welt mit dem «Marsch der Lebenden» an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust. Sie gingen von Auschwitz nach Birkenau, dem grössten der deutschen Vernichtungslager. Der Holocaust habe «auf grausamste Weise den Verlust der Menschlichkeit gezeigt» und stelle einen kompletten Zivilisationsbruch dar. Lehren aus der Geschichte zu ziehen bedeute, «die Wurzeln der Intoleranz und des Hasses aufzudecken und die Frage zu stellen, wie wir entschieden Widerstand leisten können», sagte Hammerschmid. (sda/isd)

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