Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

HONDURAS: Mit harter Hand im Windschatten der USA

Juan Orlando Hernández wird morgen in Honduras wohl wieder zum Präsidenten gewählt. Trotz zwielichtiger Verstrickungen zwischen Konzernen und Sicherheitsbehörden sowie Anschuldigungen wegen Drogenschmuggels in seinem Umfeld.
Sandra Weiss, Talaubé
Anhänger des Präsidenten fahren in einem ausrangierten US-Schulbus zu einer Wahlkampfveranstaltung. (Bild: Rodrigo Abd/AP (Tegucigalpa, 19. November 2017))

Anhänger des Präsidenten fahren in einem ausrangierten US-Schulbus zu einer Wahlkampfveranstaltung. (Bild: Rodrigo Abd/AP (Tegucigalpa, 19. November 2017))

Sandra Weiss, Talaubé

Eine Stimme in Honduras kostet manchmal nur zwei Pakete Reis und Bohnen. Das jedenfalls war im «Solidaritätspaket», das Wendy Guillén neulich von der Regierung bekommen hat. «Ich muss mich und meine behinderte Tochter durchbringen. Da ist selbst das kleinste Bisschen viel wert», sagt die 22-Jährige und schwenkt enthusiastisch die blaue Fahne mit dem weissen Stern der regierenden Nationalpartei unter Präsident Juan Orlando Hernández, der sich morgen zur Wiederwahl stellt – obwohl die Verfassung das eigentlich verbietet. Ein Hindernis, das Hernández mittels eines Urteils des ihm nahestehenden Obersten Gerichts aus dem Weg schaffen konnte.

Seine Kampagnenhelfer haben gute Vorarbeit geleistet in Talaubé, einem Dorf in den Bergen des mittelamerikanischen Landes. Die Stimmung ist ausgelassen, Fahnen und Bändchen finden grossen Anklang. Der Präsident selbst landet mit dem Hubschrauber, gibt sich dann aber volksnah in Jeans und Bergschuhen, appelliert an den Nationalstolz, führt seine Erfolge bei der Kriminalitätsbekämpfung an und verspricht das Übliche: mehr Sozialprogramme, eine anständige Martkhalle, Kredite für Kleinbauern. JOH, wie er im Volksmund genannt wird, stammt selbst aus der unteren Mittelschicht, den Traum vom Aufstieg kann der 49-Jährige glaubwürdig verkaufen. «Er hält sein Wort und hört auf das Volk. Honduras ist jetzt ein stabileres und sichereres Land», lobt die 58-jährige Sekretärin Adela Osorio.

«Die Banden haben die Schutzgeldforderungen erhöht»

Komplett anders hört sich das in El Pedregal an, einem Armenviertel der Hauptstadt Tegucigalpa, der mit rund 870 000 Einwohnern grössten Stadt des knapp Neun-Millionen-Landes. Dort haben kriminelle Banden das Sagen. Zwar pa­trouillieren jetzt öfter Polizei und Armee hier, zwar sind einige der Bandenchefs in den neuen Hochsicherheitsgefängnissen gelandet, und die Jugend kann wieder den Sportplatz benützen, ohne ständige Angst, ins Kreuzfeuer zu geraten. Doch der Überlebenskampf ist trotzdem nicht einfacher geworden. «Es gibt keine Arbeit, und die Banden haben die Schutzgeldforderungen erhöht», klagt Erika Fernández, die einen Obststand am Eingang des Viertels betreibt. Wie die meisten hier überlebt sie dank Überweisungen von Angehörigen, die in die USA ausgewandert sind. Für sie ist es klar, dass sie morgen Salvador Nasralla ihre Stimme geben wird.

Der schrille ehemalige Sportjournalist an der Spitze seiner Anti-Korruptions-Partei (PAC) hat ein Bündnis mit dem liberalen Ex-Präsidenten Manuel Zelaya und dessen linker Partei Libre geschlossen. Zelaya war 2009 von einer Allianz aus Militär und Unternehmern aus dem Amt geputscht worden, nachdem er ein Plebiszit über die Wiederwahl abhalten wollte. Dass heute möglich ist, was damals zum Umsturz führte, zeige die Scheinheiligkeit der Elite des Landes, sagt Jesuitenpriester und Radio-Direktor Ismael Moreno. Regeln und Institutionen seien den herrschenden zwei Dutzend Familien egal, solange ihre Interessen gewahrt blieben, so Moreno.

Diese Interessen erstrecken sich vom Handel über das Finanzwesen und die Export-Landwirtschaft bis zu erneuerbaren Energien. Und sie sind häufig der Grund für die Land- und Umweltkonflikte, die voriges Jahr in der Ermordung der Umweltaktivistin Berta Cáceres gipfelten. Hinter dem Mord steckten Angestellte der Firma, die einen umstrittenen Staudamm auf indigenem Stammesland bauen wollte, zusammen mit Polizisten und Verbündeten in der Justiz, welche die Ermittlungen behinderten. Das ist die hässliche Fratze der staatlich-privaten Partnerschaften, mit denen Hernández die Infrastruktur ausbaut.

Was der Wahlsonntag bringen wird, ist unklar. Zuverlässige Umfragen gibt es nicht, interne Kampagnendaten ergeben einen leichten Vorsprung für Hernández mit rund 44 Prozent gegenüber 42 Prozent für Nasralla – bei der Ungenauigkeit der Messmethoden sei das eigentlich ein Patt, so der Berater Gerardo Martínez. Daran, dass Hernández gewinnen wird, hegt er trotzdem keine Zweifel. «JOH ist der Kandidat der Elite und der USA, die hier nichts anbrennen lassen wollen.» Moreno fügt hinzu: «JOH hat sämtliche Institutionen unter Kontrolle, auch das Wahlgericht und die Justiz.» Einzig der Kongress fehle ihm noch. Den USA geht es vor allem um Stabilität und Kontrolle in einer Region, die in den letzten 20 Jahren aus dem Ruder gelaufen ist.

Für die USA ist der erpressbare Präsident ein Glücksfall

In den vergangenen acht Jahren hat Washington Honduras erneut zu einem wichtigen Militärstützpunkt ausgebaut, um Drogenhandel und Migration zu bekämpfen. Systematisch haben US-Agenten die Netzwerke zwischen Mafia und Politik zerschlagen. Unter die Räder kamen nicht nur Kriminelle, sondern auch Hintermänner, darunter der Sohn von Ex-Präsident Porfirio Lobo und die Bankiersfamilie Rosenthal, Verbündete von JOH. Auch der Präsident selbst ist unter Beschuss, nachdem ein in die USA ausgelieferter Drogenboss gestand, er habe Geschäfte mit Hernández’ Bruder Tony gemacht.

«Keiner steht über dem Gesetz», distanzierte sich JOH öffentlich. Ein Präsident, der intern mit harter Hand regiert, aber erpressbar ist – ein besseres Szenario könnte es für die USA kaum geben.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.