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HORN VON AFRIKA: «Die Situation ist dramatisch»

Selbst die Kamele sterben: Am Horn von Afrika herrscht eine unglaubliche Dürreperiode. Allein in Somalia sind Millionen Menschen massivst unterernährt. Ömer Güven sagt, weshalb Soforthilfe allein nicht genügt.
Dominik Buholzer
Dürreperiode streckt sich auch über Äthiopien (Bild: Getty Images)

Dürreperiode streckt sich auch über Äthiopien (Bild: Getty Images)

Am Horn von Afrika herrscht wegen der Dürre eine grosse Not. Allein in Somalia sind 6,7 Millionen Menschen dringend auf Unterstützung angewiesen, das Land steht am Rand einer grossen Hungersnot. 85 Prozent des Viehbestandes sind verendet.

Ömer Güven ist Geschäftsführer von Save the Children Schweiz und war kürzlich im Krisengebiet.

Ömer Güven, Sie sind letzte Woche aus Somalia zurückgekehrt. Welches Bild bot sich Ihnen im Krisengebiet?

Die Situation ist dramatisch. Wir erleben am Horn von Afrika gerade die grösste Hungerkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Selbst Kamele, die an und für sich sehr robust sind, sterben.

Welche Hilfe leisten Sie?

Wir sind mit mobiler Gesundheitsberatung unterwegs und versuchen so den Menschen, die zum Teil an massiver Unterernährung leiden, zu helfen. Daneben gilt unser Fokus aber auch der Bildung. Die Soforthilfe ist das eine. Das andere ist die Vorsorge, den Leuten das Wissen zu vermitteln, wie sie sich gegen solche Situationen wappnen können. Nur so kann letzten Endes unsere Hilfe nachhaltig sein.

Das fruchtet?

Wir stellen eine sehr erfreuliche Entwicklung fest. Zum einen interessieren auch viele Väter diese Weiterbildungsangebote; die Last müssen also nicht nur die Mütter tragen. Zum anderen läuft auch die Zusammenarbeit mit der Regierung sehr gut.

Das heisst?

Die Regierung gewährt uns im Gegensatz zu früher den Zugang zu gewissen Regionen. Wir können den Betroffenen also wirklich Hilfe leisten. Und die Bevölkerung nimmt unser Angebot sehr gut an. Ein Vater hat 150 Kilometer Fussmarsch auf sich genommen, um seine Tochter von uns behandeln zu lassen.

Wie lange werden die Kinder von Ihnen behandelt?

In der Regel bleiben die Kinder drei bis vier Wochen in unseren medizinischen Zentren. Wir sind darauf bedacht, dass sie dabei mit ihren Eltern leben können.

Somalia litt bereits 2011 unter einer grossen Dürre. Was ist Ihre Prognose?

Die Aussicht ist eigentlich trübe. Wir können nicht verhindern, dass sich dies wiederholt. Das Problem ist, dass es schon das ganze Jahr am Horn von Afrika nicht viel geregnet hat. Mit Ernteausfällen ist also auch in den kommenden Jahren zu rechnen. Was wir hier spüren, sind ganz klar die Folgen des Klimawandels.

Was können Sie denn tun, damit es das nächste Mal nicht mehr so schlimm wird?

Wir können dazu beitragen, dass die Bevölkerung beim nächsten Mal besser auf die Situation vorbereitet ist.

Was braucht es dazu?

Eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden. Diesbezüglich bin ich aber sehr zuversichtlich. Seit in Somalia die neue Regierung an der Macht ist, hat sich die Situation verbessert. Schliesslich sind wir ja auch beim Wiederaufbau auf die Hilfe der Regierung angewiesen.

Worauf führen Sie diesen Wandel zurück?

Es scheint, als ob die aktuelle Regierung neue Wege gehen will.

Interview: Dominik Buholzer

Hinweis

Save the Children ist nach eigenen Angaben die grösste unabhän­gige Kinderrechtsorganisation der Welt und existiert seit 1919.

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