Coronakrise
Illegale Migranten fliehen aus Spanien zurück nach Afrika – aus Angst vor dem Virus

Die Angst vor dem Virus treibt Hunderte Einwanderer zurück in ihre Heimatländer. Doch dort sind sie nicht willkommen.

Manuel Meyer aus Madrid
Drucken
Teilen
Marokko hat seine Grenzen selbst für Marokkaner gesperrt. Migranten, die aus Europa zurückkommen, bleiben an der Grenze hängen. (Bild: Keystone)

Marokko hat seine Grenzen selbst für Marokkaner gesperrt. Migranten, die aus Europa zurückkommen, bleiben an der Grenze hängen. (Bild: Keystone)

CH Media

Die Coronapandemie stellt alles auf den Kopf – selbst die Migrationsströme. Normalerweise bezahlen Flüchtlinge den Schleppern in Marokko und Algerien viel Geld, um über die Meerenge von Gibraltar nach Spanien gebracht zu werden. Mit dem Ausbruch der Coronapandemie ist aus dem Traum vom besseren Leben in Europa nun aber für viele illegale Einwanderer ein Albtraum geworden. Hunderte haben in Schlepperbooten in den vergangenen Wochen wieder die Rückreise über die 14-Kilometer-breite Strasse von Gibraltar angetreten.

Mit mehr als 226000 Infizierten und 23500 Todesopfern ist Spanien nach den USA das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land der Welt. «Gerade bei illegalen Migranten, die oft in prekären Verhältnissen leben, macht sich die Angst breit, sich mit dem Virus infizieren zu können», erklärt der spanische Migrationsexperte Markus González.

Marokko hingegen verzeichnet gerade einmal 4000 Infizierte und 161 Opfer. In Algerien wurden bisher sogar nur 3400 Erkrankte und 425 Tote gezählt. Vor allem illegal nach Spanien eingewanderte Marokkaner und Algerier zieht es deshalb wieder in ihre Heimatländer zurück – auch aus wirtschaftlichen Überlegungen: «Durch die Ausgangssperren ist der Arbeitsmarkt für die illegalen Migranten vollkommen zusammengebrochen», sagt González. Viel von ihnen arbeiteten schwarz als Erntehelfer, Strassenverkäufer, Dealer oder Prostituierte.

Marokko lässt nicht mal mehr Marokkaner rein

Spanien hat eine der striktesten Ausgangssperren Europas. Seit sechs Wochen dürfen Erwachsene die Wohnung nur verlassen, um zur Arbeit, zum Supermarkt oder zum Arzt zu gehen. Spazierengehen oder Sport im Freien sind bisher verboten. Selbst Kinder dürfen erst seit letzten Sonntag wieder täglich für eine Stunde vor die Tür.

Doch selbst wenn die Pandemie überwunden sein wird, bleiben die Perspektiven illegaler Migranten in Spanien alles andere als rosig. Die Arbeitslosenquote könnte in diesem Jahr von derzeit 14 auf bis zu 21 Prozent ansteigen.

Doch die Rückkehr der Migranten nach Afrika gestaltet sich schwierig: Marokko schloss am 13. März seine Grenzen. Selbst Landsleute werden derzeit nicht mehr reingelassen. Der Einreisestopp gilt auch für die beiden spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla. Täglich überschreiten Hunderte Marokkaner mit speziellen Arbeitsgenehmigungen die Grenze, um in den an Marokko grenzenden Städten Waren zu verkaufen. Eine Lockerung ist nicht in Sicht. Trotzdem wollen viele gerade jetzt zum Ramadan zurück zu ihren Familien.

Ende März gelang es vier jungen Marokkanern von der spanischen Küstenenklave Ceuta hinüber auf die marokkanische Seite zum Tarajal-Strand zu schwimmen, wo sie sofort von der marokkanischen Gendarmerie festgenommen und in eine zweiwöchige Quarantäne gebracht wurden.

Aktuelle Nachrichten