Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Im Dunkeln lebt es sich bequem

Man empört sich gerne über hohe Managergehälter - doch die wahren Schuldigen werden oft ausgeklammert.
Reto Lipp
Reto Lipp.

Reto Lipp.

Die Zeit der Generalversammlungen im Frühling ist die immer wiederkehrende Zeit der Empörung über hohe Managergehälter. Schon in der letzten Kolumne habe ich mich damit befasst und bin zum Schluss gekommen, dass die Aktionäre ganz schön dumm sind. Sie zahlen hohe Gehälter an ihre Chefs, ohne dass die Millionengehälter das Geschäftsergebnis positiv beeinflussen würden. Das Gegenteil ist gemäss wissenschaftlichen Studien der Fall. Die hohen Gehälter töten die innere Motivation der Topmanager, die bald immer höhere Gehälter brauchen, um sich überhaupt noch zu motivieren. Als ob man einen Motivationsschub brauchen würde, wenn man so viel Gestaltungsmöglichkeiten hat wie ein Topmanager!

Der Boni-Effekt verpufft schnell und dreht sogar in den negativen Bereich. Wer also behauptet, hohe Boni würden die Chefs zu mehr Leistung motivieren, liegt falsch. Und wer als Aktionär dafür stimmt, dass hohe Boni ausgeschüttet werden, schadet sich selbst, denn die Leistung der Chefs nimmt mit hohen leistungs­variablen Vergütungen eher ab, was dem Geschäft nicht gut tut.

In den Medienartikeln zum Thema werden allerdings die wahren Schuldigen oft vollständig ausgeklammert. Wann immer es um Boni geht, werden Namen von Topmanagern wie Tidjane Thiam, Sergio Ermotti oder Severin Schwan herumgereicht. Doch wer kennt Julie Richardson? Sie ist die Vorsitzende des Vergütungskomitees im UBS-Verwaltungsrat. Oder wer kennt Kai S. Nargolwala? Er ist der Chef des Vergütungskomitees bei der Credit Suisse. Ich habe diese Namen noch in keinem Bericht über hohe Boni bei Grossbanken gelesen.

Man könnte mit Brecht argumentieren, die im Dunkeln sieht man nicht. Oder etwas abgewandelt: Die wahren Schuldigen der Boni-Exzesse werden selten kritisiert, ja kaum einmal direkt erwähnt. Sie sitzen im Verwaltungsrat und hätten alle Macht der Welt, die Boni-Kultur zu stoppen. Denn es sind nicht in erster Linie die Manager, die für die hohen Boni verantwortlich sind. Nein, es sind die Verwaltungsräte in corpore – und insbesondere jene Verwaltungsräte, die in den Vergütungskomitees sitzen, die sich das ganze Jahre über in unzähligen Sitzungen mit Vergütungssystemen auseinandersetzen, die so kompliziert sind, dass die Verwaltungsräte selbst den Durchblick verlieren und teure Berater anheuern müssen, die dann im Auftrag der Verwaltungsratsausschüsse die hochkomplexen Vergütungssysteme entwerfen, die dann in unzähligen Sitzungen wieder besprochen werden müssen, denn sie sind alles andere als selbsterklärend. Ein Ressourcenverschleiss sondergleichen, der natürlich die Honorare der Verwaltungsräte (Sitzungen!) und der Berater sprudeln lässt, aber dem Unternehmen kaum einen Nutzen bringen.

Wenn Ihnen für Ihren Job ein Honorar von 15 Millionen angeboten wird, würden Sie ablehnen? Deshalb sind auch nicht die Manager die wahren Schuldigen an den Boni-Exzessen, sondern die grauen Mäuse in den Verwaltungsräten, die im Schutz der (Fast-)Anonymität diese Verträge aushandeln und abnicken. Die Verwaltungsräte müssten als Stellvertreter der Eigentümer, also der Aktionäre, handeln. Aber sie handeln hauptsächlich im Eigeninteresse. Denn wenn der CEO 15 Millionen Franken verdient, dann muss doch der Präsident mindestens auch fünf Millionen verdienen. Sonst ist er nicht auf Augenhöhe mit dem CEO, und das ergibt dann auch entsprechend hohe Saläre für die gewöhnlichen Verwaltungsratsmitglieder. Die Aktionäre müssten deshalb stärker die Verwaltungsräte in die Pflicht und deren Verhalten unter die Lupe nehmen. Und die Medien müssten bei der Diskussion um hohe Managergehälter weniger die Manager kritisieren als die Verwaltungsräte, die diese Boni austüfteln und verantworten. Dass sich die Verwaltungsräte im Dunkeln verstecken können, dort sehr bequem leben und einfach weiter Vergütungspakete nach ihrem Gusto ausarbeiten, sollte nicht mehr vorkommen. Aktionäre müssen die wahren Verantwortlichen konsequenter benennen und zur Verantwortung ziehen. Und das sind die Verwaltungsräte – besonders jene, die in den Vergütungskomitees sitzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.