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Ex-Punk-Rocker will US-Präsident werden

Beto O’Rourke hat den Spekulationen ein Ende gesetzt und seine Präsidentschaftskandidatur verkündet. Der ehemalige Parlamentsabgeordnete sorgte im vorigen Jahr in Texas für Furore.
Renzo Ruf, Washington
Beto O’Rourke bei einem Auftritt in Texas während des Senatswahlkampfs vom letzten Jahr. Bild: Larry W. Smith/EPA (El Paso, 6. November 2018)

Beto O’Rourke bei einem Auftritt in Texas während des Senatswahlkampfs vom letzten Jahr. Bild: Larry W. Smith/EPA (El Paso, 6. November 2018)

Typisch Beto. Normalerweise stellen sich Präsidentschaftskandidaten dem Rest des Landes mit einem professionellen Filmchen vor, in dem sie Fotos aus ihrem Familienalbum und Landschaftsbilder zeigen, die mit dramatischer Musik untermauert werden. In seinem ersten offiziellen Video als demokratischer Anwärter für das Weisse Haus aber sitzt Robert Francis O’Rourke, den alle bloss bei seinem Spitznamen Beto nennen, zusammen mit seiner Frau Amy auf einem Sofa. Und der 46 Jahre alte Politiker spricht schnell und ohne Unterbrechung für dreieinhalb Minuten, eine gefühlte halbe Ewigkeit.

So ist er eben, der ehemalige Punkmusiker, Unternehmer und Politiker in der Grenzstadt El Paso, Abgeordnete im Repräsentantenhaus und gescheiterte Senatskandidat in Texas: ein Politiker der alten Schule, der auf der Suche nach Wählerstimmen auf die Kraft seiner Worte setzt. Und dabei Reden schwingt, die in der amerikanischen Presse als mitreissend und unterhaltend bezeichnet werden, weil O’Rourke meist ohne Manuskript spricht und dabei wild gestikuliert. Dass er dabei buchstäblich ins Schwitzen kommt, scheint ihn nicht zu stören – auch gestern, während seines ersten Auftrittes in Iowa, waren auf seinem Hemd Schweissflecken zu sehen.

80 Millionen Dollar Spendengelder gesammelt

O’Rourke ist der mittlerweile 15. Demokrat, der sich zum Ziel gesetzt hat, Amtsinhaber Donald Trump im kommenden Jahr aus dem Weissen Haus zu verdrängen. Politbeobachter gehen davon aus, dass sich bis zur ersten Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten, die im Juni über die Bühne gehen soll, noch weitere Anwärter melden werden. Und obwohl sein Leistungsausweis nicht sehr gross ist – drei Amtszeiten im nationalen Parlament –, weckt seine Kandidatur grosses Interesse, auch und vor allem unter professionellen Politbeobachtern.

Das hängt ausgerechnet mit der bisher grössten Niederlage in der Politkarriere von Beto zusammen, mit dem verlorenen ­Senatswahlkampf im vorigen Jahr. O’Rourke verlor das Duell gegen den Republikaner Ted Cruz zwar mit einem Rückstand von 2,5 Prozentpunkten; es verursachte aber während der zwei Jahre dauernden Auseinandersetzung, auch dank einer dominanten Präsenz in den sozialen Medien, einen derartigen Wirbel, dass er während seines Wahlkampfes mehr als 80 Millionen Dollar an Spendengeldern einsammelte – ein neuer nationaler Rekord.

Biden und Sanders führen das Rennen an

Offen ist, ob Beto die Erfahrungen, die er im Wahlkampf im zugegeben grossen Staat Texas machte, auf den Rest des Landes übertragen kann. Seine Kritiker weisen gerne darauf hin, dass sein politisches Programm recht dünn sei und O’Rourke mit rhetorischen Kunstgriffen darüber hinwegzutäuschen versuche. Gemeinhin präsentiert sich Beto als linker Demokrat, der aber offen ist, gute Ideen zu prüfen, selbst wenn diese vom politischen Gegner stammen. Auch wird ihm immer wieder vorgeworfen, er sei selbstverliebt. Mag sein, wobei ein gewisse Portion Narzissmus wohl zum politischen Betrieb gehört.

O’Rourke kommt aber zugute, dass er im direkten Gespräch, sei es mit Wählern oder mit Journalisten, überraschend unprätentiös auftritt, auch wenn er sich natürlich seiner Ausstrahlung bewusst ist. In seinem Herzen ist Beto immer noch ein Punk-Rocker. In einem ersten Schritt muss Beto nun versuchen, sich in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina einen Namen zu machen. In diesen vier Staaten beginnt im Frühjahr 2020 der Vorwahlzirkus. Diese Aufgabe wird O’Rourke nicht leichtfallen, deuten aktuelle Meinungsumfragen doch darauf hin, dass alte Schlachtrösser wie Joe Biden und Bernie Sanders das Rennen der Demokraten derzeit dominieren. Andererseits: Als O’Rourke sich 2016 dazu entschloss, den Republikaner Ted Cruz herauszufordern, hätten wohl die wenigsten Beobachter damit gerechnet, dass Beto das Zeug zu einem Star hat.

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