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Im Reich der Schlapphüte

Im Beschattungsskandal rund um die Grossbank CS spielt die Detektiv-Firma Investigo Gmbh eine umstrittene Rolle.
Pascal Ritter
Auch Grossbanken setzen zuweilen auf die Dienste von Privatdetektiven. (Bild: Pixabay)

Auch Grossbanken setzen zuweilen auf die Dienste von Privatdetektiven. (Bild: Pixabay)

Im Beschattungsskandal rund um den ehemaligen Credit Suisse und zukünftigen UBS-Banker Iqbal Khan kommen alle Beteiligten schlecht weg. Der Ruf der Credit Suisse leidet, weil sie hinter der missglückten Beschattungsaktion steht, welche die Affäre ins Rollen gebracht hat. Die Banker Khan und Tidjane Thiam werden als streitenden Kinder im Sandkasten porträtiert. Während sich die millionenschweren Streithähne aber in ihre Villas im steuergünstigen Herrliberg zurückziehen können, sind die Privatdetektive der Firma Investigo Gmbh dem Sturm der Entrüstung beinahe schutzlos ausgeliefert. Die Webseite (www.investigogmbh.ch) ist nicht mehr zu erreichen, seit Banker Iqbal Khan öffentlich behauptete, er habe Todesangst ausgestanden, als er einen Privatdetektiv von Investigo stellte. Auch das Telefon nehmen die Gebrüder Sven und Cyrill van Altena nicht mehr ab. Früher waren sie noch kommunikativer.

In der «Weltwoche» und im «Landboten» brüsteten sie sich mit der eigenen Effizienz bei der Aufdeckung von Sozialhilfe-Betrug. Solche Dienste erbrachten sie für Gemeinden wie das Zürcher Opfikon. Dort heisst es auf Anfrage, man sei mit den Dienstleistungen der van Altenas stets zufrieden gewesen. Gerd Bolliger, Leiter der Sozialabteilung, kann sich vorstellen, dass seine Gemeinde trotz des Skandals auch in Zukunft auf die Firma setzt. «Wir würden aber zuerst das Gespräch mit Ihnen suchen und den aktuell öffentlich gewordenen Fall besprechen», sagt er. Die Entscheidung liege allerdings bei der Sozialbehörde.

Hört man sich bei anderen Detektiven um, erfährt man wenig Gutes. «Wir distanzieren uns von dieser Firma», sagt etwa der Zürcher Privatdetektiv Erich Wunderli. Das Vorgehen im öffentlich gewordenen Fall wirke unprofessionell. Allerdings sind solche Aussagen mit Vorsicht zu geniessen. Denn in der Detektiv-Branche gehört das Lästern über Kollegen offenbar zum guten Ton. So lassen andere Privatdetektive wiederum kein gutes Haar an Detektiv Wunderli.

Themis Kostenas vom Fachverband schweizerischer Privatdetektive, der eine Handvoll Kanzleien vertritt, sagt, er habe Investigo in seinen Verband aufnehmen wollen. Allerdings habe sich der Vorstand dann dagegen entschieden, weil Investigo hauptsächlich Bewachungen und andere Sicherheitsdienstleistungen anbietet und Ermittlungen nur ein Nebengeschäft zu sein scheinen.

Sozialschnüffelei führt zu Boom bei Detektiven

Die Branche der Privatdetektive ist schwierig zu fassen. Dies liegt unter anderem daran, dass der Titel nicht geschützt ist und es keine offiziellen Ausbildungsstandards gibt.

In den Kantonen Appenzell Inner- und Ausserrhoden, Aargau, den beiden Basel, Genf, Jura, Nidwalden, Neuenburg, Solothurn, St. Gallen, Tessin, Thurgau und Uri gibt es eine Bewilligungspflicht. Dafür müssen die Detektive in der Regel Straf- und Betreibungsregisterauszüge vorlegen.

Eine Umfrage bei den Kantonen mit Bewilligungspflicht ergab, dass die Branche eine beachtliche Grösse erreicht hat. Im Kanton St. Gallen zum Beispiel haben im Moment 42 Kanzleien eine Bewilligung. Seit 2018 hat die Kantonspolizei neun neue Bewilligungen erteilt. Im Kanton Aargau gibt es im Moment ganze 85 Firmen, die Detektiv-Dienstleistungen anbieten dürfen. Allerdings nehme die Zahl im Moment eher ab, sagt ein Sprecher der Kantonspolizei.

Mit dem Ermitteln für Sozialbehörden hat sich ein neues Betätigungsfeld geöffnet. Trotzdem gehört das Ausspionieren von (ehemaligen) Ehepartnern immer noch zu den häufigsten Überwachungsgründen. Gemäss dem Zürcher Privatdetektiv Kostenas sind zudem Anfragen von Firmen häufig, die den Verdacht haben, dass ihre Angestellten blaumachen. «Es sind auffällig oft Frauen zwischen 20 und 25 Jahren, die tagsüber ‹Party› machen, obwohl sie krankgeschrieben sind», sagt Kostenas.

Gemäss dem Fachverbandspräsidenten Kostenas verdienen Detektive zwischen 8000 und 12 000 Franken. Wunderli gibt etwas tiefere Löhne an. Er plädiert zudem dafür, dass sein Gewerbe eidgenössisch anerkannt wird.

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