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Nach dem Brückeneinsturz in Genua gibt es immer noch Vermisste

In Genua werden zwei Tage nach dem Brückeneinsturz mit mindestens 38 Toten noch etliche Menschen unter den Trümmern vermutet. «Es könnte noch 10 bis 20 vermisste Personen geben», sagte der leitende Staatsanwalt Francesco Cozzi.
Die eingestürzte Brücke in Genua. (Bild:Antonio Calanni/AP, 15. August 2018)

Die eingestürzte Brücke in Genua. (Bild:Antonio Calanni/AP, 15. August 2018)

(red/sda) Nach dem verheerenden Brückeneinsturz von Genua vom Dienstag werden immer noch Menschen vermisst. Für diese besteht aber kaum noch Hoffnung. Angesichts der verstrichenen Zeit sei es «wenig wahrscheinlich, Überlebende zu finden», zitierte die italienische Nachrichtenagentur Ansa den Regionalpräsidenten Giovanni Toti.

Während eines Unwetters war am Dienstag ein Abschnitt des viel befahrenen Polcevera-Viadukts eingestürzt und hatte viele Fahrzeuge in die Tiefe gerissen. Die Angaben zur Länge des eingebrochenen Stücks variierten zwischen 100 und 250 Metern. Am Donnerstag verlautete aus verlässlicher Quelle, dass es sich um eine Länge von rund 180 Metern handelte.

Zahl der Toten nach unten korrigiert

Die Präfektur korrigierte laut Ansa am Donnerstag die Zahl der offiziell bestätigten Toten auf 38. Für sie soll es am Samstag ein Begräbnis geben und dann auch eine Staatstrauer gelten. Unter den Opfern sind mindestens drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren. 15 Menschen sind der Präfektur zufolge verletzt, 9 von ihnen befinden sich noch immer in einem kritischen Zustand.

Die Rettungskräfte setzten am Donnerstag die schwierige Suche nach Vermissten fort. Unterdessen verschärfte die Regierung ihre Vorwürfe gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia zu. Sie sieht die Verantwortung für die Katastrophe bei dem Unternehmen und will ihm die Lizenz für die Strasse entziehen.

Sicherheitsauflagen der EU

Die EU-Kommission stellte am Donnerstag klar, die Morandi-Brücke war Teil eines europäischen Fernstrassennetzes und unterlag deshalb besonderen Prüf- und Sicherheitsauflagen der EU. Verantwortlich für die Umsetzung seien die italienischen Behörden.

Die Kommission wies abermals Aussagen des italienischen Innenministers Matteo Salvini zurück, wonach Brüsseler Sparvorgaben für die marode Infrastruktur des Landes mitverantwortlich sein könnten. EU-Staaten könnten politische Prioritäten im Rahmen der geltenden Haushaltsregeln selbst festlegen, wiederholte der Sprecher.

Der Autobahnbetreiber teilte am Donnerstag mit, er hab zwischen 2012 und 2017 mehr als eine Milliarde Euro jährlich in die Sicherheit und Instandhaltung investiert. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings davon aus, dass die Katastrophe kein zufälliges Unglück war.

Der mehr als 40 Meter hohe Polcevera-Viadukt, der auch Morandi-Brücke genannt wird, spannt sich unter anderem über Wohnhäuser, Gleisanlagen und Fabriken und ist seit langem umstritten. Die Brücke ist Teil der Autobahn 10 und verbindet den Osten mit dem Westen der Stadt. Sie ist als Ferienroute «Autostrada dei Fiori» bekannt und eine wichtige Fernstrasse nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Hunderte Menschen obdachlos

Die Tragödie hat Hunderte Menschen obdachlos gemacht: Sie mussten ihre Häuser nahe der Brücke aus Sicherheitsgründen verlassen. Regionalpräsident Toti erklärte laut Ansa am Donnerstag, dass die Häuser nicht wieder bewohnt werden können. In den nächsten Tagen sollen Häuser für die Betroffenen zur Verfügung gestellt werden.

Die Regierung hatte am Mittwoch den Notstand für die Hafenstadt verhängt und fünf Millionen Euro Nothilfe bereit gestellt. Das Dekret soll ermöglichen, erste wichtige Massnahmen in Gang zu setzen, um dem Ausnahmezustand zu begegnen. Der Notstand soll zwölf Monate gelten und in diesem Zuge auch ein Sonderbeauftragter für den Wiederaufbau benannt werden.

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