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In Athen fliegen die Fetzen

Mit der Freundschaft ist es vorbei: Nach dem Bruch der Koalition kämpft der Rechtspopulist Panos Kammenos gegen Premier Alexis Tsipras.
Gerd Höhler, Athen
Da waren sie noch Freunde: Der griechische Premier Alexis Tsipras (links) und sein Koalitionspartner Panos Kammenos beim Wahlsieg von Tsipras im Jahr 2015. Bild: Lefteris Pitarakis/AP (Athen, 20. September 2015)

Da waren sie noch Freunde: Der griechische Premier Alexis Tsipras (links) und sein Koalitionspartner Panos Kammenos beim Wahlsieg von Tsipras im Jahr 2015.
Bild: Lefteris Pitarakis/AP (Athen, 20. September 2015)

Vier Jahre lang waren sie ziemlich beste Freunde: Der radikal-linke griechische Premier Alexis Tsipras und sein ultra-rechter Koalitionspartner Panos Kammenos. Jetzt trennen sich die Wege des ungleichen Politpaares. Seit das Regierungsbündnis am Streit um die Mazedonien-Politik zerbrochen ist, bekämpfen sich die beiden Politiker bis aufs Messer.

Vielen Griechen ist das Bild noch in Erinnerung: Als Alexis Tsipras am Abend des 20. September 2015 auf dem Athener Klathmonos-Platz seinen zweiten Wahlsieg feierte, bahnte sich im Publikum ein schwitzender, korpulenter Mann mit Hilfe seiner Bodyguards einen Weg zur Bühne. Oben angekommen, fielen sich die beiden Männer siegestrunken in die Arme. So erneuerten Alexis Tsipras und Panos Kammenos ihre acht Monate zuvor geschlossene Koalition. Kammenos verhalf Tsipras zu einer Mehrheit im Parlament und wurde mit dem Posten des Verteidigungsministers belohnt. Dass sie an entgegensetzten Polen des politischen Spektrums stehen, störte die beiden Männer nicht.

Partei zerbrach an Mazedonienfrage

Was sie einte, war der Kampf gegen die Sparvorgaben der Gläubiger. Als Populisten lagen Tsipras und Kammenos auf einer Wellenlänge, ungeachtet der unterschiedlichen politischen Vorzeichen. Aber jetzt ist das Zweckbündnis des Linksbündnisses Syriza mit den rechtsnationalistischen Unabhängigen Griechen (Anel) geplatzt. Kammenos wollte den Namensdeal mit Mazedonien nicht mittragen.

An der Mazedonienfrage zerbracht nicht nur die Koalition. Auch die Kammenos-Partei Anel desintegriert. Nachdem sich fünf Abgeordnete von der Partei lossagten, hat die Anel mit nur noch vier Parlamentariern keinen Fraktionsstatus mehr. Hatte Kammenos noch vor kurzem Tsipras als «besten Ministerpräsidenten seit dem Ende der Obristendiktatur 1974» gepriesen, setzt er nun zum Generalangriff an. In Tsipras sieht er die treibende Kraft hinter dem Niedergang seiner Partei, die «mundtot» gemacht werden solle. Aus den Partnern von einst sind erbitterte Feinde geworden.

Vor dem Parlament erhob Kammenos diese Woche den Vorwurf, Tsipras habe gezielt die Auflösung der Anel-Fraktion betrieben. «Sie haben gezeigt, dass Sie ein kaltblütiger Killer sind», rief Kammenos dem Premier zu. In einem TV-Interview ging Kammenos jetzt ins Detail: Tsipras persönlich habe Gespräche mit Anel-Abgeordneten geführt, um sie abzuwerben und ihnen Posten im Kabinett versprochen. Drei Abgeordnete habe Tsipras so «gekauft», sagte Kammenos. Auf Twitter sprach der Anel-Chef von einem «parlamentarischen Putsch». An diesen «Machenschaften» sei auch Parlamentspräsident Nikos Voutsis (Syriza) beteiligt gewesen.

Panos Skourletis, Sekretär des Syriza-Zentralkomitees spricht von «unbewiesenen Behauptungen». Er wisse nicht, «was in Kammenos Kopf vor sich geht», sagte Skourletis. Aber die «ständigen Statements» des Anel-Chefs seien «ermüdend». Noch einen Schritt weiter ging Premier Tsipras, als er jetzt im Parlament Kammenos mit schneidender Ironie zurief, er wolle sich «psychoanalytische Interpretationen ersparen».

Beobachter erwarten vorzeitige Wahlen

Offenbar versucht man jetzt Kammenos als jemanden hinzustellen, der politisch unzurechnungsfähig ist. Erstaunlich eigentlich, denn schliesslich vertraute Tsipras diesem Mann vier Jahre lang das Verteidigungsministerium an. Jetzt verabschiedete der Premier seinen früheren Koalitionspartner mit einer Zeile aus einem Gedicht von Konstantinos Kavafis in die politische Bedeutungslosigkeit: «Du wirst kein neues Land finden, kein anderes Meer.» Damit ist klar: Die Trennung ist endgültig, die einstigen Freunde sind nun Feinde.

Seit dem Bruch der Koalition regiert Tsipras mit Unterstützung von sechs unabhängigen Abgeordneten, darunter auch ehemalige Anel-Parlamentarier. Wie lange das gut geht, ist ungewiss. Viele Beobachter tippen auf vorzeitige Wahlen im Mai. Panos Kammenos fordert sogar «sofortige Neuwahlen». Dass er noch einmal den Sprung ins Parlament schaffen kann, ist aber unwahrscheinlich: In den jüngsten Umfragen kommt seine Anel nur auf ein Prozent Stimmenanteil.

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