Kommentar

In der Stadtluzerner Gemeindestrategie gibt es eine irritierende Leerstelle

Der Luzerner Stadtrat hat mit Blick auf die Entwicklung Luzerns zentrale Themenkreise identifiziert. Doch etwas Wichtiges fehlt. 

Christian Peter Meier
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Christian Peter Meier, Leiter der regionalen Ressorts Luzern.

Christian Peter Meier, Leiter der regionalen Ressorts Luzern.

Gestern hat der Luzerner Stadtrat erstmals eine Gemeindestrategie und ein Legislaturprogramm präsentiert. Diese beiden Führungsinstrumente werden im Kanton Luzern nun von allen Kommunen eingefordert. Mit Sicherheit haben sich die fünf Exekutivmitglieder zuvor ganz genau überlegt, welche langfristigen Ziele sie für Luzern als zentral erachten. Und sie haben dabei durchaus mit einem feinen Gespür für die Bedürfnisse der urbanen Bevölkerung wichtige Themenkreise identifiziert. Die Quartiere zu stärken, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu steigern oder das Miteinander unterschiedlicher Generationen und sozialer Gruppen zu fördern: diese und weitere Schwerpunkte sind wichtig für eine lebenswerte Stadt.

Nun sieht sich Luzern ja aber seit jeher auch als wirtschaftliche Metropole. Und sie wird in diesem Verständnis bestärkt durch die kantonale Richtplanung, welche – um der Zersiedelung Einhalt zu gebieten – «Bevölkerungs- und Beschäftigtenwachstum hauptsächlich und verstärkt in den Zentren» vorsieht. Also in Downtown Luzern. Hier hat man bislang aber den Hebel noch nicht so richtig umgelegt. Dabei ist das Thema virulent, wie etwa die grossen Pendlerströme nach Zug und Zürich täglich vor Augen führen.

Kurz: Luzern braucht nicht nur mehr (bezahlbaren) Wohnraum, sondern auch deutlich mehr Arbeitsplätze. Dass die Gemeindestrategie die Themen Wachstum und Verdichtung nur nebenbei aufgreift, ist darum irritierend – auch für die Luzerner Wirtschaftsverbände, die gestern mit harscher Kritik reagierten. Bei den Zentralschweizer Nachbarn wiederum dürfte man die Leerstelle zumindest mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen – ganz besonders in Zug.