Singapur
In jedem zehnten Haushalt wohnt ein Millionär

Singapur ist die neue Heimat der Superreichen. Die Millionärsdichte wächst, für Normalverdiener wird das Leben zunehmend unmöglich. Die finanzielle Ungleichheit bietet immer wieder Stoff für Debatten.

Matthias Peer, Bangkok
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In Singapur lässt sichs gut leben. Stephen Morrison/Keystone

In Singapur lässt sichs gut leben. Stephen Morrison/Keystone

Der südostasiatische Stadtstaat Singapur hat einen enormen Aufstieg hinter sich. In jedem zehnten Haushalt lebt mittlerweile ein Millionär. Normalverdiener können nicht mithalten. Die hohen Preise und Mieten treiben sie aus der Stadt.

Wenn Peter Lim einen Wunsch hat, dann spielt Geld offenbar keine grosse Rolle: Der Milliardär aus Singapur hat sich Berichten zufolge eine Flotte aus 25 Ferraris angeschafft. Sein Zuhause ist eine elf Stockwerke hohe Luxusimmobilie an einer Prachtstrasse im Zentrum des Stadtstaates. Zu den exklusiven Besitztümern des Superreichen gehört seit wenigen Tagen auch noch ein Fussballverein: 100 Millionen Euro soll er für den spanischen Klub FC Valencia bezahlt und ein Vielfaches an Investitionen in den Verein zugesagt haben.

Enorme Millionärsdichte

Der Börsenmakler und Sportfan Lim kann sich die teuren Anschaffungen locker leisten. Das Vermögen des Self-made-Milliardärs, der sich als Sohn eines Fischhändlers hochgearbeitet hat, wird vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» auf 2,5 Milliarden US-Dollar (2,2 Milliarden Franken) geschätzt. In Singapur ist er damit aber nicht einmal der Reichste: Lim liegt lediglich auf Platz zehn in dem südostasiatischen Land, das zunehmend zur neuen Heimat der Superreichen aufsteigt.

Gleich mehrere Untersuchungen belegten zuletzt die enorme Konzentration an Privatvermögen in dem rund 5,5 Millionen Einwohner zählenden Stadtstaat. Wer durch die Strassen Singapurs streift, muss statistisch gesehen nicht weit laufen, um an einer Millionärswohnung vorbeizukommen: Laut einer Anfang der Woche veröffentlichten Studie der Boston Consulting Group lebt in jedem zehnten Haushalt eine Person mit mindestens einem sechsstelligen Dollar-Vermögen.

Auch die Zahl der Ultrareichen – also jener Personen, die mindestens 30 Millionen US-Dollar zur Verfügung haben – wächst mit enormer Geschwindigkeit: Laut einer im März veröffentlichten Prognose der Immobilienberatung Knight Frank werden in zehn Jahren in keiner anderen asiatischen Stadt so viele von ihnen wohnen wie in Singapur. Der Stadtstaat lässt damit auch wohlhabende Metropolen wie Hongkong oder Tokio hinter sich. Weltweit soll es nur in London mehr Ultrareiche geben.

Mehrere Stunden pendeln

Doch nicht alle Einwohner Singapurs haben etwas von dem enormen Wohlstand: Die extrem hohe Kaufkraft, die in den oberen Gesellschaftsschichten vorherrscht, treibt die Preise kräftig nach oben. Viele können da nicht mehr mithalten: Eine einfache Zwei-Zimmer-Wohnung im Stadtzentrum kostet in der Regel eine Monatsmiete von rund 5000 Singapur-Dollar (rund 3650 Franken) und ist für Normalverdiener damit kaum erschwinglich. Die meisten von ihnen müssen täglich mehrere Stunden pendeln, um zur Arbeit zu kommen. Einige fahren sogar jeden Tag vom benachbarten Malaysia, wo die Mieten deutlich günstiger sind, bis nach Singapur.

Extravagante Geburtstagsparty

Die deutlich spürbare finanzielle Ungleichheit bietet immer wieder Stoff für Debatten. Ende Mai sorgte die Society-Lady Sara Shantelle Lim mit der extravaganten Party zu ihrem 27. Geburtstag für Aufregung. Das Fest von Lim, die mit ihrem Blog über Singapurs Luxusleben stadtbekannt wurde, kostete 40 000 Singapur-Dollar. In den sozialen Medien hagelte es dafür Kritik. «Für viele ist das ein ganzer Jahreslohn», schrieb Greg Tan auf Facebook. Eine andere Nutzerin kommentierte: «Was für eine Geldverschwendung.»