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Stromausfall legt Venezuela lahm

Im Schatten eines historischen Stromausfalls fanden in Venezuela am Wochenende Massenkundgebungen statt. Oppositionsführer Juan Guaidó rief dabei zum Marsch auf Caracas auf.
Klaus Ehringfeld, Mexiko-Stadt
Oppositionsführer Juan Guaidó winkt bei der Kundgebung vom Samstag seinen Anhängern zu. (Bild: Fernando Llano/AP (Caracas, 9. März 2019))

Oppositionsführer Juan Guaidó winkt bei der Kundgebung vom Samstag seinen Anhängern zu. (Bild: Fernando Llano/AP (Caracas, 9. März 2019))

Juan Guaidó stand auf einem Autodach anstatt auf einer Tribüne, und er schrie sich die Seele aus dem Leib. Denn statt eines Mikrofons und Lautsprechern hatte er nur ein Megafon zur Verfügung. Venezuelas Opposition hatte sich die Kundgebung an diesem Samstag mächtiger, lauter und imposanter vorgestellt. Doch ein massiver Stromausfall und die Staatsmacht verhinderten, dass Oppositionschef Guaidó in Caracas gewohnt laut zu seinen Anhängern sprechen und gegen die Regierung von Machthaber Nicolás Maduro wettern konnte.

Den Aufbau der Tribüne für die Oppositionskundgebung verhinderten Polizisten im Morgengrauen. Und der Stromausfall sorgte dafür, dass den selbsternannten Staatschef nur ein paar hundert Menschen wirklich gut hören konnten, als er seine Anhänger zu weiteren Protesten gegen die chavistische Regierung animierte und zu einem Marsch auf die Hauptstadt aufrief. «Sie denken, sie könnten uns Angst machen», rief Guaidó. «Aber sie werden sich wundern. Sie haben keine Chance, ein Volk aufzuhalten, das entschieden ist, die Usurpation zu beenden. Wir werden alle zusammen nach Caracas kommen», sagte der 35-Jährige vor seinen jubelnden Anhängern. Auch sie waren weniger als erwartet, denn die Metro fuhr in Caracas nur sporadisch.

Es war ein Samstag von so vielen in den vergangenen Wochen in der venezolanischen Hauptstadt. Guaidó und Maduro, die beide die Präsidentschaft des südamerikanischen Landes für sich in Anspruch nehmen, hatten zu Grosskundgebungen aufgerufen. Der eine, um die Macht der Regierung weiter zu schwächen, der andere, um gegen den «Imperialismus» der USA zu protestieren.

Chavistische Misswirtschaft oder Cyberangriffe der USA?

Aber beide Kundgebungen litten unter den Unwägbarkeiten, die der Stromausfall mit sich brachte, der von Donnerstagabend an grosse Teile Venezuelas in ein dunkles und stillstehendes Land verwandelt hatte. Genau zur Mittagszeit, als sich die Anhänger beider Lager am Samstag auf den Weg zu den Kundgebungen machten, fiel in Caracas erneut der Strom aus, der erst am Vorabend zurückgekehrt war. Während Guaidó die chavistische Misswirtschaft verantwortlich machte, sieht Maduro hinter dem Ausfall Cyberangriffe der USA.

Juan Guaidó, der sich am 23. Januar zum Präsidenten ernannt hatte, will in den kommenden Tagen ganz Venezuela bereisen und die Menschen von seinem Plan eines Marsches auf Caracas überzeugen. Am Ende dieser Rundreise will Guiadó das Datum für den Sternmarsch bekanntgeben. Allmählich erweckt sein Handeln jedoch das Gefühl, dass dem Politiker, den die halbe Welt als Präsidenten anerkannt hat, ein wenig die Ideen ausgehen, wie man die Chavisten von der Macht verdrängen kann. Maduro sitzt fester auf seinem Präsidentensessel im Miraflores-Palast, als es viele seiner Gegner wahrhaben wollen.

Angesichts dessen betonte Guaidó einmal mehr, dass er notfalls auch auf eine Intervention aus dem Ausland setze, um den autoritären Machthaber abzulösen. «Wenn die Zeit gekommen ist», sagte er am Samstag bewusst unbestimmt und bezog sich erneut auf einen Artikel in der Verfassung seines Landes, der angeblich einen venezolanischen Militäreinsatz im Ausland «oder einen von Ausländern in Venezuela» erlaube. Vor zwei Wochen erst hatten sich die Staaten Lateinamerikas, die in der sogenannten Lima-Gruppe zusammengeschlossen sind, ganz klar gegen einen Militäreinsatz zum Sturz des Staatschefs in Venezuela ausgesprochen Dennoch wiederholte Guaidó am Samstag: «Alle Optionen liegen auf dem Tisch», wobei er bewusst das Zitat von US-Präsident Donald Trump übernahm, mit dem dieser mit einem Militäreinsatz seines Landes in Südamerika kokettiert hatte.

Wasserkraftwerk in Bolívar ausser Betrieb gesetzt

Im Zentrum von Caracas nutzte Maduro am Samstag einen Moment, in dem es gerade Strom gab, dazu, seine Anhänger auf den Antiimperialismus einzuschwören. «Sie haben mit Spitzentechnologie, über die nur die USA verfügen, unsere Stromversorgung sabotiert.» Die staatliche Stromfirma Corpoelec hätte gerade wieder 70 Prozent des Stromnetzes in Stand gesetzt gehabt, als ein neuer Cyberangriff das Wasserkraftwerk Guri im Bundesstaat Bolívar ausser Betrieb setzte, behauptete Maduro, ohne Beweise zu nennen. Das Kraftwerk deckt gewöhnlich 80 Prozent des venezolanischen Strombedarfs.

Seit gut sechs Wochen streiten sich in Venezuela die beiden Politiker darüber, wer das Land eigentlich regiert. Zu allem Überfluss kommt zur Lebensmittel- und Medikamentenknappheit sowie der Hyperinflation nun auch noch dieser Stromausfall, der in manchen Teilen des Landes mehrere Tage in Folge anhielt. Patienten starben in Krankenhäusern, die knappen Nahrungsmittel verdarben, und die Menschen blieben in U-Bahnen und Zügen stecken.

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