Luxusreise durch die Outbacks: Der Indian Pacific verbindet Sydney mit Perth

Seit 50 Jahren verbindet der Indian Pacific die Ostküste Australiens mit dem Westen.

Barbara Barkhausen aus Sydney
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Seit 50 Jahren auf den Schienen: Der Indian Pacific.

Seit 50 Jahren auf den Schienen: Der Indian Pacific.

Bild: Great Southern Rail

Rote Erde, wohin das Auge blickt, stundenlang die gleiche Einöde: Während der Fahrt durch die einsame Nullarbor-­Ebene in Südaustralien müssen die Passagiere des Indian Pacific die Seele baumeln lassen. Immer geradeaus geht es hier – ohne Biegung – 478 Kilometer an einem Stück, die längste gerade Strecke der Welt. Insgesamt ist die Bahnstrecke, die seit 1970 den Osten Australiens mit dem Westen verbindet, 4352 Kilometer lang.

Doch die Weite des Outbacks macht nur einen Teil des Reizes des Indian Pacific aus: Vielmehr ist die Reise an sich das Erlebnis – der digitale «Detox» im Nirgendwo genauso wie die exzellente Küche, die im Speisewagen serviert wird, während man gemütlich durch die unterschiedlichen Landschaftszonen Australiens fährt. Die 50 Jahre alte Bahnstrecke hat schon lange nicht mehr den Zweck, Menschen von A nach B zu transportieren. Das können Flugzeuge inzwischen schneller und günstiger. Neben dem Indian Pacific, der in diesem Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, gehören der Rocky Mountaineer in Kanada, die Rovos Rail im Süden Afrikas und der zweite berühmte australische Zug, der Ghan, der das Land von Süden nach Norden verbindet, zu den bekanntesten Zugreisen der Welt.

Legendäre Bahnstrecke ist Luxuserlebnis

Der Indian Pacific, der einmal pro Woche zwischen Sydney und Perth fährt, hat sich wie viele andere «legendäre» Zugstrecken von den «normalen» Passagieren abgewandt, obwohl er nach wie vor Essen und Post für die Menschen im einsamen Null­arbor liefert. Seitdem die Flugpreise günstiger als die Zugreise sind, verkauft sich die Zugfahrt als «Luxuserlebnis» – eine Marketingstrategie, die aufzugehen scheint.

Renaissance der Zugfahrten

Zucktickets sind bis zu sechs Monate im Voraus ausverkauft. Rund 22000 Reisende fahren jedes Jahr mit dem Indian Pacific. Die meisten Fahrkarten – etwa 80 Prozent – gehen derzeit noch an Australier, doch der Zug will «internationaler» werden. «Es ist eine der wenigen transkontinentalen Bahnfahrten weltweit», sagte Luke Walker vom Betreiber Journey Beyond dem lokalen australischen Sender ABC.

Zugfahrten würden eine wahre «Renaissance» erleben. «Es geht jetzt mehr um das Essen und den Wein als um die Reise und es ist eine grossartige Möglichkeit, unsere Landschaft von den Blauen Bergen bis zum Nullarbor zu erleben.» Die Strecke ist nach einem halben Jahrhundert so populär, dass der Zug die Anzahl seiner Waggons ab September von 29 auf 36 erhöhen wird und dann bis zu 260 Passagiere und Crewmitglieder transportieren kann.

Insgesamt ist man im Indian Pacific 65 Stunden unterwegs – 85 Kilometer pro Stunde legt der Zug, der seinen Namen vom Indischen Ozean im Westen und dem Pazifik im Osten ableitet, dabei im Durchschnitt zurück. Wer in Sydney zusteigt, dessen Reise endet momentan im Bahnhof East Perth, doch auch hier ist der Ausbau der Strecke bis in den Perth-Vorort Fremantle geplant, eines der beliebtesten Touristenziele Westaustraliens.

Das 50-Jahr-Jubiläum des Indian Pacific in diesem Jahr wird übrigens auch mit einer Münze gefeiert. Über die aus­tralische Münzprägeanstalt Mint kann ein australisches 50-Cent-Stück als Andenken erworben werden.