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INDIEN: Guru Gurmeet Ram Rahim: «Botschafter Gottes» muss lange ins Gefängnis

Nach seiner Verurteilung wegen Vergewaltigung hatte es Krawalle mit 38 Toten gegeben – nun wandert der schwerreiche Guru Gurmeet Ram Rahim 20 Jahre hinter Gitter.
Guru Gurmeet Ram Rahim. (Bild: Keystone)

Guru Gurmeet Ram Rahim. (Bild: Keystone)

Zum Schluss gab Gurmeet Ram Rahim keine gute Figur mehr ab. Als der Richter gestern seine Strafe verkündete, warf sich der 50-jährige Guru laut heulend auf den Boden des Gerichtssaals im nordindischen Bundesstaat Haryana. «Seid gnädig zu mir», flehte der selbsternannte «Botschafter Gottes». «Ich bin unschuldig.» Nutzen sollte es ihm nicht: Gerichtsdiener führten Rahim ab. Als Häftling 1997 wird er die nächsten 20 Jahre im Gefängnis von Rohtak, 70 Kilometer nordwestlich von Neu-Delhi, verbringen.

Als Anhänger Rahims daraufhin ausserhalb des Gerichts nur einige Autos in Brand setzten, entfuhr Indien ein kollektiver Seufzer der Erleichterung: Am Freitag, als der Richter Rahim für schuldig erklärt hatte, vor 16 Jahren zwei seiner Anhängerinnen vergewaltigt zu haben, reagierten dessen Jünger mit brutaler Gewalt. 38 Menschen starben bei Strassenschlachten, Hunderte wurden verletzt. Premierminister Narendra Modi sah sich gezwungen, die randalierenden Massen zur Ordnung zu rufen – schien sich seiner Sache jedoch nicht allzu sicher: Zur Urteilsverkündung waren nun 25000 Sicherheitskräfte im Einsatz, selbst die Armee war in Alarmbereitschaft versetzt worden. Bis zum Abend blieb die Lage jedoch ruhig. Wer die Aufregung um den schmerbäuchigen Guru mit Rauschebart verstehen will, muss sich Rahims Stellung im Olymp der indischen Gottesmänner vor Augen führen. Dort gibt er allein schon wegen seiner Affinität zu schwerem Goldschmuck und extravaganten Outfits eine der schillerndsten Gestalten ab. Bereits als 23-Jähriger übernahm Rahim die Leitung der Sekte Dera Sacha Sauda und damit den diffusen Auftrag, seinen Anhängern «Wohlbefinden zu bringen» und den «Weltfrieden zu fördern».

Geschickt und geduldig machte Rahim aus der Glaubensgemeinschaft eine Bewegung, die ihm politischen Einfluss und enormen Reichtum bescherte. Bis zu 50 Millionen Anhänger will Rahim heute haben. Indische Medien schätzen das Vermögen der Sekte auf über 40 Milliarden Franken. Viele von ihnen sind ungebildete Angehörige der niedersten Kasten, die sich nach einem Helden und Weltflucht sehnen.

Begnügte sich Rahim anfangs noch mit spiritueller Arbeit, sah er sich bald auch als Künstler berufen. Seit 2012 spülen Pop-CDs, auf denen der Meister singt, Geld in die Kasse. 2015 kam «Bote Gottes – der Film» in die Kinos. Der Film löste Kontroversen aus, weil Rahim sagte, dass es nicht Stunts waren, die zu sehen seien, sondern echte Wunder. Baumstämme mit der Hand spalten, Autos in die Luft werfen, Gegner ausschalten: angeblich ein Kinderspiel.

Gefährlich war Rahim, soweit stimmten die Geschichten: Ein Journalist, der schon früh den Gerüchten über sexuellen Missbrauch in Rahims Ashram nachging, wurde ermordet. Die indische Bundespolizei ermittelt derzeit, weil Rahim etwa 400 Anhänger genötigt haben soll, sich kastrieren zu lassen: Sie sollten so Gott näher kommen.

Ulrike Putz, Singapur

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